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Alt 16.08.2016, 12:04
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Rudiratlos Rudiratlos ist offline
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AW: Ich bin Linkshänder, spiele aber rechts = Probleme?

Ich würde hier gern ein paar Dinge ergänzen. Ich bin umgeschulter Linkshänder oder Pseudorechtshänder - wie man's nimmt. Pseudorechtshänder trifft es aber eher, weil ich mich selbst so früh für rechts entschieden habe, dass ich es selbst nicht wusste, dass ich Linkshänder bin. Fakt ist, dass bei einem Gebrauch der nicht dominanten Hand das Gehirn stärker beansprucht wird. Wie sehr sich das auswirkt, dürfte jedoch von Mensch zu Mensch äußerst unterschiedlich sein. Fakt ist, dass in zusammenhang mit umgeschulten Linkshändern von teils einschneidenden Einschränkungen durch die Umschulung berichtet wird. Es ist also kein Thema für Spinner, die mal eben die Händigkeit aus strategischen Gründen beim Tischtennis umstellen wollen.
Sollte also jemand einen jugendlichen oder ein Kind im Training haben, bei dem die Händigkeit unklar ist, oder jemand ist sich selbst unklar, gibt es dafür Experten, die die Händigkeit zweifelsfrei bestimmen können - Stichwort hier beispielsweise: "Barbara Sattler, München" dort finden sich auch Experten in anderen Bundesländern. Ein Spielen mit der nichtdominanten Hand dürfte im seltesten Fall sinnvoll sein.
Ob jemand Links- oder Rechtshänder ist, ist auch nicht so einfach zu beantworten. Viele geborene Linkshänder laufen als Rechtshänder herum oder bezeichnen sich als Beidhänder oder machen eben viele Sachen mit links oder rechts gleichermaßen gut. Echte Beidhänder gibt es aber extrem selten. Der Vorteil ist nach einiger Gewöhnung nur feinmotorische Nuancen zwischen dominanter und nichtdominanter Hand, auf die es aber ankommen kann. Ich habe das Gefühl, dass bei mir mit links sehr viel einfacher geht und (teil-)automatisch funktioniert, was ja auch beim Tischtennis ein Vorteil ist, wenn man sich nicht mehr auf jeden Schlag selbst konzentrieren muss, sondern auf das Spielgeschehen, den Stand des Gegners, den Schnitt im Ball und so weiter achten kann, während der Schlag weitgehend automatisch abläuft. Das war für mich mit rechts nicht möglich.
Abschließend: Ich habe seit ich festgestellt habe, dass ich Pseudorechtshänder bin, viele Erfahrung bezüglich Händigkeit gemacht und auch mit vielen Leuten gesprochen, die gut mit rechts spielen, zumindest in unteren Klassen bis obere Kreisliga, obwohl Sie sich eigentlich für Linkshänder halten - bei mir hat das nicht zugetroffen. Auch haben viele eine wechselnden Handgebrauch - also scheiben mit Links oder Rechts, Tischtennis anders rum. Was anscheinend auch nicht immer zu (gravierenden) Problemen führt. Trotzdem ist ein bewusster Wechsel der Händigkeit bei komplexen Tätigkeiten ein ziemlicher Eingriff ins Gehirn und sollte mit Bedacht angegangen werden - wenn es sich um einem Wechsel zur nichtdominanten Hand handelt, würde ich sogar ganz abraten und erst schauen, warum die Dominante schwach ist und diesen Mangel, wenn irgend möglich, ausgleichen. Etwa Krafttraining, Koordinationstraining, Physio. Wie "der DJ" berichtet, ist das eingefahrene Verhalten nicht einfach abzustellen bei der Rückschulung, offensichtlich sind auch nichtbewusste Hirnareale beteiligt. Es gibt keinen Schalter. Zudem können weitere physische und psychische Symptome bei einer Umschulung der Händigkeit auftreten. Im Zusammenhang mit der Erzwungenen Umschulung im Kindesalter und mit der Umschulung nach Amputation der dominanten Hand spricht man auch vom "Brainbreaking".
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