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Zitat von Neubaur
Mich würde mal interessieren wie ihr es seht. Es kommt mir so vor, als ob manche Spieler überhaupt keinen Trainer brauchen im Hinblick auf die grundsätzliche Taktik, aber stattdessen viel eher eine mentale Betreuung benötigen - natürlich aber auch dass der Trainer schaut, dass die Spieler nicht von der taktischen Linie abweichen und dann natürlich schon richtig eingreifen, wenn es im Spiel nicht mehr so läuft, aber trotzdem die mentalen Aspekte einen höheren Stellenwert bekommen. Also viele Spieler wissen wie sie zu spielen haben, benötigen dann aber eine echte Vertrauensperson an der Box, die mehr taktischer Begleiter und mentaler Rückhalt sind, als "befehlender" Coach von oben herab (mach dies, mach das, ...)?
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http://www.ettu.org/en/n/news/octobe...es-in-prague-/
Die letzten drei Tage fand in Prag die Coaching Konferenz 2016 der ETTU statt, an der 71 Trainer aus 18 Ländern teilnahmen.
Durch dieses Event bin ich auf dieses Forenthema aufmerksam geworden.
Es gab dort einen Gastbeitrag vom Französischen Tennis Verband:
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Ph.D. Makis CHAMALIDIS (FRA) had the lecture named “Coaching is a Mental Game”. Among various subjects, Consultant for the French Tennis Federation since 1997, explained why Coach should be much more of a Mental Coach.
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Hier wird auch davon gesprochen, dass ein Coach heute viel mehr auch ein "Mentaltrainer" sein muss oder bei seinem Coaching eben viel mehr mentale Aspekte einfließen müssen.
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Zitat von Neubaur
Einen Roßkopf oder ML sehe ich weniger als "befehlender" Coach von oben herab, sondern eher als Berater auf Augenhöhe, die einem gute Ratschläge geben und die genau wissen, was für die Spieler jetzt im Moment richtig und wichtig ist und beide die nötige Ruhe reinbringen können (wobei Landfried auch laut werden kann wenn es erforderlich ist, Roßkopf ist glaube ich mehr introvertiert und geht weniger aus sich raus). Dadurch lenken sie die Spieler viel mehr und halten sie in der richtigen Fahrbahn, da auch mehr Dialog ist und nicht nur von oben herab Kommandos kommen, die der Spieler einfach ausführen soll und fertig.
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ML habe ich schon live in der Bundesliga erlebt. Ich hatte das Gefühl, dass er sein Coaching und auch seine Aktivität während der Sätze bei seinen Spielern unterschiedlich gestaltet hat und auch der Spielsituation oder dem Spielstand angepasst hat.
Bei Roßkopf kann ich nur von Übertragungen von WM und Olympia sprechen, wo ich ihn immer nur stumm und regungslos dasitzen sehe und er eher teilnahmslos das Spielgeschehen verfolgt und er gar nicht versucht, den Spielverlauf von außen zu beeinflussen. Und auch in den Satzpausen sehe ich Roßkopf nie mit Eifer eine Motivationsrede halten um seine Spieler anzutreiben oder eindringlich die Taktik klar machen, sondern ich sehe ihn immer nur ruhig sprechen, sehr emotionslos. Ich denke Roßkopf ist vielleicht ein guter Trainer in der Halle, aber ich sehe ihn nicht als guten Coach an der Bande. Aus verschiedenen Berichten hat man ja auch schon entnehmen können, dass er an Ovtcharov nicht richtig rankommt oder dieser nicht so auf sein Urteil vertraut.
Im Vergleich zu Jörg Roßkopf ist Richard Prause ein ganz anderes Kaliber, der die Spieler auch mal mitreissen kann und in den Spielverlauf eingreift und schon während einem Satz versucht das Ruder rumzureissen.
Zitat:
Zitat von Neubaur
Die Vertrauensbasis zwischen Spieler und Coach muss scheinbar viel größer sein, so wie es Roßkopf und ML vor machen, nicht nur Befehlsgeber von oben oder von außen, sondern auch viel mehr Freund um als gemeinsames Team gegen die Gegner anzutreten. Trainer müssen heutzutage also auch nicht nur reine taktische Coachingtätigkeiten leisten, sondern auch im mentalen Bereich gute Kenntnisse mitbringen? In Grenzau kommt mir es so vor, als ob ein Stefko eher so ein Familienoberhaupt wäre.
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Was meinst du bei Stefko mit Familienoberhaupt? Eher dass er auch Vertrauter der Spieler ist oder dass er von oben herab der Patriarch ist?
Ich weiß nicht ob "Freund" der richtige Ausdruck ist. Also Spieler und Coach müssen nicht wie Kumpels sein, aber ein Vertrauensverhältnis ist natürlich wichtig. Wenn sich Spieler und Coach gut verstehen, dann ist auch der Draht in engen Spielsituationen besser, wenn ein großer Druck da ist.
Zitat:
Zitat von Neubaur
Wie läuft es in anderen Vereinen?
Ein Freund als Coach hilft manchmal mehr?
Haben einige andere Trainer die Zeichen der Zeit nicht erkannt?
Fragen über Fragen.
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Wenn du mit anderen Vereinen Bundesligavereine meinst, dann kann ich nur zwei Dinge berichten. Ich habe mal von einem schwierigen Verhältnis damals zwischen Christian Süß und Dirk Wagner in Düsseldorf mitbekommen, mit verweigertem Timeout und so Dingen. Da war wohl kein Vertrauensverhältnis da. Ganz anders habe ich das mal in Hanau erlebt. Ich glaube es waren die Spieler Mengel, Filus und Franziska und der Trainer war Helmut Hampl. Der hatte zwar ein Auftreten wie ein General, aber man hatte immer das Gefühl, dass die Spieler wie seine eigenen Kinder waren.
Wenn du Breitensportvereine meinst, dann kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen. Mir ist dann am liebsten, wenn mich ein Mannschaftskollege betreut, mit dem ich mich sowieso gut verstehe. Der redet keine dummen Dinge an mich ran, wenn es bei mir nicht so läuft, sondern trifft den richtigen Ton. Wichtig ist natürlich aber auch, dass er weiß von was er spricht.
Auf die generelle Frage würde ich antworten, ja, dass ein Trainer im Profisport heutzutage nicht nur das Tischtenniswissen mitbringen muss, sondern auch im mentalen Bereich sehr fit sein muss. Oder es muss ein zusätzlicher Mentalcoach her, dass muss für jeden Spieler eine Selbstverständlichkeit sein.