Zitat:
Original erstellt von Bernd Beringer
Mit der Änderungs- und Regelungswut unserer Funktionäre können wir unseren Sport nicht besser präsentieren, sondern nur mit Erfolgen unserer Spitzenleute - siehe Biathlon, siehe Skispringen, siehe Golf, siehe vor allem Tennis, das ohne echte Heros sofort wieder stark rückläufig geworden ist. Trotzdem übertragen die Fernsehsender in Deutschland noch immer überdurchschnittlich viel - und die Tennisspieler haben mit ihren Sätzen, die zwischen 30 und 60 Minuten(!) dauern, keine einzige Regel geändert.
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O.K., beim Tennis muß ich Dir uneingeschränkt zustimmen, da lag der Boom wirklich fast ausschließlich an den Stars.
Sicherlich machen die Spitzenleute auch beim Biathlon oder Skispringen einen Teil des Aufschwungs aus, aber gerade diese Sportarten sind auch gute Beispiele dafür, wie "angestaubt" wirkende Sportarten ihre Regeln änderen, um mehr Spannung zu bekommen.
Im Skispringen z.B. wurde der V-Stil am Anfang mit drastischen Punktabzügen bestraft. Aber er wirkte doch ein bißchen waghalsiger als der biedere klassische Stil und brachte größere, spektakuläre Weiten, also wurden die Regeln zur Punktevergabe drastisch geändert. Alle Skispringer mußten ihren Stil wirklich grundlegend ändern, um konkurreznfähig zu bleiben, weit mehr, als das bei den neuen TT-Regeln der Fall ist; einige sind damit nicht klar gekommen und haben so eine Hauptquelle ihres Lebensunterhalts verloren. Aber heute ist Skispringen populärer als je zuvor.
Im Biathlon wurden die Verfolgungsrennen eingeführt. Sportlich eher zweifelhaft, weil so das Ergebnis des ersten Rennens praktisch doppelt zählt, aber ein Riesenerfolg, weil gerade diese Rennen den Zuschauern ein höheres Maß an Spannung bieten.
Gut beim Golf gab es keine großen Regeländerungen. Aber der große Anstieg der Aktiven fällt mitnichten mit den sportlichen Erfolgen eines deutschen Bernard Langer zusammen. Dessen große Zeit war viel früher, und da gab es keinen Boom. Vielmehr hat der Aufstieg des Golfens mit einer großen Imagekampagne zu tun. Weg vom Sport der Reichen hin zum Vokssport. Die gut betuchten durften auf einmal nicht mehr alleine ihre Runden drehen, immer häufigert gab es Schnuppertage, Schul-AG´s oder auch starke Beitragssenkungen.
All das sind Beispiele dafür, wie Sportarten, die sich zu sehr ins Abseits gedrängt fühlten, durchaus erfoglreich versucht haben, ihr Image (teilweise durch Regeländerungen) zu verbessern und eventuell mehr Spannungsmomente einzuführen.
Ich selber habe auch meine Zweifel, ob die neue Zählweise das geeignete Instrument ist. Mein erstes Spiel nach den neuen Regeln habe ich wesentlich erfolgreicher bestritten als sonst gegen den gleichen Gegner, aber mehr Spaß hat es nicht gemacht, und interessanter war es auch nicht.
Aber prinzipiell finde ich es sehr gut, wenn sich Gedanken gemacht wird, wie wir unseren Sport attraktiver gestalten können, und da dürfen Regeländerungen kein Tabu sein.
Früher war TT in dieser Beziehung sogar ein sehr dynamischer Sport, es gab früher schon Spiele bis 100, bis 50, Aufschläge direkt auf die gegnerische Hälfte, andere Bälle, andere Schläger, höhere Netze, andere Tische, und die Regeln die wir jetzt kennen, sind das Ergebnis dieses dynamischen Prozesses, der nicht enden sollte, soll Tischtennis weiter zeitgemäß und interessant für den Nachwuchs sein.
Und sicherlich kann man nicht alle, die gegen die neuen Regeln sind, als fortschrittsfeindlich abstufen. Aber genausowenig sollten die Befürworter und vor allem die Entscheidungsträger hier beleidigt und diffamiert werden.
Glaubt Ihr wirklich im ITTF sitzen keine Leute, denen am Wohl des TT etwas liegt ? All diese Funktionäre haben auch mal klein angefangen und am Anfang ihrer "Karierre" sicherlich viel Zeit und Engagement ihr Hobby !!! gesteckt. Und das sind immer noch die gleichen Menschen.
Ihre fachliche Meinugn muß man nicht teilen, aber was hier an Unterstellungen teilweise gelaufen ist, fällt manchmal schon unter den Begriff Verleumdung.