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AW: Donald Trump neuer Präsident der USA
Aus meiner Sicht hatte ich keinen Disput mit Bernardus - zumindest nicht zu Anfangs. Ich hatte lediglich zu verstehen gegeben, dass ich diesen Gert Ewen-Ungar nicht schätze, da er für mich keinen besseren Stil pflegt als der von ihm kritisierte mainstream Journalismus. Nicht mehr als eine Meinungsverschiedenheit ohne persönliche Anmache und auch ohne irgendwen in eine wie auch immer geartete Ecke zu stellen. Danach kam gleich eine ganz dicke, ins persönlich beleidigende abdriftende Keule.
...und ja, da hätte ich noch gelassener drauf reagieren können. Hab ich nicht. Stimmt.
Egal jetzt, nur warum mir zum wiederholten Male nachgesagt wird, dass ich voreilig dazu neige wen auch immer in die rechte Ecke zu stellen, ist mir ein Rätsel. Damit werd' ich hier wohl leben müssen, denn hier funktioniert die Welt auch nicht anders als sonstwo. Ist so ein Gerücht erst mal gestreut worden, bleibt das halt hängen und wird immer wieder thematisiert.
Eben so unschön finde ich, dass ich in die Nähe von Linksextremismus eingeordnet werde. Auch das wird hängen bleiben und den zu erwartenden Lauf nehmen.
Richtig ist, dass ich die sicher nicht nur für mich immer gesellschaftsfähiger werdende Fremdenfeindlichkeit nichts abgewinnen kann. Dazu stehe ich. Für mich ist hier in unserem Land die von ihr ausgehende Gefahr auch eine viel Realere als z.B. Krieg oder das angeprangerte Spielchen der Mächtigen und Reichen, die gern als homogener Haufen hingestellt werden, die das Volk ausbluten lassen, was auch gern als Ursache für den gesellschaftlichen Rechtsruck, wenn nicht gar als Rechtfertigung mit Tendenzen bis hin zum Verständnis dafür, hergenommen wird. Selbst wenn ich zugestehen würde, dass das so gesehen werden kann, was ich allerdings nicht mache, weil mir einfach der Blick auf die Reichen und Mächtigen zu undifferenziert ist, ist das zumindest für mich keine hinnebare Entschuldigung. Auch ich bin davon überzeugt, dass es viele Missstände gibt, denen auf politischer Ebene entgegengewirkt werde müssen. Auch ich bin der Meinung, dass da gar seit Beginn der BRD (und eben nicht nur in der letzten Zeit) vieles versäumt wurde. Nur bin ich davon überzeugt, dass der momentane Rechtspopulismus, den immer mehr Menschen als Lösung ansehen, zu einem viel größeren gesellschaftlichen Problem wird, als all die Missstände zusammen.
...aber ich ecke nicht nur hier an, passiert mir auch im RL. Da passiert es schon mal, dass ich mit ein paar Leuten zusammen mit dem Auto zum BvB-Spiel fahre und dort dann die morgendliche BILD-Schlagzeile zum Moscheenbau oder sonst was thematisiert wird. Auch da kann ich dann die Schnauze nicht halten. Oder bei Familienfeiern gerate ich auch schon mal mit engen und sehr geschätzten Familienmitgliedern aneinander. Eigentlich könnte mir der ganze Scheiß ja am Arsch vorbei gehen. Betrifft ja alles nicht mich persönlich. Ich bin kein Flüchtling und kein Ausländer. Reich und mächtig bin ich auch nicht. Und ganz bestimmt auch kein Extremist. Tut es aber nicht, denn es ist mir einfach wichtig. Ich habe einen Sohn und werde so lange ich lebe niemals akzeptieren, dass er und mit ihm seine Generation samt aller noch nachfolgenden in einem Land, in einem Europa, in einer Welt leben soll, in der Fremdenfeindlichkeit als Option angesehen wird, die das eigene Leben besser macht. Eine Haltung, die immerhin auf unser GG fußt.
Da kann hier von mir aus jeder Einzelne mich als Alkoholiker, Linksextremer und von mir aus namenstanzenden Spinner, der an der einen oder anderen Stelle eher "Teak oder Eiche statt Balsa oder Weide"-gleich sturköpfig undifferenziert auf seine Reizthemen anspringt und damit übers Ziel hinausschießt, hinstellen. Nicht einen Millimeter werde ich zurückweichen und klein bei geben. Dass auch ich nicht die Welt zu verändern vermag, das muss mir nun wirklich niemand erklären.
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