Auch beim Volleyball gab es in der Vergangenheit einige Regeländerungen, so konnte man früher z.B. nur bei eigenem Aufschlag punkten. Allein bei den letzten Pokalendspielen wurde viel experimentiert mit Änderungen bei Wechseln, Videobeweisen, Auszeiten usw.
Allerdings prostituiert man sich nicht fürs Fernsehen und bis auf das Pokalfinale sieht man auch hier keine bewegten Bilder das ganze Jahr - aber wen interessierts? Die Stimmung in der Halle gestern war gigantisch, das war mein erstes Livespiel und ich muss sagen, ich werde künftig lieber mehrfach in der Saison die 250 km nach Stuttgart auf mich nehmen als die 10 km nach Saarbrücken zu einem totlangweiligen Tischtennisspiel.
Gefühlt war da in einem Satz Volleyball mehr Stimmung als in 10 Jahren Tischtennis-Bundesliga zusammen. Da wird bei jedem Aufschlagfehler geklatscht - interessiert niemand. Bei jedem Netzroller rastet die Masse aus - interessiert keinen. Bei jedem Aufschlag ist bis der Ball der Netz überquert, ein Lärm in der Halle, als würde man auf dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens stehen - interessiert keinen Spieler - und mir kann niemand erzählen, dass man sich vor über 10.000 Zuschauern im wichtigsten Spiel der Saison nicht konzentrieren muss.
Während im Tischtennis der Ballwechsel schon abgebrochen wird wenn in der Halle ein Glas umfällt, steppt beim Volleyball permanent der Bär. Man klatscht um die eigene Mannschaft anzufeuern und da ist es egal, ob der Ball hundert mal übers Netz ging oder der Gegner den Aufschlag ins Netz semmelt. Beim Tischtennis gäbs Tote wenn das passieren würde.
Insgesamt ist das eine komplett andere Fankultur und ein wahnsinnig geiles Erlebnis, Teil einer solchen Zuschauermenge zu sein. Nächstes Jahr muss ich mir das unbedingt mal im Fanblock der Stuttgarter reinziehen - ich wünschte mir schon jetzt, ich wär ein Jahr älter.

Ich bin auch nicht gerade der Typ, der beim Sport anschauen sonderlich laut wird aber die Atmosphäre gestern war derart inspirierend, dass ich nach dem Spiel eine Gänsehaut hatte, der unfassbar dramatische Spielverlauf mir die Tränen in die Augen getrieben hat und ich kaum noch eine Stimme hatte.
Ich fand das extrem beeindruckend! Das Problem beim Tischtennis ist nicht, dass es 5 Sekunden dauert zwischen den Ballwechseln - im Volleyball gibt es pro Satz bis zu 5 Auszeiten und gefühlt dauert es länger zwischen den Ballwechseln bis es weiter geht - na und? In der Zeit toben auf den Tribünen die Trommler und heizen die Zuschauermassen auf. Mein Sitzplatz war ziemlich in der Hallenmitte und ich hab den einen oder anderen Aufschlag verpasst weil ich zwischen den Ballwechseln vollkommen fasziniert auf beide Fankurven fixiert war und bewundert hab, was da abging - deutlich zu kurze Pausen!

Tischtennis hat das Problem, dass Zuschauer und Spieler historisch gelernt haben, dass Stimmung verboten ist und man nur vor Friedhofsstimmung dem Sport nachgehen kann. Das Problem ist die Einstellung der Zuschauer und Spieler selbst, nicht irgendwelche Korinthen-Kacker Regeln, die die Spielzeit um zwei Zehntel Sekunden beschleunigen.
Ich hasse Dart aber nach der Erfahrung gestern kann ich sehr gut nachvollziehen, warum das im Fernsehen rauf und runter läuft. Das Spiel an sich ist jetzt nicht gerade sonderlich anstrengend oder extrem abwechslungsreich - der entscheidende Faktor ist die Stimmung auf den Rängen und alles rundherum, was dafür sorgt, diese anzuheizen.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich beim Tischtennis mal 8 Stunden nach Spielende so aufgedreht im Bett gelegen hab, dass ich kein Auge zubekommen habe.
Sorry, wenn das jetzt nicht unbedingt viel mit dem Thema zu tun hatte, aber das musste ich einfach loswerden.

Zum Glück ist Tischtennis eine Insel der Glückseligkeit und man tut das Beste, um nicht von anderen Sportarten zu lernen!