Hallo Noppenzar,
lese ich richtig heraus, dass du Fitnesstrainer bist oder aber zumindest selber Fitness-/Krafttraining betreibst und somit aus belegbarer Erfahrung zum Thema beiträgst?
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Zitat von Noppenzar
Deshalb schrieb ich ja auch von 20-30 Wiederholungen. Es bringt durchaus was für die Schnellkraft. Glenn Östh hat dazu schon vor 25 Jahren in seinem Buch geschrieben.
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Thematisch kommen wir hier gerade von der Erholung bzw der Dauer der Erholung bzw dem maximalen Belastungsumfang, oder?
Nun, an freien Gewichten oder Maschinen simuliert man nicht die komplexe Bewegungskette für die Bewegungen am Tisch, demnach reicht es nicht aus nur die Beine in einem einzigen Vektor zu trainieren. Darüber hinaus besteht auch der Begriff "Gesamtbelastung". Auch bei einer Wiederholungszahl von 20-30 ist das Gewicht so zu wählen, dass ein Anpassungseffekt erzielt werden kann. Die absolute Belastung bleibt also auch bei 20-30 Wiederholungen und entsprechend benötigtem Gewicht hoch.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Training mit dem eigenem Körpergewicht halte ich für eine Modeerscheinung. Gut, der berühmte "Klositz" an der Wand, den kennen wir alle und macht auch für die Ausdauer durchaus Sinn.
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Modeerscheinung, weil du erst durch die immer größer werdende mediale Verbreitung von diesen Sportarten etwas mitbekommst?
Natürlich ist es viel leichter an einer Latzugmaschine mit Ach und Krach 60 Kg zu ziehen, als mit seinen eigenen 90 Kg zehn ordentliche und vollumfängliche Klimmzüge zu schaffen. Bei der Latzugmaschine kannst du ja 10 Kg reduzieren, wenn du das Gewicht nicht schaffst und erzeugst dir dennoch das Gefühl, "etwas geschafft" zu haben. Wie frustrierend ist dagegen das Gefühl, wenn man noch nicht mal zwei Klimmzüge ohne zittern, mit ausgestreckten Armen und mit dem Kinn über der Stange schafft?
Ich erkläre dir mal, was eine Modeerscheinung ist: Die ganzen Billig-Fitnessketten, welche seit Jahren aus den Böden sprießen, in denen nur noch Menschen herumlaufen, welche keinen realen Bezug mehr zum eigenen Körpergefühl entwickeln. Kaum ein Mensch ist mehr in der Lage seinen Körper in Spanung zu bringen und ihn in den unmöglichsten Posen zu balancieren. Und weswegen? Weil das Gewichteheben eindeutig zu sichtbarem und schnellerem Erfolg führt: "Schau mal, 5 Kg gecurlt, woah!"
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Zitat von Noppenzar
Gewichtetraining in richtiger Art, kein Tischtennisspieler sollte auf Masse oder Maximalkraft gehen, macht mMn. durchaus Sinn.
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Nochmal die Frage: Weil du das auch selber so an deine Athleten weitergibst bzw das selber so praktizierst?
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Zitat von Noppenzar
Als Tischtennisspieler, egal ob Amateur oder Profi, hast du das Problem der dauernden Wettkämpfe. Eine richtige Pause zum Aufbau der Fitness gibt es kaum.
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Das liegt dann aber nicht am Trainingssystem, sondern am falschen Ehrgeiz des Trainers oder des Trainierenden. Schließlich kann man ja mal ein Turnier oder eine Trainingseinheit sausen lassen. Wenn nun das Argument "Geldeinnahme" fällt, dann sollte an dieser Stelle auch mal überlegt werden, wieviel Gelder man in krankheitsbedingten Ausfallzeiten einnimmt. Muss man ja auch abwägen.
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Zitat von Noppenzar
Und steigert man hier die Umfänge nur sporadisch vor wixhtigen Anlässen, dann erweist man verletzungsanfälligen Spielern wie Boll einen Bärendienst.
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Das muss ja vor Wettkämpfen genau andersherum geschehen. Jeder Sportwissenschaftler sollte die Systeme der Trainingsperiodisierung und der Wettkampfvorbereitung idealerweise aus dem effeff beherrschen.
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Zitat von Noppenzar
Aber kontinuierlich, langsam steigernd sehe ich da durchaus Sinn.
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Zitat von Noppenzar
Die Chinesen machen sicher in der Richtung etwas. Sie sind viel austrainierter als die Euripäer.
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Natürlich sind auch die Chinesen für die Belastung vorbereitet, allerdings sehen ein paar wenige dennoch wie "Lappen" aus, bringen aber super Resultate. Warum muss ein Top-Sportler immer gleich muskulös, durchtrainiert aussehen?
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Zitat von Noppenzar
Die hier verbreitete Methode täglich seine Einheiten zu trainieren und dann kurzfristig vor wichtigen Veranstaltungen extrem hochzufahren, halte ich für kontraproduktiv.
Vor der Saison und am Anfang pushen, zum Ende und in Richtung der Entscheidungen nur noch bestmöglich halten.
Im Fußball macht man es mittlerweile genau andersrum.
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Hier gebe ich dir vollkommen Recht! Genau genommen begann dieses Umdenken in Deutschland seit Klinsmann in 2004.
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Abschließend: Schnellkraft und Kraftausdauer -> Tabata-Intervalle mit Übungen am Tisch, kleiner Aufwand, große Wirkung.
Gegen Dysbalancen: (Vinyasa) Yoga -> Spannung/Entspannung (ja, ich höre den Aufschrei! Und: Modeerscheinung!).
Ich selber hatte einen Muskelfaserriss im rechten Beinbeuger. Monatelange schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Dann dachte ich mir: "Komm, geh halt mal zum Yoga, die dehnen ja alles auf, wird nicht so schlimm sein." Meinem Bein geht es wieder gut!
Meine Beinarbeit am Tisch war noch nie besser!
Yoga muss man erst mal schaffen, Yoga ist was völlig anderes, als stumpf ein Gewicht zu stecken und es dann zu ziehen oder zu drücken. Yoga ist schwer und anstregend, sau anstrengend uns schwer sogar. Verbunden mit einem sehr hohen Frustfaktor für Einsteiger. Aber das ist ja etwas, womit der gemeine TT-Spieler schlecht umgehen kann: Frust.
https://www.youtube.com/watch?v=rQaE...youtu.be&t=17s