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AW: Quo vadis Tischtennis?
Hallo zusammen,
auch ich sehe die Entwicklungen in unserer Sportart äußerst kritisch. Vor allem, weil die Reformen sich in den vergangenen Jahren doch stark auf den Bereich der Leistungsspitze konzentrieren. Die ist es aber in meinen Augen nicht, die die Zukunft sichert. Gerade die Strukturreformen erwecken bei mir den Eindruck, als hätte man sich den Fußball zum Vorbild genommen. Aber (ich weiß, etwas überspitzt): Selbst wenn wir noch die Abseitsregelung irgendwie einbauen, attraktiver macht das unseren Sport nicht.
Letztlich muss man auch mal deutlich festhalten, dass alle Reformen, die auf eine Professionalisierung abzielen ins Leere gelaufen sind. Kein großer TV-Sender wird über den Liga-Spielbetrieb berichten. Zuschauereinnahmen reichen nicht zur Kostendeckung und Sponsoren sind wegen fehlender Öffentlichkeitswirkung schwierig zu finden. So ist Tischtennis für viele Mannschaften ab Oberliga ein Minus-Geschäft. Und in meinen Augen zwingt der DTTB die Vereine dabei nur dazu draufzuzahlen. Das geht bei vielen aber nicht auf Dauer gut. Ob es jetzt sechs oder sieben Mannschaften in der Damen-Bundesliga werden, ist egal. Fakt ist: Man bekommt nicht einmal die Eliteliga gefüllt. Das System ist krank.
Das genannte Beispiel Basketball finde ich bemerkenswert. Sicher, eine ganz andere Sportart, aber in ihrem Schattendasein doch vergleichbar. Allerdings hat man sich dem Problem hier offenbar von anderer Seite angenähert: Der Bund/die Verbände bereichern sich nicht finanziell an den Verein und fordern wie im Tischtennis, sondern fördern finanziell. Und dieser Lösungsansatz erscheint mir durchaus sinnvoll. Tischtennis lebt nicht vom Spitzensport, es lebt vom Breitensport. Das ist die Basis, auf die sich Reformen konzentrieren müssten. Auf jedem Schulhof, auf jeder Jugendfreizeit kommt man mit unserer Sportart in Berührung. Diese Jugendliche in die Vereine zu bringen, muss das Ziel sein. Nachwuchsförderung. Und da hat uns Basketball offenbar einiges voraus. Denn die honorieren das. Wenn Vereinen entsprechende Fördergelder zur Verfügung stehen, kann in Übungsleiter investiert werden und das lockt wiederum den Nachwuchs in die Halle.
Aber was passiert stattdessen: Man versucht das Wegbrechen der Breitensport-Basis zu kaschieren. Mit dem Ende des Festspielens in einer höheren Mannschaft und einer doppelten Spielberechtigung. Das finde ich nicht pauschal schlecht, lenkt aber in meinen Augen vom eigentlichen Problem ab und ist nicht mehr als eine Nebelkerze.
Bezogen auf die Ausgangsfrage: Im Moment schaffen wir unsere Sportart ab. Funzel hat anfangs mal erwähnt, dass sich die Reformen auf den Bereich Athletik zu Ungunsten von Rotation fokussieren. Das beschreibt sehr schön das Kernproblem: Versucht wird, eine Sportart so zu verändern, dass sie fernsehtauglich wird. Aber dieses Vorhaben ist von vornherein zum Scheitern verurteilt und geht zu Lasten der Identifikation.
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