Spezifisches Training für einen hektischen / entscheidungsschwachen Spieler
Liebe Forumsgemeinde,
da in meinem Verein kein hauptamtlicher Trainer angestellt ist, arbeite ich zur Zeit so oft als möglich mit den Jugendspielern und versuche über Balleimertraining und Übungen gewisse Systematiken im Training zu etablieren.
Ich habe nun eine spezielle Frage mit Blick auf einen Spieler, dessen Potenzial ich - unbesehen meiner bescheidenen Grundkenntnisse als Trainer - als enorm einschätzen würde. Ich bitte die Ausführlichkeit meiner Frage zu entschuldigen, hoffe aber durch eine möglichst detailreiche Darstellung der Umstände auch möglichst präzise Antworten evozieren zu können.
Das aktuelle Niveau des 18-Jährigen genau zu spezifizieren fällt mir aufgrund dessen Leistungsschwankungen nicht leicht; aktuell verfügt er aber über einen TTR-Wert von etwa 1450 Punkten und spielt demnächst in der dritten Bezirksliga hinten.
Grundsätzlich scheinen mir viele gute Voraussetzungen gegeben zu sein: Der Betreffende verfügt über eine hohe Motivation, einen guten Trainingsfleiß, sehr gute Beinarbeit, ein körperbetontes und teilweise explosives Spiel, harte Spins auf beiden Seiten, grundsätzliche Kenntnisse über das Basisschlagrepertoire und ist taktischen Hinweisen durchaus zugänglich. Ich weiß, dass Vergleiche mit professionellen Spielern vermieden werden sollten, will ihn aber, um seine körperlichen Anlagen und seine Spielweise etwas verbildlichen zu können, mit Kreanga vergleichen.
Nun verliert dieser Spieler teilweise regelmäßig (auch im Training) gegen weitaus schwächere Spieler, gewinnt aber wiederum gegen Spieler, die deutlich mehr Punkte besitzen als er. Ich würde insofern behaupten, dass er - würde er sein bereits aktuell vorhandenes Potenzial abrufen - beispielsweise im vorderen Paarkreuz der genannten Mannschaft spielen könnte.
Entscheidendes Problem erscheint mir nun zu sein, dass er im Spiel einerseits zu hektisch agiert und andererseits falsche Entscheidungen trifft; um konkreter zu werden: Er flippt zu risikoreich bei kurzen schnittreichen Aufschlägen, versucht auf Unterschnitt zu schießen, spielt einen wilden aktiven Block, wenn ein passiver genügen würde, schießt regelmäßig "Rückhandracketen" über den Tisch, wenn sein Gegner ihm halbhohe leere Bälle zuspielt oder verschlägt Bälle aus der Ballonabwehr. Gegen einen starken Gegner wiederum kann sich diese schlechte Quote innerhalb von Minuten wenden und all diese Bälle finden ihr Ziel, sodass er einen Spieler mit 1700 Punkten geradezu vom Tisch fegt.
Ich bin mir nun im Unklaren, wie ein Training aussehen könnte, bei dem ich möglichst effektiv am Ausräumen dieser Fehler arbeiten kann. Wenn ich ihm am Balleimer 30 Unterschnittbälle über 2/3 des Tisches verteilt zuspiele, zieht er 25 sauber mit der Vorhand. Wenn ich eine dreigliedrige Übung mit einem Vorhandschupf, Rückhandspin und abschließendem Vorhandschuß einstreue, spielt er auch diese nach kürzester Zeit mit größter Präzision und scheint auch meine Hinweise zum Einsatz des jeweiligen Schlages verstanden zu haben. Folgt dann aber ein offenes Spiel, ist es gut möglich, dass er keinen einzigen derartigen Schlag sauber trifft.
Meine Schilderung war zugegebenermaßen etwas konfus, ich hoffe aber, dass die Grundproblematik deutlich wurde. Wie kann ich mit diesem Spieler gezielt an den genannten Problemen arbeiten? Welche Übungen am Balleimer, aber auch im normalen Training bieten sich an und inwiefern ist es überhaupt möglich, hier gezielt an Verbesserungen zu arbeiten? Ist die Lösung eher technisch, oder müsste hier auch intensiver taktisch-psychologisch gearbeitet werden, um Hektik und Fehlentscheidungen aus dem Spiel zu nehmen?
Ich würde mich über Anregungen freuen und vertraue auf das Fachwissen hier im Forum,
Michel Foucault
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