Zitat:
Zitat von Uranus
Wan Guohoi, Jie Schöpp, Zhu Xiaoyong, Chen Hongyu, Lei Yang, mal ehrlich, was sind das für Chinesen?
In China arbeiten für die Nationalmannschaft Chinesen wie Liu Guoliang, Kong Linghui, Ma Lin, Wang Hao, ...
Natürlich bekommt man von denen keinen. Aber die oben genannten dürften in China nicht mal die Jugend-Nationalmannschaften trainieren. Das waren hauptsächlich zweit- oder eher drittklassige Chinesen, teilweise noch schlechte, die deshalb in Deutschland sind, weil sie in China bedeutungslos waren.
...
|
In einigen Punkten hast du sicher Recht und deine Botschaft, dass mehr in die deutschen Trainer investiert werden sollte, teile ich absolut.
Ein paar Kommentare muss ich dann aber doch noch loslassen:
1. Den wichtigsten Satz schreibst du schon selbst. Die allerbesten Chinesen bekommt man nicht. Insofern hat sich da die Diskussion auch erübrigt, denn wenn man die nicht kriegt, braucht man auch nicht deren Verpflichtung fordern. Li Xiaodong und Chen Qi machen diese chinesische TT-Akademie in Europa, aber auch die sind dann nur ab und zu mal für Lehrgänge dort. Das ist eher eine Kooperation.
2. Ich habe nie behauptet, dass wir die allerbesten chinesischen Trainer haben. Aber das hatte Turbo ja auch nicht gefordert. Ihm reichte schon ein "chinesischer Hinterwäldler" um "die Mücken flottzumachen". Insofern hat meine Auflistung doch durchaus Relevanz gehabt, oder nicht?
3. nicht jeder gute Spieler ist automatisch ein guter Trainer
4. Genauso wenig wie die drittklassigen chinesischen Trainer zaubern können, können das die erstklassigen. LGL, Kong Linghui, Ma Lin, etc. waren alle unglaublich gute Spieler, mögen eine riesige taktische und technische Expertise und Erfahrung haben, aber aus einem untalentierten Spieler machen die auch keinen Weltstar. Wie Rudi Endres schon richtig schreibt, haben die Chinesen viel mehr "Spielermaterial" zur Verfügung. Der Grundstein wird dort schon in jungen Jahren gelegt, auch unterhalb des Provinzniveaus schon. Und das gelingt nur deshalb, weil es in China eine breite Masse an Trainern gibt, die Ahnung haben. Wenn die Spieler schon mit einer verkorksten Technik in der Provinzmannschaft ankommen würden, wäre Hopfen und Malz schon verloren.
4. einige der in Deutschland anwesenden Chinesen unterschätzt du:
Chen Hongyu mag als Spieler nie herausragend gewesen sein, war aber immerhin mal in der Nationalmannschaft und ist Trainer einer Superligamannschaft und Provinztrainer in Jiangsu.
Zhu Xiaoyong war mal im Nationalteam. Ein
Fan Changmao (lange Spielertrainer bei Würzburg) war Mannschaftsweltmeister und neben Wang Tao und Wang Hao Trainer in der chinesischen Volksbefreiungsarmee,
Ma Wenge ist Provinztrainer in Tianjin,
Tian Zichao (zuletzt am Stützpunkt in Saarbrücken, vorher bayerischer Landestrainer und belgischer Nationalspieler) ist seit April Cheftrainer einer südchinesischen Provinz.
Chen Zhibin (Ikone in Grenzau) war ein Spieler von Weltformat und ist eine feste Größe im chinesischen Tischtennis.
Qiu Jianxin (bis Rio Privattrainer in Frickenhausen und Trainer von fast allen in Deutschland spielenden Japanern) genießt in China größten Respekt.
Mitglied der chinesischen (Jugend)Nationalmannschaft gewesen zu sein, sagt noch nicht so viel aus - falls das überhaupt immer stimmt, ist ja schwer nachzuprüfen. Die Nationalmannschaft umfasst rund 20 Spieler und da wird auch schnell aussortiert, wenn die Leistung nicht stimmt, aber ein gutes Niveau hat man dann sicherlich. Nicht umsonst spielen etliche, ältere Chinesen ohne großes Training in der 2. Liga, 3. Liga und Regionalliga mehr oder weniger aus dem Stand Topbilanzen am laufenden Band.
Ich habe mich damit etwas vom eigentlichen Thema entfernt, ich weiß. Ich wollte lediglich demonstrieren, dass es Quatsch ist, zu behaupten, es kämen nur absolute Luschen als Trainer oder Spieler aus China nach Deutschland.
5. Darüber hinaus meinte Dimitrij Ovtcharov nach einem seiner ersten Superliga-Aufenthalte, dass selbst die zweitklassigen Sparringspartner in China mehr Knowhow bzgl. Technik gehabt hätten als er. Aus Ochsenhausen habe ich schon von einigen gehört, wie begeistert sie von Fu Yongs Techniktraining am Balleimer sind. Dass die chinesischen Trainer immer pauschal für Götter gehalten werden, ist sicherlich unberechtigt. Viele sind trotzdem sehr gute Trainer und viele auch besser als viele der aktuellen deutschen. Gar nicht mal, weil sie besonders gut sind, sondern weil die deutsche Trainerlandschaft aufgrund Personalmangels wahrscheinlich selten schlechter war. Ein Bundestrainer (ich meine es war Eva Jeler) beklagte mal im Interview, dass in den letzten 20 Jahren in Europa unheimlich viel Knowhow verloren gegangen ist. Vieles, was man früher wusste, entdeckt man jetzt erst wieder. Genauso habe ich schon mehrfach von renommierten Trainern gehört, dass die europäischen Spieler in der Breite früher technisch besser ausgebildet waren.
Teil 2