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Alt 24.05.2017, 18:25
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: DER Thread für politisch Interessierte

Zitat:
Zitat von Danielson Beitrag anzeigen
@Noppenzar

In Deinen letzten Beiträgen urteilst Du durchaus differenziert über Lehrer. Und Du begründest auch Deine Urteile. Das ist so in Ordnung! Wenn Du aber anfängst mit General-Injurien (allgemeinen Schmähungen) über Lehrer oder Lehrerkinder zu urteilen, musst Du damit rechnen, dass einer wie ich, der sehr viel Zeit in seinen Beruf investiert, Dir mit General-Injurien hier auch antwortet.

Einem Großteil Deiner Thesen stimme ich sogar zu. Sogenannte (vielmehr selbsternannte) Bildungsexperten wie Richard David Precht oder Gerald Hüther polemisieren regelmäßig gegen den Frontalunterricht und glauben das Heil der Kinder liege im Projektunterricht, in dem sich die Heranwachsenden in Gruppen vieles selbst erarbeiten und der Lehrer nur noch eine Art Moderator ist.

Die große Vergleichsstudie des Neuseeländers John Hattie hat vor Jahren wissenschaftlich fundiert dokumentiert, dass sich ein guter Lehrer nicht in eine Moderatoren-Rolle zurückziehen darf, sondern dass er klare Aufgaben-Instruktionen im Unterricht formulieren muss und regelmäßig überprüfen sollte, was seine Schüler "im Einzelnen" können bzw. was sie in seinem Unterricht überhaupt gelernt haben. Darüber hinaus sollte er sich in seine Schüler hineinversetzen können, gute Beziehungen zu ihnen haben. Wenn die Kinder dem Lehrer nicht vertrauen, lernen sie auch nichts bei ihm.

In jeder Studie zur deutschen Bildungspolitik wird ebenso dokumentiert, dass es Arbeiterkindern in Deutschland im Vergleich zu Kindern in anderen Nationen relativ selten gelingt, einen akademischen Abschluss zu erlangen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Aber Lehrer tragen dafür zweifellos eine Mitverantwortung. Auch dazu gibt es Studien, die belegen, dass bei gleichem Leistungsvermögen Lehrer mehr Skrupel haben, einem Akademikerkind eine schlechte Note zu geben als einem Arbeiterkind.

Falsch ist aber Deine Behauptung, dass rechtskonservative Lehrer weniger nach Schichtzugehörigkeit selektieren würden als politisch links-gesinnte Pädagogen. Die Selektierer unter meinen Kollegen setzen ihr Kreuz bei der CDU. Diese sagen: "Wir dürfen hier nicht jeden durchkommen lassen." Jemand mit dem Namen Emir Mustapic geben sie demzufolge mit höherer Wahrscheinlichkeit eine 5 als der Klara Müller, deren Eltern es sich leisten können, ihre Tochter dreimal in der Woche in einen Nachhilfe-Unterricht zu schicken.
Das mit den rechts-konservativen Lehrern glaube ich dir sogar. Ich denke, dass sich auch da die Spaltung der Gesellschaft zeigt. Wenn die eine Seite zu tolerant ist und alles akzeptiert, dann radikalisieren sich irgendwann beide Seiten.

Vielleicht ist es wirklich so, dass ich mit meinem extremen Ehrgeiz aufzusteigen (weil ich halt der Einzige war, der nicht im Urlaub war, wo kein Geld für Tennis da war und der den "Chiemsee" Pullover erst, Weihnachten bekam) absolut nicht in das "68er" Weltbild manches Pädagogen passte. Konservative Lehrer mochten mich immer.

Bei einem Ahmet, Emir oder Ali mag das dann genau anders herum sein.

Noch ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Ich hatte zu der beschriebenen Zeit einen Deutschlehrer der auch eher der "68er" war. Freunde waren wir nicht. Als er mal fragte, was dir Schüler für einen Beruf wollen antwortete ich ihm "Millionär, egal wie". Er hat mich ausgelacht. Mein Bruder hatte dann noch was mit seiner Tochter (das ging für ihn gar nicht) und ich konnte machen was ich wollte, ich war der Buhmann.

Jahre später sah ich ihn wieder, als ich vor dem Fitnessstudio parkte. Guckte auf mein Auto (GT3) und versuchte mir auszuweichen. Bin dann auf ihn zu und hab ihm gesagt: "Herr E., wären alle Menschen solche Dreckschweine wie sie, würde ich heute in der Fabrik am Band stehen und hier stünde ein Polo."

Eine Antwort bekam ich nicht. Seltsam, wo er doch früher über alles und jeden seine Meinung hatte. Er war Basketballer und laut seiner Überzeugung waren das die einzig wahren Sportler, weil die "ja alle Abitur haben."

Danielson, du siehst, dass ich in der Schule den ein oder anderen "Spinner" getroffen habe. War aber auch die Zeit, wo extrem viele Lehrer aus der 68er Schiene unterrichteten. Richtig ist auch, dass es andere gab. Was ich aber an dieser Zeit, und heute halt bei vielen "Salonlinken" so widerlich finde ist diese vorgeheuchelte Philanthropie. Stammst du aus intellektuellem Hause, heisst du Ayse oder Mustafa und bist noch überall bei ihren AG's und Gruppen dabei,, dann sind sie tolerant ohne Ende.

Bist du ehrgeizig und teilst nicht das Weltbild (Klassiker Sportlehrerin: "Wirf doch nicht so fest, wir spielen miteinander und nicht gegeneinander" (Handball) oder "Spiel ich auf den Körper, das ist unfair" (Tischtennis)), dann ist es mit der Toleranz schnell vorbei.

Oder eine Oberstufenklausur, für Die ich volle Punkte bekam. Thema: "Richard Wagner im Vergleich zu den Helden der Moderne", wo ich auf 20 Seiten alle meine Helden der Kindheit (angefangen von HE-MAN, über Schwarzenegger bis zu John Rambo mit den Figuren aus der Musik von Wagner verglich und anslysierte. Der Lehrer fand es ganz toll, hatte mich auch richtig ins Zeug gelegt und als ich das auch noch vortragen durfte fielen mir gleich drei öko-Tussen in der Klasse ins Wort, wie man sich so etwas nur widmen könne. Wagner War ja eh "Nazi" und die anderen Figuren wären überhaupt keine Vorbild und es wäre ja eh nur alles Gewalt.

Und wenn du mit dem "linken" sooft solche Erfahrungen gemacht hast wie ich, dann hast du irgendwann ein Bild im Kopf, das leider immer und immer wieder bestätigt wird.