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Alt 28.06.2017, 15:06
ermsech ermsech ist offline
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ermsech ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Überregionales Frauen-TT in Bayern

Hier kommt noch eine Damenmeinung
Ich spiele jetzt seit 38 Jahren TT, in der Jugend recht erfolgreich und dementsprechend in hohen Ligen, seit Langem aber nur noch hobbymäßig. In dieser Zeit habe ich sehr viele Spielerinnen erlebt, die den Schläger für immer an den Nagel gehängt haben. Dafür gab/gibt es natürlich verschiedenste Gründe, der mit Abstand häufigste Grund war aber immer derselbe: Die Entfernungen und der damit verbundene Zeitaufwand!
In den 80ern war bei uns (Baden) die Verbandsliga die vierthöchste Spielklasse, inzwischen ist es nur noch die siebthöchste. Nach und nach wurden die 3.Bundesliga, die Regionalliga und die Badenliga dazwischengeschaltet, was bei den Herren vielleicht Sinn ergibt, meiner Meinung nach bei den Damen aber komplett kontraproduktiv war. Jahrelang habe ich in der Badenliga gespielt. Die Spielerinnen in dieser Liga haben so etwa 1500-1600 TTR-Punkte, können also durchaus den Schläger halten, sind aber (mit Ausnahme einiger aufstrebender Jugendspielerinnen) reine Hobbyspielerinnen. Fahrtstrecken von über 200km einfach sind/waren da eher die Regel als die Ausnahme. Und samstags auf der A5 200km in Richtung Süden zu fahren kann durchaus etwas länger dauern - also fährt man, weil man ja nicht zu spät kommen darf, sehr rechtzeitig los, was logischerweise zur Folge hat, dass man bei einem Auswärtsspiel den kompletten Samstag unterwegs ist. Das macht mit 18, 19 Jahren noch Spaß, mit Familie/Kindern ist das aber eben nicht mehr wirklich erstrebenswert.
Ein weiteres Problem sind die Spielverlegungen. Bei 10er-Staffeln lassen sich häufig keine Verlegungstermine finden. Das ist bei den Herren sicherlich auch so, aber: Die allermeisten Herrenmannschaften haben Ersatzspieler, die auch gut in der höheren Klasse mithalten können, bei den Damen ist es häufig so, dass es im Verein überhaupt nur eine Damenmannschaft gibt und die potentiellen Ersatzspielerinnen dann vollkommen überfordert sind. Selbst als eigentliche Mittelfeldmannschaft ist man dann, wenn Punkt 1 oder 2 ausfallen, gegen fast alle Gegner chancenlos - und für ein 0:8 oder 1:8 den ganzen Samstag zu opfern, ist noch unattraktiver.
Meiner Meinung nach wäre es also eine absolut sinnvolle Maßnahme, bei den Damen die Ligenstruktur deutlich zu verschlanken. Eine 1.Bundesliga, zwei 2.Bundesligen, vier Regionalligen und dann direkt auf Verbandebene. Natürlich wären dann wieder Aufstiegsspiele nötig, das ging ja aber früher auch...
Außerdem würde ich die Sollstärke in den Damenligen auf sechs oder sieben Mannschaften reduzieren, dann wäre mehr Luft für Spielverlegungen und man würde auch als mittelprächtige Hobbyspielerin wieder eine Liga finden, in der man ohne stundenlange Anfahrten adäquate Gegner hat
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