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Wenn Helmut Kohl auch kein kulturell besonders beschlagener Feingeist war, so will ich fairerweise doch einwerfen, dass das oben im verlinkten Artikel erwähnte Interview mit dem Kanzlerkandidaten aus dem Jahr 1976 über Musik, Malerei, Literatur etc. keineswegs sooo unmöglich ausgefallen ist, wie Gerhard Henschel dies darstellt. (Auf die damals verlorene Wahl gegen Helmut Schmidt dürfte es - wenn überhaupt - nur marginalen Einfluss gehabt haben.)
Wen es interessiert, der kann Auszüge aus diesem Interview u.a. in einer alten Ausgabe des
Spiegels nachlesen:
............. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-58942001.html ...
Einen
Friedrich Hölderlin - in seinen kreativsten Momenten - kann man in seiner Wortmächtigkeit, Unergründlichkeit und schöpferischen Extraklasse jedenfalls nach Ansicht einiger Literaturwissenschaftler durchaus über seine womöglich etwas überschätzten Zeitgenossen
Goethe & Schiller stellen. (Siehe dazu zum Beispiel:
http://www.berlinerliteraturkritik.d...-schiller.html )
Und dass der Kanzlerkandidat Kohl erklärtermaßen Jazz gegenüber schnöder Popmusik bevorzugte, war sicherlich kein kultureller Fauxpas, ganz im Gegenteil.
Nur die Erwähnung des betulichen Trompeters
Harry James aus der braven Swing-Ära hätte er sich im besagten Interview besser verkniffen - und stattdessen lieber mit innovativen Bebop-und Hardbop-Größen wie
Charlie Parker, Thelonious Monk, Miles Davis oder
Bud Powell gepunktet. Mit einem derartigen Überraschungscoup wäre der 'Musikkenner Kohl' dann vielleicht sogar bereits anno 1976 auf Stimmenfang auch im gemäßigt linken Lager gegangen....
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