"Regeländerungen sollen Besserungen bringen und da ist es wichtig zu wissen welches Ziel man erreichen will.
Aber glaubst Du daß Deine angesprochenen Punkte "Nachwuchsmangel, Mitgliederschwund, fehlende Ehrenämter" mit den momentan geplanten Regeländerungen besser werden? Glaubst Du daß auch nur ein einziges Kind mehr in die Halle kommt, nur weil jetzt nur noch Aufschläge vor dem Körper erlaubt sind oder gar nach "Clement" (siehe DTS) nur noch RH-Aufschläge? Glaubst Du die Mitglieder verschwinden weil TT immer noch bis 21 gespielt wird und nicht bis 11? Glaubst Du durch die Einführung der Tiebreak-Regel (Aufschlagwechsel immer nach 2 Aufschlägen) motiviert irgendeinen TT-Spieler jetzt ein Ehrenamt zu übernehmen?
OK, das habe ich jetzt alles ziemlich provokativ gefragt, aber egal welche der Regeländerung zu welchem gewünschten Ziel verschiebst, es ergibt nie Sinn! Selbst wenn man die Veränderungen welche alle drei Änderungen zusammen bringen würden betrachtet, so würde das ebenfalls keine Verbesserung bei den angesprochenen Punkten bringen.
Solche Gegenargumente habe ich nicht, ich sage zwar auch gerne "Tischtennis hat auch vorher funktioniert", aber das sage ich nur wenn es um grundlegende Änderungen der Sportart Tischtennis geht, denn das Wesen unseres Sportes sollte nicht verändert werden.
Wer mich kennt, der weiß daß ich es hasse, wenn jemand alles Neue abblockt, ich bin offen für Veränderungen, nur sollten sie gut durchdacht sein, nicht das Wesen unseres Sportes ändern, also keine grundlegenden Eingriffe und vor allem sollte sie auch wirklich das gewünschte Ziel bringen, nicht daran vorbei oder darüber hinaus schießen.
Das mache ich! Ich hinterfrage und habe die geplanten Regeländerungen auf "Sinn" überprüft und bin einfach zu dem Entschluss gekommen, daß diese in der Form wahrscheinlich zu wenig durchdacht sind und so keinen Sinn machen und das gewünschte Ziel nicht erreicht wird.
Es würde aber z.B. Sinn machen, wenn die ITTF-Verantwortlichen sich mal hier im Forum oder im Chat den Fragen stellen würden und sich hier Anregungen holen würden. Das würde die entsprechende Person eine halbe Stunde kosten, aber vielleicht würden die Leute dann auf einige andere Ideen kommen und vor allem die Meinung der Leute von Breiten- bis Spitzensport kennenlernen, die hier ihre Ideen, Bedenken und Wünsche vorstellen.
Wir haben diese Woche im Training ein Testturnier gespielt mit einer Regel wo das Verdecken der Aufschläge verboten war, b.z.w. nicht mehr möglich war, und das hat sehr gut funkioniert! Meine Trainingsgruppe mußte aber weder nur noch RH-Aufschläge machen, noch mußten sie sich das Handgelenk auskugeln um vor dem Körper Aufschläge zu machen!
OK, erstens bin ich der Meinung daß NICHT-TT-Spieler auch durch Regeländerungen nicht den Weg in die TT-Halle finden werden, sondern viel wichtiger ist doch erstmal daß man die aktiven TT-Spieler selber in die Halle bringt!! Wie kann es denn sein daß ein Final-4-Turnier nicht restlos ausverkauft ist?? Warum gehen da die TT-Spieler nicht hin? Wenn man erreicht hat, daß TT-Spieler in die Halle gehen wenn etwas geboten wird, dann kann man sich auch Gedanken machen wie man NICHT-TT-Spieler als Zuschauer gewinnt. Warum soll ein NICHT-TT-Spieler in die Halle zum Zuschauen gehen, wenn nicht einmal die TT-Spieler Interesse haben, zu zu schauen. Man muß eben in der Halle mehr bieten, TT besser vermarkten ( schnellste Ballsportart der Welt ), man muß mehr Show machen.
Zweitens kann doch keiner ernsthaft glauben, daß die Sportart TT für die Medien oder sonstige Außenstehende interessanter wird, wenn jetzt die Aufschläge vor dem Körper ausgeführt werden müssen u.s.w.
Für NICHT-TT-Spieler wäre es z.B. viel interessanter wenn es mehr Leute wie Matsusitha, Ding Song, Syed, Chetenin u.s.w. geben würde, die eine Show machen können, die unmögliche Bälle zurückbringen, die Bälle vom Boden und der Wand "wegkratzen" und gegen Angreifer eine wahre Schlacht liefern!!
Wenn man an NICHT-TT-Spieler ran will, dann muß man eine Show bieten, dann müssen die Leute vor Begeisterung auf den Stühlen stehen und mitfiebern, dazu ist ein Zugpferd wie Timo Boll wichtig, der jetzt mal einen großen Titel "vertragen" könnte und dann wäre es super wenn in jedem BuLi-Spiel ein Abwehrspieler zu sehen wäre und eine deutsche Nachwuchshoffnung. Der NICHT-TT-Spieler wird vom Spiel Abwehr gegen Angriff begeistert sein, dazu normalerweise vom Spiel Nr.1 gegen Nr.1 und dann noch wenn der junge Deutsche gegen den ausländischen erfahrenen Weltranglistenspieler fightet, dann hat der NICHT-TT-Spieler drei Gründe, wieder zu kommen! Er kommt aber nicht wieder, b.z.w. überhaupt in die Halle wenn an Regeln rumgedoktert werden, die überhaupt nicht an das eigentliche Ziel heranführen!
Im Tennis gibt es die Anzeigetafel mit 220 km/h, das geht im TT eben nicht, da bringt eine Anzeigetafel mit der U/min Angabe im Vergleich zu einem Formel-1-Motor wohl nichts, aber man kann doch ein bischen Show machen, den Leuten verdeutlichen wie extrem das ist. Den TT-Spielern ist das klar, wie brutal die Aufschläge von einem Liu Guoliang sein müssen, wenn ein Jörg Roßkopf die dreimal am Stück "schluckt", aber die NICHT-TT-Spieler haben da keine Ahnung davon. Ich glaube nicht unbedingt, daß deswegen weniger Zuschauer in die Halle kommen, wenn die nicht nachvollziehen können warum Spitzenspieler von anderen ein paarmal pro Satz den Aufschlag "fressen", aber so oft wie es bei Ding Song gegen Grujic letztes Jahr vorkam, kommt das doch kaum vor. Deswegen gibt es doch genügend Hammer-Ballwechsel wo die Leute auf den Stühlen stehen, selbst wenn die Chinesen am Werk sind, denen oft kein so spektakuläres und medienwirksames Spiel zugetraut wird (WM-Finale von Liu Guoliang gegen Ma Lin!! )
Man sollte eben mal bei jedem BuLi-Spiel im Vorprogramm die zuschauenden NICHT-TT-Spieler welche wollen runter an den Tisch holen und dann müssen die von der spielfreien Nr.5 oder dem "chinesische Sparringspartner" jeder mal 5 Aufschläge annehmen, einmal Seitschnitt links, einmal Seitschnitt rechts, daß die Bälle nur so nach links und rechts wegzischen, einmal Unterschnitt wo der Ball dem Zuschauer fast noch unterm Tisch durchgeht oder 5 cm nach dem Schlägerballkontakt zum Tisch runter fällt, dann einmal so daß der Ball zwei Meter übers Netz zurückkommt und der Schmetterball des Topplayers dem Zuschauer Sehen und Hören vergehen läßt und dann noch einen Trickaufschlag hinterher, wo der Zuschauer dort ein Luftloch schlägt wo der Ball kurz zuvor mal gewesen sein soll
Das dauert pro Zuschauer nicht mal 30 Sekunden, aber dann wüßte jeder NICHT-TT-Spieler was Sache ist und denen würde sicherlich allen die Kinnlade Unterkante Tisch hängen und sie würden aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Dann wären die wahrscheinlich noch begeistert, wie die Topspieler dann im Spiel fast jeden Aufschlag zurückbringen.
Das ist alles eine Sache, wie man es den Leuten verkauft!
Warum soll unsere Sportart so grundlegend verändert werden, um Leute zum Zuschauen zu bringen, die unseren Sport doch gar nicht betreiben wollen!?
Man muß schauen daß man die Kinder zum TT bringt und denen ist erstmal egal wie jetzt genau die Aufschlagregel ist und nach wievielen Bällen der Aufschlag wechselt, die wollen ihren Spaß haben!! Den Kindern muß man was bieten, dann muß man sie als Jugendliche früh in die Jugendarbeit mit einbinden (Co-Trainer in der Anfängergruppe, D-Lizenzausbildung) und dann bewegt sich auch etwas.
Durch die geplanten Regeländerungen wird niemand dazu animiert, mehr zu machen oder was zu bewegen, um das Problem zu lösen bräuchte man einen anderen Ansatz.
Das ist ja der Reiz des TT, daß es nicht einfach gestrickt ist, sondern eben ein "Schachspiel nur mit 180 km/h".
Denen wo TT zu hoch ist, die brauchen wir auch nicht! Deswegen gibt es auch so viele verschiedene Sportarten, damit jeder für sich das raussuchen kann, was für ihn am besten geeignet ist / am meisten Spaß macht.
Der Schachverband will eben auch nur kluge Köpfe, wenn die Nachwuchssorgen hätten, dann würden die versuchen Leute für Schach zu begeistern, als "Schlacht der Giganten" aufgemachte Duelle zwischen Gari Kasparov und Anatoli Karpow, dann das Szenario mit dem Duell Mensch-Maschine Kasparov gegen den "IBM-Computer Big (deep?) Blue(?)". Niemand würde dort auf die Idee kommen, die Schachregeln zu vereinfachen, damit auch Nicht-Schachspieler durchblicken und zu Matches kommen. Sollen die vielleicht Schach dem Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel anpassen, d.h. wenn ein Springer einen Turm schlägt, daß dann erstmal darum gewürfelt wird wer gewinnt und bei "6" darf man nochmal??
Nein! Die haben begriffen, daß es eben medienwirksame Sportarten gibt und andere die ihre Qualitäten wo anders haben!
Die Leute die es "drauf" haben spielen eben Skat, die wo weniger fit sind, spielen eben "Mao Mao".
Vorschläge entwickeln ok, aber über diese Vorschläge sollte man auch diskutieren können und Meinungen von verschiedenen Leistungsebenen sollten eingebracht werden können und man sollte nicht irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt werden, mit denen weder die breite Mehrheit der Basis und die breite Mehrheit der Spitze einverstanden ist!
Die gewünschten Ziele mit den Regeländerungen zu erreichen ist noch viel weniger realistisch!!" (Zitat Ende)
Ich habe es mir erlaubt ein Zitat von ML hier zu stellen.
Es hat geschrieben jemand, der offensichtlich Tischtenis liebt und lebt.
Das interessante daran ist aber, wann er es geschrieben hat?
(ACHTUNG: es war 26. Februar 2001)!!!
So, jetzt sind wir gute 16 Jahren weiter und stehen vor der selben Problematik... Was hat es alles eigentlich gebracht?
Hat man etwas daraus gelernt? Offensichtlich nicht.
Und der Zirkus geht weiter...