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Alt 09.06.2004, 15:00
Balian Balian ist offline
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AW: Frauen in Männerteams

Als ein sowohl direkt (sprich in meiner Mannschaft) als auch indirekt (bei gegnerischen Mannschaften) Betroffener habe ich zu diesem Thema schon etliche praktische Erfahrungen sammeln dürfen. Erstaunt hat mich bei dieser Diskussion die ziemlich dogmatische Sichtweise der Diskussionsteilnehmer. Entweder pro oder contra, dazwischen gab es nicht viel und über tatsächliche Erfahrungen verfügt außer dem Schweizer Teilnehmer anscheinend niemand.

Zur Ausgangssituation: wir sind ein Großverein, bei dem der Damenanteil bei knapp 50% liegt und die Damenmannschaften deutlich höher spielen als die jeweiligen Herrenteams (vergleichbare Situation wie in Fraulautern). In unserem Landesverband (TTVN) ist der Einsatz von Damen in Herrenmannschaften (bis zu drei) grundsätzlich auf Kreisebene (bis einschließlich Kreisliga) erlaubt. In Damenteams gemeldete Spielerinnen dürfen nicht Ersatz bei den Herren spielen, umgekehrt können aber bei den Herren gemeldeten Spielerinnen in Damenteams ersatzweise antreten.

Die gesamte Thematik hat m.E. zwei Grundsatzprobleme:

1. Bereitschaft der Damen bei Herrenteams mitzuwirken
Da meine Mannschaft in der letzten Saison von erheblichen Aufstellungssorgen gequält worde, umgekehrt aber in den Damenmannschaften jedes Mal vor dem Spiel diskutiert werden mußte, wer denn heute aussetzt, habe ich mal gemeinsam mit dem Abteilungsleiter einige Damen angesprochen. Ergebnis: alle waren mit der Situation in ihrer eigenen Mannschaft nicht glücklich, keine wollte bei den Herren mitwirken. Und ich glaube das ist nicht untypisch.

Letztendlich hat sich ein Spielerin, die schon längst mit Tischtennis aufgehört hatte, bereiterklärt uns in der gesamten Rückrunde auszuhelfen. Resultat: es hat ihr Spaß gemacht (uns auch), weil sie nicht mehr am Wochende spielen muß und auch keine weite Fahrten in Kauf nehmen muß.

2. Akzeptanz der Damen bei gegnerischen Mannschaften
Im Normalfall gibt es da wenige Probleme. In der Regel spielen die meisten im Herrenspielbetrieb integrierten Damen im unteren Paarkreuz und auch nicht überdurchschnittlich erfolgreich. Wenn aber, wie bei uns geschehen, eine Dame im oberen Paarkreuz der Kreisliga eine Top-Bilanz spielt, gibt es schnell böses Blut bei gegnerischen Mannschaften, die dann von Wettbewerbsverzerrung reden und auch das eine oder andere verletzte Ego, das mit einer Niederlage gegen eine Frau echte Probleme hat.

Eine andere ehemalige Oberligaspielerin unseres Vereins hat in ihrem alten Heimatverein sporadisch in der Herren-Kreisliga ausgeholfen und damit die Meisterschaft entschieden, weil sie gegen den Meister (1 Punkt Vorsprung) nicht antrat, sehr wohl aber und das mit Erfolg gegen die beiden direkten Verfolger. So ganz von der Hand zu weisen ist der von Frank Schmidt gebrachte Einwand also nicht.

Ich kann mich in diesem Zusammenhang auch an einen Thread erinnern, wo in Frickenhausen ein chinesische Spitzenspielerin bei den entscheidenden Spielen um dem Aufstieg einer unteren Herrenmannschaft als Ersatz im unteren Paarkreuz aufgelaufen ist.

Was würde theroetisch passieren, wenn wir nächstes Jahr mit drei statt einer Dame spielen und souverän Meister würden (aufsteigen geht ja nicht). Kann eine gemischte Kreisliga-Mannschaft (regelkonform) in Relegationspielen zur Bezirksklasse mit der Stammmannschaft antreten oder sind die Damen nicht spielberechtigt ? Fragen über Fragen, so einfach ist das Thema nicht abzuhaken.


Fazit: der Ansatz Damen in Herrenteams zu integrieren ist in jedem Fall begrüßenswert, bei der Umsetzung lauern aber jede Menge Tretminen. Ich wünsche den Verantwortlichen in den Verbänden hierbei viel Erfolg, aber auch den nötigen Mumm sinnvolle Änderungen durchzusetzen. Unsere Dame spielt jedenfalls auch nächstes Jahr weiter bei den Herren und würde sich über weitere weibliche Verstärkung freuen.

Geändert von Balian (09.06.2004 um 15:04 Uhr)
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