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Alt 10.06.2004, 09:37
madmatt madmatt ist offline
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madmatt ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Frauen in Männerteams

Zitat:
Zitat von Balian
... und über tatsächliche Erfahrungen verfügt außer dem Schweizer Teilnehmer anscheinend niemand.
Stimmt nicht. Habe selbst bereits zwei Saisons drei Buben mit Dame gespielt, genau deshalb habe ich mir bereits soviel Gedanken darüber gemacht -z.B. über den ausgemachten Berliner Blödsinn, nur bis zu drei Damen in Herrenteams zuzulassen, die aber (- in den untersten drei Ligen: 3.Kreisliga 3. Abteilung bis 3. Kreisliga 1. Abteilung - ) nur einzeln antreten dürfen (also 3+1). Um alle Damen mitspielen lassen zu können, muss ein Verein also mindestens 9 spielwillige Herren in der unteren Klasse aufbieten oder die Damen tauschen durch. Wir hatten 2 Damen, da sich die Bezirksliga-Damen spielende Mannschaft aus Alters-und Gesundheitsgründen aufgelöst hatte. Drei gingen, die übrigen beiden wollten den Verein nach teilweise 30jähriger Mitgliedschaft nicht verlassen, um woanders Damenliga zu spielen (zumal die eine von beiden auch noch Vorsitzende des Vereins ist...).
Diese beiden mussten wir also auf 2 Teams verteilen. Eine (Über 60!)spielte oben - übrigens positiv, die andere unten ausgeglichen.
Die Niedersachsenregelung mit bis zu 3 Damen pro Team finde ich besser, nichtsdestotrotz ist das alles Stückwerk.

Zitat:
Zitat von Balian
1. Bereitschaft der Damen bei Herrenteams mitzuwirken
kann und will niemand erzwingen. Das hängt letztlich an individuellen Entscheidungen bzw. der Situation im Verein. Aber faktisch übt auch die bestehende Regelung einen Zwang aus, dass sofern eine eng besetzte Damenmannschaft auseinanderfällt, der Verein mit allen Mitteln versuchen muss, Ersatz zu bekommen, oder die Restspielerinnen sich einen neuen Verein suchen müssen. Wer unter Vereinsleben mehr als nur 2mal die Woche Sport versteht und entsprechende Bindungen aufgebaut hat, tut sich da aus meinen Erfahrungen heraus gesehen schwer.

Zitat:
Zitat von Balian
2. Akzeptanz der Damen bei gegnerischen Mannschaften
hat etwas mit Toleranz und sportlicher Fairness zu tun, wovon man jedem Spieler, ob Mann oder Frau, eigentlich nicht genug abverlangen kann. Gerade von Tischtennisspielern, (IRONIE EIN!)die ja bei den seltenen TV-Übertragungen als die so ziemlich höflichsten Sportler überhaupt verrufen sind - denn die entschuldigen sich ja sofort für jeden Netzball (IRONIE AUS!), sollte man das erwarten können...

Zitat:
Zitat von Balian
Wenn aber, wie bei uns geschehen, eine Dame im oberen Paarkreuz der Kreisliga eine Top-Bilanz spielt, gibt es schnell böses Blut bei gegnerischen Mannschaften, die dann von Wettbewerbsverzerrung reden und auch das eine oder andere verletzte Ego, das mit einer Niederlage gegen eine Frau echte Probleme hat.
Eben. Aber wessen Problem ist das denn???

Zitat:
Zitat von Balian
Eine andere ehemalige Oberligaspielerin unseres Vereins hat in ihrem alten Heimatverein sporadisch in der Herren-Kreisliga ausgeholfen und damit die Meisterschaft entschieden, weil sie gegen den Meister (1 Punkt Vorsprung) nicht antrat, sehr wohl aber und das mit Erfolg gegen die beiden direkten Verfolger.
Wenn z.B. ein Herren Ex- Bezirksligacrack auf diese Art und Weise angetreten wäre, hätten die Gegner sicher auch gemault. Dieses Problem, entstand doch erst durch die derzeit unzureichende Regelung - die Dame fand offensichtlich keinen Platz in einer für ihre tatsächliche Leistungsstärke adäquaten Mannschaft, bzw. durfte nur 3mal antreten. Hätte sie immer gespielt (verletzung ausgenommen), hätte niemand einen Grund zur Beschwerde gehabt.

Zitat:
Zitat von Balian
Ich kann mich in diesem Zusammenhang auch an einen Thread erinnern, wo in Frickenhausen ein chinesische Spitzenspielerin bei den entscheidenden Spielen um dem Aufstieg einer unteren Herrenmannschaft als Ersatz im unteren Paarkreuz aufgelaufen ist.
ebenfalls Opfer der derzeit halbherzigen Regelung. kein Wunder, dass sich da Lücken ergeben, bei denen einige dann bereit sind, diese auch auszunutzen.
Zitat:
Zitat von Balian
Was würde theroetisch passieren, wenn wir nächstes Jahr mit drei statt einer Dame spielen und souverän Meister würden (aufsteigen geht ja nicht). Kann eine gemischte Kreisliga-Mannschaft (regelkonform) in Relegationspielen zur Bezirksklasse mit der Stammmannschaft antreten oder sind die Damen nicht spielberechtigt ?
Ebenfalls eine Regellücke, die sich durch generelles Öffnen der Herrenklasse leicht schliessen liesse. Die mit/ohne Damen Hürde ist in Berlin übrigens gleich der 4er/6er-Team Hürde. Da muss man sich über einen angestrebten Aufstieg eh rechtzeitig Gedanken machen, nicht nur wegen der evtl. mitspielenden Frau. Relegationsspiele sind an dieser Stelle auch nicht vorgesehen. Aber das ist letztendlich auch nur eine Krücke für die Lücke.

Was den Verantwortlichen wohl tatsächlich bisher gefehlt hat, ist
Zitat:
Zitat von Balian
der nötige Mumm sinnvolle Änderungen durchzusetzen.
insofern kann ich Tinas Feststellung
Zitat:
Zitat von Tina
dass sich der sport offensichtlich nicht aus der kaiserzeit herrausfinden kann...
für berechtigt und nachvollziehbar.
Aber mein Optimismus auf Änderung hält sich da in Grenzen. Ich habe (leider) bisher in keinem anderen Lebensbereich so viele "das-haben-wir-aber-schon-immer-so-gemacht" Argumentationen erfahren müssen wie beim Tischtennis. (Dabei schliesse ich dieses Forum ausdrücklich aus!)

In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft
madmatt
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ceci n'est pas une pipe (magritte)
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