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In der Praxis dürfte es wohl nicht die überragende Rolle spielen, wer gegen wen zuerst oder zuletzt spielt. Eine Spielstärkenreihenfolge verschafft schließlich keine mathematische Gewissheit. Wäre es anders, könnte man die Meisterschaft anhand der aufgestellten Spieler und ihrer Spielstärke auch am Computer ermitteln. Was da an Fahrtkosten, Hallenzeiten etc. gespart werden könnte.
Aber im Ernst: Bisher wurden zu einzelnen Spielsystem nur Einzelaspekte beleuchtet. Welches Spielsystem „besser“ ist, richtet sich nach den Zielen, die man damit verfolgen will (wobei von vornherein schon feststeht das es das eine „objektiv“ beste Spielsystem nicht gibt).
Solche Ziele könnten sein (unsortiert und unbewertet):
- Der sportlich bessere soll gewinnen
- Ein Spiel soll in 2 Stunden zu Ende sein
- Jeder Spieler soll gleich oft zum Einsatz kommen
- Das Spielsystem soll einfach zu verstehen sein
- Freiraum für taktische Varianten
- Manipulationsresistenz
- Eine Mannschaft muss in einen (normalen) Pkw passen
- Spielende, sobald der Sieger feststeht
- gleiches System in allen Ligen/Landesverbänden
- usw.
Danach sind diese zu sortieren und zu bewerten (Was ist wie wichtig? = Welches Ziel wird wie stark gewichtet? Gibt es Minimalanforderungen an einzelne Ziele = muss mindestens teilweise erreicht werden? Gibt es Maximalanforderungen (knock-out-Kriterien)? z.B. würde die Maximalforderung „muss in einen Pkw passen“ alle System auf der Basis von Sechsermannschaften von vornherein ausschließen. Welche Ziele widersprechen sich?, Sind alle Ziele im Rahmen ihrer Gewichtung grundsätzlich gleichwertig = Schulproblem: Kann man mit guten Noten in mehreren Nebenfächern schlechte Noten in Hauptfächern ausgleichen? Gibt es Ziele, die nicht in die Bewertung eingehen, sondern nur zur Entscheidung in Zweifelsfällen herangezogen werden z.B. „einfache Verständlichkeit“ usw.
Anschließend werden die vorhandenen (oder noch zu erfindenden) Spielsystem auf die Erfüllung der einzelnen Ziele abgeprüft, mit Punkten bewertet, dieselben addiert und schon steht das optimale System!
Soweit die Theorie und jetzt wieder zur Praxis. Kardinalproblem ist die Zieldefinition und –bewertung. Wenn darüber nicht weitgehend (und das ist mehr als demokratische 50,1%) Einigkeit erzielt werden kann, wird nur eine mehr oder minder gute Kompromisslösung herauskommen. In Anbetracht dessen, was ich im Forum so lese (z. B. Vierer- oder Sechsermannschaften, Spieldauer) würde es garantiert so kommen. So ist das mit der Demokratie, könnte man einwenden. Einverstanden. Nur, Kompromissmodelle haben wir bereits reichlich (Zweier, Dreier, Vierer- und Sechsermannschaften mit diversen Variationen). Noch ein neues hinzufügen? Ich denke, da machen wir uns unnütz Arbeit. Also lassen wir die bisherigen System mit all ihren Unzulänglichkeiten.
Hubert
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