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Alt 14.08.2017, 14:07
pibach pibach ist offline
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AW: Zukunft der Automobil Industrie - Neuordnung auf dem Weltmarkt durch Elektromobil

Zitat:
Zitat von Schrottkopf Beitrag anzeigen
Wenn aber hier wunderbare Grafiken über den Preisverfall an der Strombörse vorgelegt und daraus Prognosen auf fallende Strompreise abgeleitet werden, sollte nicht vernachlässigt werden, dass der Ausbau der Ladestruktur einen massiven Ausbau der Netze erfordert. Windstrom von der Küste muss ja schließlich irgendwie an der Laternendose ankommen und auch noch irgendwo gepuffert werden.
Ein Ausbau des überregionalen Netzes wird dadurch nicht notwendig.
Einerseits weil der Autostrom nur einen sehr kleinen Anteil am Gesamtstromverbrauch hat. Andererseits, weil das zudem auch nur sehr langsam zunimmt. Und schließlich weil sich damit der Ausbau lokaler Solaranlagen in Kombination mit Stellplätzen oder auch Großparkplätzen besser rechnet und stark zunehmen wird.

Das Argument für steigende Kosten des überregionalen Netzes bzw. für Speicheranlagen zum Ausgleich von Angebots- und Nachfrageschwankungen ist ja auch nicht der Mehrverbrauch und dessen Durchleitung (was Quatsch wäre) sondern die Zunahme erneuerbarer Energien, deren Produktion eben stark schwankt und gepuffert oder umgeleitet werden muss. Das trifft natürlich zu. Hat mit Elektromobilität aber nur in sofern zu tun, das die Akkus der Elektroautos potenziell das Netz stabilisieren können. Die Möglichkeiten der preisabhängigen Steuerung des Ladestroms bis hin zu bidirektionalen Pufferung, stabilisieren das Netz und machen einen Ausbau an Stromspeicheranlagen obsolet bzw. erlauben einen größeren Anteil erneuerbarer Energieträger bei fallenden Kosten.

Den größten Effekt wird aber die Sensibilisierung der Endverbraucher für die ganzen Zusammenhänge der Stromwirtschaft haben. Bei verbesserter Transparenz durch massenhafte Verbreitung von Stromzählern und flexibel umplatzierbare Speicher/Verbraucher. Dadurch verlieren sowohl Stromerzeuger als auch Netzanbieter ein Stück weit ihre Monopolstellung. Und die bisherigen Gewinnmargen und Aufschläge werden einbrechen. Am Strommarkt steht es ja schon lange aus, dass sich die Anbieter tatsächlich Konkurrenz machen weil die Endverbraucher mehr auf die Preise schauen. Das wird nun endlich kommen.

Elektromobilität wird daher die Preise der Stromerzeugung und der Netzes verringern. Und zwar sehr drastisch.

In einigen Bereichen kommt es damit zu Umschichtungen. Es wird eine ganz neue Branche geboren mit zahlreichen Zulieferern und Dienstleistern. Energieversorger und Netzanbieter werden aber einem stärkeren Konkurrenz-/Effizienzdruck und wachsenden Transparenzbedingungen unterworfen, die werden wohl (Personal-) Kosten rückbauen müssen. Das ist aber auch schon lange überfällig.

Zitat:
Alle diese Kosten werden staatlich reguliert auf die Strompreise draufgehauen. Die Netzbetreiber sind in der absoluten Luxussituation, dass sie die Ausbaukosten garantiert und risikofrei erstattet bekommen.
Subventoniert werden erstmal die Ladestationen und die Fahrzeuge, das haut natürlich in die Staatskasse. Leider sorgen solche Subventionen auch tendenziell für Ineffizienzen und Fehlanreize. Aber Deutschland musste nun einfach den Anschluss an die Elektrozukunft finden. Denn es gibt zu diesem Umdenken gar keine Alternative.

Es ist doch absehbar, dass die Preise für Verbrennerautos auf dem Weltmarkt wegbrechen werden, wovon die deutsche Wirtschaft stark abhängt. Wenn nicht der Binnenmarkt umschwenkt und damit dann auch die deutsche Autoindustrie, verlieren wir den technologischen Anschluss und ein Massensterben an Arbeitsplätzen würde drohen. Das käme deutlich teurer.

Es macht einfach keinen Sinn, den Verbrauch fossiler Energieträgern hoch halten zu wollen, weil die Mineralölsteuer Einnahmen generiert. Verbrennermobilität ist nun mal absehbar die ineffizientere Technologie und wird langfristig weitgehend wegfallen. Eine Gesellschaft muss in solchen Fällen umstrukturieren - oder verliert den Anschluss und in Teilen die Basis ihres Wohlstandes.
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