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AW: Enzborn Cup 2004: 10.06.2004 Schimborn
Main-Echo 12.6.04
Schimborn. Donnerstag, Fronleichnam , kurz vor 20 Uhr in der Schimborner Turnhalle: Drückend lastet die schwüle Hitze über den etwa 200 Tischtennisfans, die die Künste der angekündigten sechs Weltklassespieler beim »Grand Prix Enzborn-Cup« bestaunen wollen.
Die Stars haben noch am Nachmittag ein Turnier in Ober-Erlenbach bestritten, gestern waren sie in Hagen:; Schimborn ist schon das zehnte von elf Turnieren innerhalb weniger Tage. Einspielen scheint da kaum nötig, die Zeit zwischen dem Eintreffen der Gladiatoren und Spielbeginn ist eh knapp. Spitzensport mit einem Hauch von Tingeltangel!
Ein paar Worte vom Veranstalter und vom Hauptsponsor, dann werden die Spieler per Los in zwei Gruppen eingeteilt und los geht es. Vielleicht hätte man sich doch einspielen sollen? Das erste Spiel zwischen dem deutschen Nationalspieler Zoltan Fejer-Konnerth und Jörgen Persson, dem schwedischen Ex-Weltmeister, kommt etwas holprig in die Gänge. Der erste Satz wird jedenfalls eher von leichten Fehlern als von toll herausgespielten Punkten zu Gunsten von Persson entschieden.
Oder liegt es an der Hitze? Die Spieler greifen im Minutentakt zu Handtuch und Flasche. Schweißtropfen machen den Hallenboden rutschig, der Ball muss immer wieder trocken gerieben werden. Aber das Spiel wird besser, der Deutsche dreht nach 0:2-Satzrückstand den Spieß um und gewinnt mit 3:2. Dass die Spieler die Sache ernst nehmen, ist zu spüren, man ärgert sich über verschlagene Bälle, der Ehrgeiz ist also da! Kein Wunder freilich, geht es doch immerhin bei der Turnierserie - eine zweite Gruppe mit Jörg Roßkopf und Jan-Ove Waldner spielt am gleichen Tag in Hochheim am Main - um insgesamt immerhin 130000 Euro. Wieviel davon allerdings Antrittsgelder und wie hoch die Siegprämien sind, möchte Veranstalter Daniel Suchanek nicht verraten.
Das fachkundige Publikum - in der Überzahl wohl selbst Hobby-Tischtennisspieler - spendet wohlwollenden Beifall, große Begeisterung will sich aber nicht so recht einstellen. Die Stimmung steigt erst mit dem zweiten Einzel: Chen Weixing, Chinese mit österreichischem Pass, hat schnell die Zuschauer auf seiner Seite. Abwehrspieler sind im modernen Tischtennis selten geworden, aber diese Spielweise ist einfach spektakulär. Und wenn man wie Chen Weixing dazu noch hervorragend mit der Vorhand angreift, kann man nach wie vor damit Erfolg haben. Dies muss auch Frederik Hakansson anerkennen. Der schwedische Meister kann sein Power-Tischtennis nicht durchsetzen und unterliegt mit 2:3 Sätzen.
Auch das dritte Einzel zwischen Jörgen Persson und dem Polen Tomasz Krzeszewski endet mit dem gleichen Resultat, diesmal für den 38-jährigen Schweden. Inzwischen ist es bereits 22 Uhr und noch vier Spiele stehen auf dem Programm. Ob das Turnier wohl bis Mitternacht zu Ende ist? Wenigstens ist die Hitze angenehmeren Temperaturen gewichen. Die vorgesehene Pause wird gestrichen und nach zwei Stunden des Wartens darf endlich Petr Korbel an die Platte: Der Tscheche spielt für Würzburg in der Bundesliga und hat sogar seinen eigenen Fanclub mitgebracht. Der hat denn auch viel Grund zum Jubeln, denn Korbel drängt Hakansson sein Spiel auf und siegt schnell in drei Sätzen. Vielleicht wird es ja doch nicht ganz so spät?
Zoltan Fejer-Konnerth hat gegen Krzeszewski zwar auch das Publikum hinter sich, aber ist trotzdem ohne Chance - der deutsche Mannschafts-Vizeweltmeister unterliegt mit 1:3. Somit ist Krzeszewski im Endspiel. Hier trifft er auf Chen Weixing, der Petr Korbel im letzten Gruppenspiel sicher in Schach hält und auch als klarer Favorit ins Endspiel geht.
Wie erwartet ohne Probleme gewinnt Chen Weixing auch das Endspiel glatt in drei Sätzen, er war an diesem Abend der herausragende Spieler, der damit auch seine Führung in der Gesamtwertung vor dem letzten Turnier ausbaut. Für ihn hat sich der Abend also mit Sicherheit gelohnt und einen weiteren Sieger gibt b es an diesem Abend auch noch: Der erste Preis der Tombola, ein T-Shirt, geht ausgerechnet an den Mömbriser Bürgermeister Reinhold Glaser.
Die Ergebnisse, Gruppe 1: Zoltan Fejer-Konnerth (Deutschland) - Jörgen Persson (Schweden) 9:11, 6:11, 11:6, 11:8, 11:8; Persson - Thomasz Krzeszewski (Polen) 12:10, 10:12, 6:11, 13:11, 11:8; Fejer-Konnerth - Krzeszewski 10:12, 11:8, 4:11, 4:11. - Gruppe 2: Chen Weixing (Österreich) - Frederik Hakansson (Schweden) 11:9, 8:11, 11:2, 1:11, 11:9; Petr Korbel (Tschechien) - Hakansson 12:10, 11:7, 11:8; Korbel - Chen Weixing 7:11, 7:11, 15:17. - Endspiel: Chen Weixing - Krzeszewski 11:3, 11:5, 11:8.
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Stopp dem Windelmüll!
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