Zitat:
Zitat von Peter Igel
Die 4 Mille erreicht der ungelernte Arbeiter natürlich wirklich nur mit allen Zulagen, guter Steuerklasse, Kindergeld und incl. Weihnachts- und Urlaubsgeld.
Dennoch (zu) viel.
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In der Autoindustrie ungelernte Arbeiter am Band zu finden, wird eher schwierig sein. Die dort vorzufindenden Facharbeiter verdienen ordentlich. Zurecht, denn der Job ist kein Zuckerschlecken und den Betrieben würde es wirtschaftlich selbst dann noch gut gehen, wenn sie gar mehr bezahlen würden. Das Eigeninteresse der Autoindustrie an einer Belegschaft, die genügend Kaufkraft hat um selbst Autos kaufen zu können, dürfte auch vorausgesetzt werden können. Der Staat selbst und somit alle, haben auch was davon. Gute Löhne und Gehälter bringen gute Steuereinnahmen hervor. Ein gut verdienender Arbeiter oder Angestellter kann gar nicht rumtricksen um Steuern teilweise ganz zu vermeinden.
Zitat:
Zitat von Peter Igel
Und da wir hier im Politik-Thread sind:
Mich kotzt dieses "Gerechtigkeits-Gesülze" an.
In Deutschland kann man gut verdienen.
Wer diese Chance nicht nutzt (auch, wenn nicht jeder sie hat), der ist selber schuld.
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Für mich ist es kein Gesülze. In Deutschland gut verdienen zu können wird immer schwieriger. Für Ungelernte ist es nahezu unmöglich geworden. Selbst für Menschen mit einer Facharbeiterausbildung wird die Luft immer dünner. Tatsächlich vorhandene Chancen gibt es leider viel weniger als Menschen, die diese wenigen Chancen gern nutzen.
Für das Gesülz vom Markt, der alles wie von Zauberhand selbst regelt, gibt es genügend Beispiele, die das widerlegen. Es gibt leider zu viele skrupellose Gierlappen, die jede Deregulierung rücksichtslos zum eigenen Vorteil ausnutzen.
Soziale Marktwirtschaft mag zwar ein dehnbarer Begriff sein, nur jeder der die letzten Jahrzehnte seit der Wiedervereinigung miterlebt hat, dürfte erkennen können, dass es wenigen Menschen genutzt hat, dass der Abbau der sozialen Komponente politisch immer weiter vorangetrieben wurde.
Die Unkenruferei vor dem durch die SPD durchgesetzten Mindestlohn mögen manche schon vergessen haben. Bewahrheitet hat sich davon rein garnichts. Nur die Angstmacherei, dass sozialere Marktwirtschaft der Wirtschaft Schaden zufügen würde, sodass dadurch Arbeitsplätze gefährdet würden, die konservative bzw (neo)liberale Politiker all zu gern betreiben, funktioniert immer noch zu gut. Gut, dass die Menschen der Schröderära wegen der SPD und den Grünen auch nicht mehr über den Weg traut, ist durchaus verständlich.
Die Gefahr, dass (zu) niedrige Löhne und Gehälter und Arbeitgebern, die immer weiter aus der Pflicht bei den AG-Anteilen von den Sozialversicherungsanteilen genommen wurden, dazu führen, dass später immer mehr Menschen hervorgebracht werden, denen die Renten aufgestockt werden müssen, ist ganz real. Es ist auch keine Binsenweisheit, dass mit höheren Löhnen und Gehältern durch die damit einhergehende Kaufkraftsteigerung den Binnenmarkt ankurbelt.
Ich gönne wirklich jedem hier seinen meist wohlverdienten, bescheidenen Wohlstand, nur warum sich der ein oder andere auf den Standpunkt stellt, dass Menschen in anderen Branchen (zu) viel verdienen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Gerade wenn die Einsicht da ist, dass man eh nur ein Schnitzel am Tag essen kann, scheint es wenig sinnvoll zu sein, einigen, wenigen 10.000 Schnitzel am Tag zuzugestehen und es bei vielen anderen drauf ankommen zu lassen, ob evtl. nicht vielleicht doch auch ein 3/4 Schnitzel am Tag ausreicht.
Dass sich die fortschreitende Wandlung der gesamten Industrie nicht aufhalten lässt, in der immer weniger Menschen arbeiten, weil sie da wo es möglich ist durch Maschinen/Roboter ersetzt werden, ist sicher eine viel größere gesellschaftliche Herausforderung. Hier so was wie einen Gehaltsbeschneidungswillen der eh immer weniger werdenden Arbeisplätze in der Industrie an den Tag zu legen, soll für was genau gut sein? Die Gewinne der Unternehmen und die Gehälter und Boni des Management und der Aktionäre weiter zu steigern, sollte selbst konservativen, grundsoliden Menschen keinen Mehrwert bringen, oder?
Steile Thesen, wie etwa der SPD Klientelpolitik vorzuwerfen, weil sie sich einst erfolgreich für die berechtigte Teilhabe am Wohlstand durch erbrachte Leistungen der Arbeitnehmer eingesetzt hatte, zeugen für mich jedenfalls davon, dass manch detailverliebtes, dazu noch nicht mal selten schlecht rechachiertes Zahlenspielchen, zur maximalen Verwirrtheit führen kann.
...aber klar, Stammtisch ohne steile Thesen ist maximal langweilig