Überlege einfach mal, wieviele TT-Spieler 15 Kilometer oder weniger bis zur nächsten Kreisgrenze entfernt wohnen.
Ich finde es nicht gut, dass es in Deutschland von der obersten bis in die unterste Spielklasse verschiedene Mannschaftsgrößen und verschiedene Spielsysteme gibt.
Bei den Damen wird in allen Bundesligen das Bundessystem gespielt, ab der Regionalliga abwärts das Werner-Scheffler-System, Oberliga, NRW-Liga, Verbandsliga und Bezirksliga. Bezirksklassen teilweise Werner-Scheffler-System, teilweise Braunschweiger System. Kreisliga normalerweise Braunschweiger System, aber auch nicht immer (Kreis Höxter/Warburg, Werner-Scheffler-System).
Immerhin spielen alle Damen-Mannschaften einheitlich mit Vierermannschaften. Seltsam, dort funktioniert das und mit mangelndem Teamgeist gibt es dort scheinbar keine Probleme.
Bei den Herren sieht das schon ganz anders aus. TTBL spielt mit 3-er Mannschaften und TTBL-System, 2. und 3. Bundesliga spielen mit 4-er Mannschaften und Bundessystem und ab der Regionalliga abwärts mit 6-er Mannschaften und Sechser-Paarkreuz-System. Bis zur Kreisliga abwärts ist es dann normalweise überall gleich (oder gibt es in Deutschland eine Bezirksklasse oder Bezirksliga, die nicht mit 6-er Mannschaften im Sechser-Paarkreuz-System spielen?), aber in den Kreisklassen, die den Großteil der Spieler in Deutschland ausmachen, da herrscht Chaos, vor allem im WTTV.
Fußball ist natürlich nicht nur ein gerne zitiertes, sondern fast schon überstrapaziertes Beispiel. Aber es ist nun mal so, dass im Herrenbereich in ganz Deutschland (und sicherlich auch weltweit) 11 gegen 11 spielen und 90 Minuten lang um den Sieg kämpfen. Und das nicht nur im Amateurbereich, sondern auch in der Bundesliga und im DFB-Pokal.
Wenn dich jemand frägt, wie das beim Tischtennis läuft, dann musst du dem antworten, dass wir im Amateurbereich mit dem Sechser-Paarkreuz-System, dem Bundessystem, dem Braunschweiger System und dem Werner-Scheffler-System vier verschiedene Spielsysteme haben und dazu noch andere Varianten (unter anderem
dieses hier), außerdem dass teilweise mit 4 und teilweise mit 6 Spielern gespielt wird. Außerdem, dass die Damen immer mit 4 Spielern spielen, allerdings drei verschiedene Spielsysteme zum Einsatz kommen, davon auch eines, wo Ausnahmen zugelassen werden, wo man sogar mit 1 oder 2 Spielerinnen weniger gegen 4 Gegnerinnen antreten kann.
Zu diesem Zeitpunkt wird dein Gesprächspartner schon große Augen machen und die Augenbrauen hochziehen. Wenn man dann noch nachschiebt, dass im Pokal nochmal anders gespielt wird, will er vermutlich gar nicht mehr wissen wie. Aber er wird wahrscheinlich fragen, mit welchem dieser unzähligen Spielsystem und Varianten denn in der Bundesliga gespielt wird und ob mit 4-er oder 6-er Mannschaften. Wenn man ihm dann noch erklärt, dass die 2. und 3. Bundesliga mit 4-er Mannschaften im Bundessystem spielen, aber die 1.
Bundesliga nicht im
Bundessystem, sondern erst DTTL und jetzt TTBL genannt wird und in keinem der oben genannten Spielsysteme spielt und auch nur zu dritt, spätestens dann.... lassen wir das.
Das ist das eine Thema, Mannschaftsstärken und Spielsysteme. Aber es geht doch mit den Spielklassen weiter und darum, dass man anhand des Namens der Liga einschätzen kann, wie stark eine Spielklasse ist. Da haben doch manchmal sogar wir Tischtennisspieler selber unsere Probleme.
Ich möchte euch ein Beispiel vor nicht allzu langer Zeit erzählen. Ein Tischtenniskollege von mir aus dem Ruhrpott, der beruflich immer nach Düsseldorf pendelt, brachte mal einen Arbeitskollegen mit ins Training, der im Zuge der großen Kaufhausumstrukturierungen von Karstadt oder Kaufhof bundesweit im Einsatz war und dann immer vor Ort trainieren wollte. In diesem Fall war das dann Düsseldorf bzw. bei meinem Bekannten im Verein.
Einige Zeit später kontaktierte mich der Tischtenniskollege und fragte, ob ich Lust hätte, mit zu einem Einladungs-Zweiermannschaftsturnier mit zu kommen. Der Karstadt oder Kaufhof Kollege (ich weiß nicht mehr welcher der beiden Läden) hätte jetzt mal alle bei denen er im Laufe von zwei Jahren trainieren durfte, zu sich eingeladen und jeder solle noch einen Turnierpartner mitbringen. Nachdem ich verrückt genug war, einige hundert Kilometer für so einen Spaß zu fahren, war ich natürlich dabei.
Beim Turnier stellte sich schnell raus, dass die Leistungsunterschiede sehr groß waren, deshalb entschieden wir, möglichst gleich starke Teams zu bilden. Eine Einstufung nach TTR war schnell sinnlos: Haben wir nicht, haben wir noch nicht, können nur mit nicht genau vergleichbaren Werten von anderen Ergebnisdiensten dienen, et cetera pp.
Also klärten wir das über die Spielklasse und das Paarkreuz und eventuell Bilanz falls nötig. Kann ja nicht so schwer sein, das dadurch richtig einzuschätzen. Dachten wir.
Nachdem auch Spieler von Karstadt oder Kaufhof in Bremen, Hamburg, Düsseldorf, Freiburg oder Karlsruhe und anderen Städten (die ich nicht mehr weiß) da waren, nicht einmal alles Vereinsspieler, ist es mir so ergangen:
Einer sagte, er hätte Badenligastärke

. Ich dachte erst, der will mich auf den Arm nehmen (musste an Schwimmbadliga denken), aber dann war schnell klar, dass Baden-Württemberg sich den Luxus leistet, zwischen Baden und Württemberg zu unterscheiden und seit einiger Zeit gibt es ja auch bei uns eine NRW-Liga. Der könnte von den Punkten wahrscheinlich auch in der Oberliga hinten in NRW spielen, der bekam dann den schwächsten Partner zugeteilt.
Einer sprach von Stärke Hamburgliga, ein anderer von Stärke Bremenliga, aber letzte Saison irgendwas wie Bremenverbandsliga oder Verband-Bremen-Stadtliga (irgendwas mit Abkürzung VBTT-Liga oder so). Ich habe nicht genau zugehört. Nachfrage war nur, na klar ist die Bremenliga höher als die Stadtliga!
Da ich leider duch meine gute Technik immer etwas überschätzt werde und man mir auch die Bezirksliga abnehmen würde, wurde dann dem Spieler Stärke Hamburgliga ein guter Bezirksklassespieler gegeben, während ich mich auf den Spieler Stärke Bremenliga freuen durfte.
Hamburgliga, Bremenliga, Badenliga, NRW-Liga, ... finde den Fehler.
Den aus Bremen habe sogar ich nach dem Zweiermannschaftsturnier (wir waren früh fertig

) 3:1 besiegt, während der aus der Hamburgliga fast gegen den aus der Badenliga gewann, der fast 2000 TTR-Punkte hatte.
Wie sich später heraus stellte, sind in der Bremenliga 1600 TTR-Punkte üblich, während in der Hamburgliga 1900 TTR-Punkte üblich sind.
Die Verbände waren nicht einmal bei einer Spielklassenreform mit Umbenennungen und Angleichungen in der Lage, bundesweit einheitliche Spielklassennamen zu finden. Fällt einem da noch etwas ein zu!?
Deshalb bleibt ein bundesweit einheitliches Spielsystem in allen Spielklassen auch nicht mehr als ein Wunschkonzert und reine Utopie. Glaubt doch keiner ernsthaft daran.
Ich hätte ja nichts dagegen, wenn man bei 6-er Mannschaften bleibt (Sechser-Paarkreuz-System), aber dann bitte runter bis in die unterste Spielklasse. Da aber die Bundesligen ein anderes Spielsystem spielen (übrigens 7 von 8, wie mir gerade eben auffiel, bis auf die TTBL) mit 4-er Mannschaften und dem Bundessystem, außerdem alle Damenligen mit 4-er Mannschaften spielen, wäre es sinnvoller, die Spielklassen von Kreisliga bis Regionalliga auch auf 4-er Mannschaften mit dem Bundessystem umzustellen. Es hat sowieso fast niemand Lust in einer 6-er Mannschaft im hinteren Paarkreuz zu spielen.
Dann würden alle Spielklassen in ganz Deutschland mit dem selben Spielsystem spielen, bis auf die TTBL, die dann auch nur noch wenige Argumente hätte und von ihrem Egotrip runter muss, bevor sie noch mehr Zuschauer verliert.