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Alt 15.06.2004, 10:14
Dieterkuhn Dieterkuhn ist offline
Nixkönner
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AW: Antizipation - Was ist das eigentlich?

Zitat:
Zitat von martinspin

Das ist doch auch so ein Punkt. Optische und akustische Wahrnehmung spielen sicherlich auch eine vorentscheidende Rolle. Gehört die Wahrnehmung zum Thema Antizipation?
gegenfrage: wie willst du antizipieren, ohne etwas wahrzunehmen

die antizipation sehe ich als mixtur zwischen äußeren reizen, und wissen bzw. erfahrung.
welcher anteil davon überwiegt, bzw. in welchen verhältnis sie stehen, sehe ich stark situationsbedingt.

spiele ich z.b. gegen einen vereinskamerad im training, gegen den ich schon x-mal gespielt habe, dann weiss ich oft ganz genau was passiert, und kann über meine erfahrung bereits vorrausahnen, welcher schlag auf mich zukommt. das visuelle dient im diesen fall hauptsächlich zur bestätigung, bzw. zur korrektur, falls eine variation kommt.
ich z.b. spiele oft im training gegen gegner, die hauptsächlich die diagonalen zum topspin benützen. habe ich dann einen gegner, der viel über die parallelen angreift, wird es schwer für mich meine normales "programm" zu stoppen.

das visuelle ist für mich also nur der erste schritt der antizipation, weil es einen in die irre führen kann (reizschema für obiges beispiel: ich sehe gegner topspin ziehen->meine erfahrung sagt mir der topspin kommt in die vorhand->vorbereitung auf block in der vorhand).

ich denke die anderen teile der antizipation spielen sich zwar nach der wahrnehmung ab, aber ich denke man muss sie vorher "determinieren", damit ich situationsgerecht handle.
was ich meine: in der situation, mein gegner zieht vermehrt vh topspin parallel, muss ich mich dieser geänderten situation vor dem spielzug anpassen, d.h. ich muss mir vorher bewusst(oder unbewusst) klar machen, das die möglichkeit besteht, das mein gegner parallel zieht. mache ich das nicht, läuft "normales" reiz-reaktions-schema ab, und ich steh dann z.b. schlecht zum ball (habe ich oft genug an mir selbst beobachtet).

ich glaube auch eine "auswahl" muss vorher stattfinden. wenn meine übliche raktion auf lange bälle in die vorhand ein topspin ist, ich aber bei einem bestimmten gegner damit gegen eine wand laufe, muss ich mir vor dem ballwechsle klarmachen: diesenm ball ziehst du nicht, oder diesen ball versuchst du mal weich zu ziehen.

alles was im ballwechsel selbst abläuft, sehe ich nicht mehr beeinflussbar.
man nimmt die aktion des gegners wahr, und startet ein entsprechendes programm (unterbewusst), um darauf zu reagieren.ich denke das spiel ist oftmals zu schnell, um die automatismen zu unterbrechen.

für mich läuft es also so ab: ich sehe was ->mein gehirn sagt mir das und das passiert. das ist für mich antizipation.

ich denke das es sehr wichtig ist, sich mit dem eigenen spiel und das des gegners auseinanderzusetzen. nur so kann ich verhindern, das mein reiz-reaktionsschema immer gleich abläuft, obwohl es in manchen spielen ungeignet ist.

p.s. eine sehr interessante frage, echt witzig sich damit mal auseinander zu setzen.
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"Nun, ich habe vor, sie [die Welt] zu erforschen, ohne sie vorher zu definieren!

Richard P. Feynman

Geändert von Dieterkuhn (15.06.2004 um 10:18 Uhr)
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