Einzelnen Beitrag anzeigen
  #68  
Alt 04.10.2017, 11:23
User 17544 User 17544 ist offline
...
Foren-Urgestein - Master of discussion ***
 
Registriert seit: 02.08.2006
Beiträge: 11.720
User 17544 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Sunny side up - Klimaerwärmung oder doch nicht?

@pibach: Mit diesen "Grundlagen" lässt sich nun doch einigermaßen sinnvoll weiterdiskutieren

Ich verstehe deine Haltung zu der "Klimaproblematik" nun einfach mal so, dass das ganze Geschiss darum eh sinnlos ist, weil sich das durch den Rückgang der Nutzung von fossilen Energieträgern eh von allein erledigt. Richtig?

Für mich Laien, der dir durchaus anerkennend zugesteht dich mit der Thematik tiefergehend auseinandergesetzt gesetzt zu haben, sind bei deiner Sichtweise aber trotzdem ein paar nicht unwesentliche Pferdefüße vorhanden.

Ich fange mal mit dem wesentlichsten an. Die Sicherstellung der Energieversorgung durch nicht fossile Energieträger. Da ist mir deine Sichtweise, die auf hochrechnende "Expertenstudien" fußt, viel zu optimistisch. Bei allem was den negativen Einfluss der Menscheit auf das Klima betrifft, magst du diese, ich nenne es mal Planspielchen, nicht anerkennen wollen. Wenn es um die sogenannte Energiewende geht, machst du sie dir hingegen gern zu eigen. Gut, der Unterschied besteht darin, dass der sogenannte Treibhauseffekt (also die von Menschen gemachte Klimaschädigung) eine pessimistische Sichtweise ist und das was die Energiewende betrifft eine optimistische. Ich find zwar eine optimistische Grundhaltung auch besser als eine pessimistische, aber mit der von dir geforderten Nüchternheit ist das dann auch nicht in Einklang zu bringen. Da wäre dann doch eher ein gesunder Realismus gefragt.

Über ökonomische Aspekte zu diskutieren, lohnt meiner Ansicht nach nicht wirklich. Da gibt es eben doch Parameter, die schnell zu Stolpersteinen werden können, wenn es um den ökonomischen Vorteil von regenerativen Energieträgern geht. Wer mit dem Hintern auf große Vorkommen von fossilen Energieträgern sitzt, wird noch unabsehbar lange kostengünstiger Energie damit erzeugen können. Hier in Deutschland sitzen wir zwar auch auf einem noch ausreichend lange herhalten könnenden Vorrat an Stein- und Braunkohle, der aber aus vielerlei Gründen ökonomisch mit den Preisen auf dem Weltmarkt nicht mithalten kann. Für mich werden alle Rechnungsplanspielchen schon deshalb schwierig, weil Energieerzeugung zumindest hierzulande immer eine recht hochsubventionierte Angelegenheit war. Wie das in anderen Staaten geregelt wird und wurde, weiß nicht nicht wirklich. Dazu kommt, dass mit zunehmenden Druck durch alternative Energieträger der Preis von fossilen Energierträgern fallen wird. Dann werden halt die Leute, die bis jetzt sehr gut damit verdienen, nicht mehr so viele Milliarden scheffeln können und müssen sich mit weniger begnügen bzw werden in dem Zuge wohl erst mal auf die Löhne drücken.

Mit regenerativen Energiequellen gegen Kernkraft ökonomisch zu konkurrieren hat nun mal leider den Pferdefuß, dass die Kosten dafür gern schöngerechnet werden bzw gar nicht berechenbar sind. Der hochproblematische Abfall, der immer dabei entsteht, macht nicht nur ökologischen Ärger, sondern die Kosten, die dabei entstehen können, sind eben nicht kalkulierbar. Trotzdem gibt es Nationen, die dir die Nutzung der Kernkraft noch lange schöner als regenerative Energiequellen rechnen werden, denn der Vorteil, dass das eine Energiequelle ist, die immer funktinert bleibt und auf den dabei entstehenden Abfall und das Betriebsrisko wird weiterhin ein großer Haufen ge********.

Mit sogenanntem Biogas oder Biodiesel sieht es aus meiner Sicht, nicht nur ökologisch nicht gut aus, sondern ist auch ökonomisch schwer zu berechnen. Großflächig Anbauflächen dafür zu schaffen, zu bewirtschaften und das angebaute Zeugs zu Bioeinergieträgern zu wandeln, ist für mich zumindest ökonomisch nicht wirklich berechenbar. Damit solche Bioenergie wirtschaftlicher als fossile Energieträger gerechnet werden kann, sind eher zweifelhafte Annahmen von Nöten. Die Anbaufläche darf nichts Kosten und auch mit keinem Wert in die Berechnung einbezogen werden. Das Saatgut auch nicht viel und die dafür nötigen Arbeitskräfte, auch wenn es durch weitgehend maschinelle Bearbeitung vielleicht nicht all zu viele sein werden, dürfen auch nur Geringverdiener sein. Für Bauern die hier z.B. Mais für die Energieerzeugung anbauen, ist es ökonomisch deshalb interessant, weil es besser subentioniert wird, als der Anbau von Getreide zur Nahrungsmittelgewinnung.


Aus den Gründen würde ich den ökonomischen Aspekt mal außen vor lassen. Mir reicht es halt nicht, dass das irgendwelche Experten behaupten. Deren Berechnungsgrundlagen auch nur ansatzweise nachvollziehen zu können, ist mir nun mal nicht gegeben. Da müsste zumindest ich mich in den Bereich des Glaubens begeben, der auch nicht dafür taugt, um die Angelegenheit nüchtern betrachten zu können. Ohne dir zu nahe treten zu wollen, bezweifle ich, dass du die Berechnungsgrundlagen in Gänze nachvollziehen kannst, die zu den von dir angenommenen ökonomischen Vorteilen führen sollen, um die Energieversorgung mittes ausschließlich regenerativen Einergieträgern des Planeten sicherstellen zu können.

Ich persönlich kann dir zwar sagen, dass unsere PV-Anlage auf dem Dach in der geplanten Nutzungsdauer von 20 Jahren, wenn ich nur den Kauf- und Montagepreis zu Grunde lege und den voraussichtlichen Ertrag in der Zeit hochrechne, die kW/h zu ca 8 Cent produziert haben könnte, aber selbst das hat viele Pferdefüße, denn es bedarf einen nicht unerheblichen Hang zur Schönrechnerei um zu dem Schluss zu kommen, dass wir dabei am Ende der Laufzeit einen ökonomischen Vorteil gegenüber nur eingekaufter Energie haben werden. Zumindest wir sehen das eher als ein Überzeugungsprojekt und eben nicht als als Geldanlage. Wir wären zwar froh, wenn sich das am Ende zumindest Plus/Minus Null erwiesen haben wird, aber so wichtig ist uns das auch nicht. Subventioniert ist es eh.

Klar, in Zeiten wo es für Geldanlagen kaum noch Zinsen gibt, mag sich für viele Menschen mit Geld, eine Investition in die augenblicklich noch recht gut subventionierte Wind- und Solarenergie mit 20 Jahren Preisgarantie, als ein durchaus lohnendes Wagnis erweisen, aber diese alternativen Energiequellen als jetzt schon selbsttragend günstiger als fossile Energiearten erkennen zu können, gelingt mir zumindest noch nicht. Da halte ich mich weder für einen Pessimisten, noch für einen Optimisten, sondern für einen Realisten.

Sich darauf zu verlassen, dass die Energiewende in einem überschaubarer Zeitraum allein durch ökonomische Aspekte ein Selbstläufer wird, halte ich für unrealistisch, wenn nicht sogar für dumm, denn da gibt es einfach zu viele Parameter die den meist doch nur schöngerechneten Planspielchen einen gehörigen Dämpfer verpassen können.

Ohne die Bereitschaft auch draufzahlen zu wollen um das Ziel weg von fossilen Energieträgern zu erreichen, wird es sehr schwer. Hier in Deutschland ist man dazu bereit und selbst hier gibt es Widerstände, weil es eben nicht günstiger ist. Wir haben mit die höchsten Energiepreise weltweit und das liegt eben nicht nur an der Abwendung von der Kernenergie, sondern auch an den Subventionen von Wind- und Solarenergie. In anderen Ländern werden die Widerstände nicht geringer sein. 2050 als das Jahr auszugeben, in dem global die Energiewende vollzogen sein wird, halte ich für utopisch. Würd' mich zwar freuen, wenn du und deine Experten Recht behalten, aber ich fürchte, dass das leider nichts wird.
Mit Zitat antworten