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AW: Konstant sein Potenzial abrufen?
@Andi
Ich habe auch lange gebraucht um zu verstehen wie ich im Punkt-Spiel konstant gute bis sehr gute Leistung abrufen kann.
Das erste was ich verstehen musste, ist dass ich beim Training für das Automatisieren der Bewegungen trainiere. Hier kann es Sinn machen Bewegungen bewusst zu kontrollieren um z.B. technische Fehler abzustellen. Wenn die Bewegung sitzt sollte man sich darauf konzentrieren wie sich die Bewegung anfühlt und nicht mehr bewusst darauf achten was man wie macht. Der nächste Schritt ist dann nur noch taktisch zu denken. Das heißt man denkt zwischen den Punkten nur noch daran wie der Ballwechsel am erfolgreichsten zu gestallten ist und lässt das Unterbewusste alles andere während der Ballwechsel machen. Durch das automatisierte Spielen ohne bewusstes Eingreifen (=Störung) kannst Du auf dem Niveau spielen das Du im Training gewohnt bist. Das ist wie beim Schuhe binden. Versuche mal das ganz Bewusst auszuführen und vergleiche deine Bewegungen mit dem unbewussten Binden der Schuhe. Dadurch das TT so schnell ist muss alles unbewusst ablaufen.
Wenn Du dann ausreichend gegen so viele Spielsysteme wie möglich trainiert hast und das "automatisiert" abrufen kannst wird alles leichter. Das ist der eigentliche Grund warum TT so trainingsintensiv ist.
Der abschließende Schritt ist nun noch das Erarbeiten der emotionalen Kontrolle wie man an die Spiele ran geht. Z.B. ich bin zu passiv oder versuche bewusst anzugreifen und werde hektisch. Das muss zunächst erkannt werden (ein Mitspieler dem man vertraut sollte seinen Eindruck beim Coachen geben, da man das oft selber während des Spiels schwerer erkennt) und dann entsprechend gegengesteuert werden. Z.B. zwischen den Ballwechseln sagt man sich Sätze wie wenn der Ball gut angegriffen werden kann greife ich an. Oder ich ziehe erst mal weich und wenn er dann gut liegt mache ich den Punkt mit einem Endschlag.
Noch mal in kurzer Zusammenfassung:
1. Die Technik wird so trainiert dass alles sitzt (bewusstes Eingreifen um bei Fehlern gegenzusteuern erwünscht/erlaubt)
2. Das Gefühl der richtigen Bewegungen merken (der Switch vom Bewussten zum Fühlen erleichtert es einem die richtige Technik zu reproduzieren und zu automatisieren)
3. Danach im Training darauf achten, dass man automatisiert spielt. Die Schläge fühlen sich so an wie es sein soll. Alle bewussten Gedanken während der Ballwechsel ausschalten (das Nichtnachdenken trainieren!!). Nachdenken und analysieren zwischen den Ballwechsel erarbeiten und Taktik festlegen. Keine Angst das Unterbewusste wird die Nachricht bekommen.
4. Emotionskontrolle in den echten Spielen trainieren (Atemübungen, Muskeltonus zu hoch/zu niedrig etc. ..) Leider kann man solche Dinge nur schwer im Training simulieren :-)
Ich hoffe die Ausführungen helfen anderen so wie mir. Lange war ich sehr verzweifelt und hatte nicht verstanden was zu tun ist um da raus zu kommen. Es gab auch keinen der einen Ansatz bieten konnte (die meisten spielen halt doch nur einfach so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und das auch mit beachtlichen Erfolg) bis ich auf das Buch "Table Tennis for Thinkers" von Larry Hodges gestoßen bin. Dazu bietet der DTTB auch ein gutes Buch zur Psychologie im TT. Man muss eben doch selber viel lesen und dann die richtigen Schlüsse ziehen. Und auch wenn man dann weis was zu tun ist dauert es ein paar Jahre bis man weiter gekommen ist.
Viel Erfolg,
Patrick
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