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Alt 13.10.2017, 13:41
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: DER Thread für politisch Interessierte

Zitat:
Zitat von Schrottkopf Beitrag anzeigen
Mit der Leiharbeit hätte ich überhaupt kein Problem, da die extreme Ausnutzung der Leiharbeit vorwiegend in größeren Konzernen stattfindet. Da sind wir aber genau dann beim Knackpunkt: Warum ist es so, dass sich Konzerne dementsprechende Ausweichstrategien zurechtlegen?

In meinen Augen kommt das genau daher, dass genau diese Konzerne tarifgebunden einstellen und oft sogar noch Haustarifverträge haben, die noch weit über die allgemeinen hinausgehen. Die werden in fetten Zeiten ausgehandelt und es ist auch völlig in Ordnung, wenn alle Mitarbeiter in guten Zeiten vom Erfolg profitieren. Wenn dann aber mal magere Zeiten kommen, sollten gute Tarifverträge aber dann auch Möglichkeiten bieten, das ebenfalls zu berücksichtigen. Da das aber so gut wie nie der Fall ist, versuchen Großkonzerne, ihre Rentabilität über solche Ausweichstrategien sicherzustellen.

Im Endeffekt steht auf beiden Seiten des Verhandlungstisches momentan nur die Besitzstandswahrung im Vordergrund. Aktionäre verlangen immer neue Rekordergebnisse und Gewerkschaften verlangen stetige Lohnsteigerungen bzw Zeitverkürzungen.

Großkonzerne können so etwas vielleicht sogar noch sinnvoll abbilden (und sollten natürlich an exzessiver Ausnutzung der Leiharbeit gehindert werden) - aber sobald Tarifverträge allgemeinverbindlich werden würden, würde im kleineren Mittelstand das totale Chaos ausbrechen. Kein kleiner Schlosser mit einer Handvoll Mitarbeiter kann auch nur ansatzweise alle Bestimmungen des entsprechenden Tarifvertrages erfüllen.

Und wenn man die Tarifverträge so einfach und transparent gestalten würde, dass sie auch für Kleinbbetriebe anwendbar wären, würden sie der Arbeitswelt in den Großkonzernen wiederum nicht mehr gerecht werden.
Kleinbetriebe sind doch sowieso schon vom Kündigungsschutz ausgenommen.

Die Großkonzerne sind auch gar nicht das Problem. Die haben einen starken Betriebsrat und die Leiharbeitsquote hält sich in Grenzen.

Das Problem sind die ganzen "Dorfkönige", Firmen mit 200-2000 Mitarbeitern.

Da sind Vermögen und Einkommen im 2-3 stelligen Millionenbereich vorhanden, man gibt sich ach außen als Mäzen und Sponsor, fährt für Viel Geld in der GT Serie, aber holt sich den Müllabfuhr aus der Leihfirma, der dann mit 900 Euro Netto nach Hause geht.

Das War früher anders!

Es gibt auch genug andere, aber gerade dieser "Mittelstand" predigt oft Wasser und trinkt Wein.

Für mich entsteht hier ein gesamtgesellschaftlicher Schaden, weil seriös arbeitende Mitbewerber die Preise nicht konkurrieren können.

Bei den Großunternehmen ist das Problem der Shareholder Value. Wenn Dividendenrenditen von 3-6% ausgeschüttet werden, dann haben die einen Druck die Marge konstant hoch zu halten.

VW zum Beispiel hat noch keinen Verlust ausgewiesen, trotz Dieselgate.

Es ist ja mitnichten so, dass Minusergebnisse eingefahren werden, es werden die Gewinnziele nur immer utopischer.

Zum Schlosser:

Wenn er den Metalltarifvertrag unter Berücksichtigung der Regeln für Kleinbetriebe nicht erfüllen kann, dann macht er irgendetwas verkehrt.

Er kann sein Personal weiter flexiblel anpassen, Kpndigungsschutzgesetze greifen hier nicht.

Oder nehmen wir mal die kleine Autowerkstatt:

Ein Autoschlosser kostet im Monat vielleicht 3.000 inkl. Abgaben.

Macht im Jahr 36.000 Euro.

An 200 Arbeitstagen (rechnen wir mal 20 Tage Krankheit ein) ist er 7 Stunden effektiv am Auto des Kunden.

Macht 1.400 Arbeitsstunden im Jahr,, berechnet mit 70 Euro.

Selbst wenn er mal trödelt oder Flaute ist und nur 5 Stunden täglich berechnet werden bringt er nur an Arbeitslohn 70.000 Euro ein, dazu kommt noch der Teileaufschlag, so daß er an die 100.000 einarbeitet.

Ähnlich kann man das auch auf andere Branchen rechnen.
Das Gejammer der AG-Verbände ist oft genauso Show, wie auf der anderen Seite das Gejammer der Belegschaft in Großkonzernen.

Vielmehr ist es so, dass jeder versucht für sich das beste rauszuholen.

Und hier gibt es Gesetzeslücken, die gewisse Auswüchse nach oben und unten möglich machen.

Es gibt auch tausende seriöse Firmen, wo alle zufrieden sind, aber es gibt auch die anderen.

Und das hat RG mit den Hartz Gesetzen erst möglich gemacht.

Das eigentliche Hartz 4, gemessen am gezahlten Geld ist gar nicht so wenig. Ich hatte es schon mal ausgeführt. Das ganze Drumherum ist das Problem.

Macht es der Eine, dann muss der Andere Unternehmer nachziehen, um die Preise zu halten.

Dazu hat das Kartellamt in vielen Branchen eine Zentrierung auf ein Oligopol von wenigen Big Playern zugelassen, so dass man entweder eine Nische bedient oder sich anpassen muss.

Man kann ein Land wie Rumänien mit einem Durchschnittseinkommen von 200-300 Euro nicht am freien Markt gegen Deutschland konkurrieren lassen.

Wo früher die Arbeitsplätze hier blieben lösen die Firmen das mittlerweile über Mischkalkulation. Kein "Mittelständler" mit > 1.000 Mitarbeiter, der nicht durch Quersubvention durch Werke in Osteuropa das Schiff am Dampfen hält oder gierig die Marge steigert.

Hier hat Links die Möglichkeit überall einzugreifen. Das fördert sogar die Binnenkaufkraft.

Macht man aber nicht.

Im Hirn reicht es dort nicht weiter als "Vermögenssteuer" oder "Est-Erhöhung".

Die Wurzel des Übels liegt aber ganz woanders.