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Alt 13.10.2017, 16:04
Schrottkopf Schrottkopf ist offline
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AW: DER Thread für politisch Interessierte

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Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Kleinbetriebe sind doch sowieso schon vom Kündigungsschutz ausgenommen.
Dir ist aber schon klar, dass zwischen einem Kleinstbetrieb mit weniger als 10 MA und deinem 'Dorfkönig' noch seeehr viel Platz für Mittelständler ist, die sowohl dem Kündigungsschutz unterliegen als auch nicht GT fahren und keinen Platz mehr auf dem Konto haben, weil die Auszüge nicht breit genug sind...

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Die Großkonzerne sind auch gar nicht das Problem. Die haben einen starken Betriebsrat und die Leiharbeitsquote hält sich in Grenzen.
Also diese Grenzen bei Konzernen sind nicht besonder eng - zumindest bisher... Und darüber hinaus gibt es auch eine ganze Reihe von Modellen, wie man auf so etwas ein anderes Etikett daraufkleben kann und schon heißt es nicht mehr Leiharbeit...

Wenn du zB versuchen willst, in der Entwicklung eines Automobilkonzerns einen festen Angestellten zu finden, wirst du erstaunlich oft zu hören bekommen, dass dein Gegenüber eigentlich als externer Angestellter eines Ingenieurbüros tätig ist - und hier reden wir doch eigentlich vom Herzstück einer deutschen Vorzeigebranche...

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Das Problem sind die ganzen "Dorfkönige", Firmen mit 200-2000 Mitarbeitern.
Die setzen aber meiner Erfahrung nach nicht wirklich auf Leiharbeit. Hier herrscht vielmehr die Unsitte des Werkvertrags vor. Da wird einem vorwiegend osteuropäischen Subunternehmer ein Auftrag für irgendein konkretes Projekt erteilt, der schickt dann eine Horde Hilfsarbeiter und in der Praxis werden die dann vor Ort für das Alltagsgeschäft eingesetzt. Wenn zufälligerweise mal der Zoll zur Kontrolle kommt, sind dann alle ganz eifrig mit dem Projekt beschäftigt

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Da sind Vermögen und Einkommen im 2-3 stelligen Millionenbereich vorhanden, man gibt sich ach außen als Mäzen und Sponsor, fährt für Viel Geld in der GT Serie, aber holt sich den Müllabfuhr aus der Leihfirma, der dann mit 900 Euro Netto nach Hause geht.
Verrate mir dann doch mal bitte den Trick, was man dafür tun muss... Die 200 MA hab ich zwar noch nicht ganz erreicht, aber es wäre natürlich phantastisch, wenn das Geld dann sofort zu sprudeln anfinge... ich würde noch heute die fehlenden MA einstellen


Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Für mich entsteht hier ein gesamtgesellschaftlicher Schaden, weil seriös arbeitende Mitbewerber die Preise nicht konkurrieren können.
Da magst du wohl recht haben - aber das Problem sind da nicht die Leiharbeiter, die inzwischen teurer sind als feste MA, sondern die Werkvertragsarbeiter aus dem Osten. Gilt im verarbeitenden Gewerbe genauso wie zB auf dem Bau, wo Herrscharen von ost oder südeuropäischen Arbeitern die Großbaustellen bevölkern. Wäre andererseits aber auch gar nicht anders zu leisten, da ja gar nicht entsprechend viele einheimische Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Investitionsbudgets von Kommunen können schon teilweise gar nicht mehr ausgenutzt werden, da niemand mehr freie Kapazitäten hat...

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Zum Schlosser:

Wenn er den Metalltarifvertrag unter Berücksichtigung der Regeln für Kleinbetriebe nicht erfüllen kann, dann macht er irgendetwas verkehrt.
ja, zB nicht ebenfalls Werkverträge abschließen...


Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Oder nehmen wir mal die kleine Autowerkstatt:

Ein Autoschlosser kostet im Monat vielleicht 3.000 inkl. Abgaben.

Macht im Jahr 36.000 Euro.

An 200 Arbeitstagen (rechnen wir mal 20 Tage Krankheit ein) ist er 7 Stunden effektiv am Auto des Kunden.

Macht 1.400 Arbeitsstunden im Jahr,, berechnet mit 70 Euro.

Selbst wenn er mal trödelt oder Flaute ist und nur 5 Stunden täglich berechnet werden bringt er nur an Arbeitslohn 70.000 Euro ein, dazu kommt noch der Teileaufschlag, so daß er an die 100.000 einarbeitet.
Also erstens bekommst du (zumindest hier in Bayern) für 3000,-€/Monat eher keinen Facharbeiter. Hier kannst du inkl Nebenkosten schon eher von 4500,-€ ausgehen. Zweitens klingt das ganz toll, wenn du so etwas vorrechnest. Das blöde ist, dass du aber rein für einen MA ohne Ausrüstung sicher niemandem 70,-€/h verrechnen kannst. In der Autowerkstatt zahlst du als Privatperson zwar 70,- €, kannst als Werkstatt aber gleich schonmal 19% USt abziehen, dann bist du schonmal nur noch bei 58,80 €. Und davon muss dann noch die gesamte Werkstattausrüstung, Miete, Lizenzgebühren etc bezahlt werden. Ich kann dir aus der Praxis sagen, dass du in der Metallverarbeitung mit weniger als 100.000,- € Umsatz pro MA mittelfristig ziemlich sicher auf die Nase fällst. Und wenn du diese Schwelle überschreitest, musst du da noch eine ordentliche Schippe drauflegen, bevor es irgendwann mal mit dem GT klappen mag...


Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Man kann ein Land wie Rumänien mit einem Durchschnittseinkommen von 200-300 Euro nicht am freien Markt gegen Deutschland konkurrieren lassen.

Wo früher die Arbeitsplätze hier blieben lösen die Firmen das mittlerweile über Mischkalkulation. Kein "Mittelständler" mit > 1.000 Mitarbeiter, der nicht durch Quersubvention durch Werke in Osteuropa das Schiff am Dampfen hält oder gierig die Marge steigert.
Ich glaube, du überschätzt beide Effekte... Nach wie vor sind die Frachtraten von Deutschland nach Rumänien deutlich höher als anders herum. Das bedeutet in der Praxis, dass deutlich mehr dorthin exportiert wird als von dort importiert. Löhne sind halt nicht alles. Man bekommt dort schon alleine viele Rohmaterialien nicht in der erforderlichen Qualität, man hat mehr Störungen durch schwankende Stromnetze etc pp... Viele Firmen, die versucht haben, Produktion im Osten aufzubauen sind schon wieder hier. Ich habe gerade erst in dieser Woche wieder von einem Kunden eine Verlagerung bekommen. Teile, die wir bisher nach Ungarn geliefert hatten, sollen in Zukunft wieder an ein Werk in Bayern gehen, weil die Produktion da einfach nicht rund läuft.

Das große Problem ist, dass die Firmen, die so etwas machen, dann eben den Weg gehen und ihre osteuropäischen Kontakte dazu benutzen, hier Werkverträge aufzuziehen - dann haben sie die Vorzüge der deutschen Infrastruktur mit osteuropäischen Löhnen... das ist das wahre Problem, nicht die Leiharbeit

Geändert von Schrottkopf (13.10.2017 um 16:08 Uhr)