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Alt 03.11.2017, 13:07
pibach pibach ist offline
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AW: Sunny side up - Klimaerwärmung oder doch nicht?

Zitat:
Zitat von BlinderBarmer Beitrag anzeigen
Ja, die laut mir entscheidende Frage war aber, warum sehen das die Fachwissenschaftler anders, obwohl die das Buch kennen.
Wie kommst Du darauf, dass "Fachwissenschaftler" das anders sehen? Soweit ich da die Paleoklimatologie überblicke, ist das der Stand. Also dass in den Temperaturrekonstruktionen diese Zyklen markant sind. Oder welches Paper sagt etwas anderes?

Es wird auch umfangreich diskutiert, dass die vom IPCC angelegten Modelle diese Zyklen nicht enthalten. Sowie viele andere zyklische Prozesse nicht genau genug abbilden, etwa ozeanische Oszillationen oder die der Wolkendecke, die eben mit dem Hale-Zyklus der Sonne schwankt, zumindest nach der bisher kurzen Beobachtungstzeit durch Satelliten. Die bisherigen Modelle weisen zudem diverse weitere Abweichungen von den Beobachtungen auf. Beispielsweise zur Wasserdampfrückkopplung. Die Luftfeuchtigkeit ist ja nicht wie prognostiziert angestiegen, siehe dieses Paper.

Und hier der Vergleich zur IPCC AR5 Vorhersage, die die Entwicklung weit überschätzt:



(Grafik von hier)

Das IPCC ist hier in seinen Berichten also etwas selektiv und nicht unbedingt im Einklang mit dem "Stand der Wissenschaft", den es so ja auch gar nicht gibt. Das liegt einfach daran, weil sie die Grundlage für eine politische Entscheidung etablieren möchten und ihre Daseinsberechtigung nun mal von einem alarmistischen Ergebnis abhängt. In sofern alles nicht verwunderlich und auch ohne "Verschwörungstheorie" schlüssig.

Zitat:
Zitat von BlinderBarmer Beitrag anzeigen
Ich mit meinem Laienwissen finde das nicht so merkwürdig, denn die Wirkung der Treibhausgase lässt sich im Labor sehr gut erforschen, im Gegensatz zu Aerosolen oder der Wolkenbedeckung der Vergangenheit.
Da nennst Du genau das Problem. Da man die langwellige Absorption gut berechnen kann (und im Labor schön messen), wird das in die Computermodelle eingebaut. Andere Faktoren, die ein Vielfaches an Wirkung entfalten, werden dagegen kaum weiter untersucht. Z.B. der Effekt der Wasserdampfrückopplung.

Zitat:
...braucht man schon einiges an Phantasie, um da einen natürlichen Zyklus sehen zu wollen.
Das liegt schlicht daran, dass diese Rekonstruktion ein Mittelwert mit recht viel Anteil an Sediment-Proxies ist. Also vom Meeresboden. Da kann man kürzere solare Zyklen natürlich nicht erkennen.

Die Wikipedia-Grafik (Erläuterungen siehe hier) ist soweit ich das übersehe auch eine der wenigen Rekonstruktion, die die aktuelle Temperatur über der des holozenen Optimums einordnet. Die meisten die ich gefunden habe sehen das andersrum. Z.B. diese ermittelt:

"We show that water masses linked to North Pacific and Antarctic intermediate waters were warmer by 2.1 T 0.4°C and 1.5 T 0.4°C, respectively, during the middle Holocene Thermal Maximum than over the past century. Both water masses were ~0.9°C warmer during the Medieval Warm period than during the Little Ice Age and ~0.65° warmer than in recent decades"

Und diese Grafik (von hier) zeigt recht eindrücklich, dass die Holozän-Temperaturen überhaupt nicht mit Treibhausgas (CO2, Methan) Anteilen korrelieren sondern vor allem mit der Neigung der Erdachse (Obliquity) in ihrem 40.000 Jahre-Zyklus (sowie mit der Sonnenaktivität). Die Klimamodelle bilden das bisher nicht ab.



Ein weiteres schönes Beispiel, dass die Interpretationen vor allem von der Prädisposition abhängen ist diese versus diese Seite, die aus dem selben Paper diametral gegensätzliche Aussagen extrahieren.

Geändert von pibach (03.11.2017 um 13:22 Uhr)
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