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Alt 08.11.2017, 21:05
User 17544 User 17544 ist offline
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AW: DER Thread für politisch Interessierte

Die ganzen angestellten Vergleiche taugen nichts. Es geht bei den superreichen Steuervermeidern um eine unfassbare Gier, die professionell behandelt gehört - und das zwangsweise.

Die Lücken innerhalb Europas gehören geschlossen. Dazu müssen sich die Länder auch drauf einigen, dass z.B. Irland, das ohne ihr Steuermodell auf die Pleite zulaufen würde, anderweitig unter die Arme gegriffen wird. Ist halt wie mit den Flüchtlingen. Sieht man ja, wie toll das geklappt hat, einfach mal festzulegen, dass das das alleinige Problem der Länder mit EU-Außengrenzen ist. So oder so, stünde Deutschland, halt das Land, das es versteht selbst an der Pleite Griechenlands zu verdienen, besonders in der Pflicht. Das Miteinander funktioniert im Kleinen, wie auch im Großen nur, wenn sich Nehmen und Geben zumindest in etwa ausgleichen. Ansonsten kommt so eine Kacke dabei raus, wie wir sie jetzt haben.


BTW: Was Schwarzarbeit betrifft, so geht der meines Wissens nach angebliche Schaden nicht jährlich in die Milliarden, sondern bewegt sich stets ein gutes Stück weit unterhalb von einer Milliarde. Wobei diese Berechnungen mal eine nährere Betrachtung lohnen würde. Mich tät's nicht wundern, wenn die Fiskalhelden es in der Art berechnen, dass die entgangenen Steuereinnahmen nicht an Hand des tatsächlich geflossenen Geldes hochrechnen, sondern mit den Summen, die eine Firma dafür verlangt hätte. Also nicht mit dem evtl. Schwarzarbeitsstundenlohn von 20 €, sondern mit Stundensätzen von 50 € aufwärts. Das wäre natürlich bullshit.

Wundern tät's mich deshalb nicht, weil ich weiß auf was für Ideen die Fiskalhelden kommen. Wir müssen für den selbst verbrauchten Strom unserer PV-Anlage an das Finanzamt 19% Umsatzsteuer pro kW/h abführen. Nicht von dem kW/h-Preis (11,69 Cent), den wir für das Einspeisen kriegen, sondern von dem kW/h-Preis (ca 23 Cent), den wir unserem Stromanbieter zahlen müssten. Das Argument des FA dafür ist, dass ihnen diese Steuereinnahme durch unseren Eigenverbrauch entgangen ist. Tolle Wurst - geht mir zwar am Arsch vorbei, aber vergleicht das mal mit den zugelassenen Steuertricksereien, die den Superreichen so geboten werden. Da kriegste nur noch das Kotzen. Die superreichen legen eher ihr Geld ganz legal in einen Offshore-Windpark in der Nordsee an, bei dem die Rendite hoch ist und denen ist es scheißegal ob der erzeugte Strom überhaupt verbraucht werden kann, die kriegen ihr Geld immer, auch wenn wie es nun mal leider ist, die nötigen Stromtrassen fehlen, damit der dort erzeugte Strom auch zu 100% bei den Verbrauchern ankommen kann.

Jeder, der schon mal versucht hat für Kleinscheiß ein Handwerksbetrieb zeitnahe beauftragen zu wollen, der versteht vielleicht auch, warum bei dem einen oder anderen die Hemmschwelle den tropfenden Wasserhahn oder sonstwas an Kleinscheiß vom netten Klempner aus der Nachbarschaft reparieren zu lassen, eher gering (geworden) ist.

Wer 'ne Putzhilfe schwarz beschäftigt ist auch nicht gleich jemand, der zum eigenen Vorteil bescheissen will. Da werden nicht selten Menschen beschäftigt, z.B. alleinerziehende Mütter, die es eh schwer haben 'nen Job zu finden, den sie mit kleinen Kindern unter einen Hut kriegen und von Hartz-4 leben müssen. Würde man diese Menschen anmelden, würde das auf den Hartz-4-Satz angerechnet werden. Werden sie erwischt, gelten sie gar noch als Sozialschmarotzer, die dann in der BILD oder auf RTL2 angeprangert werden. Auf der nächsten Seite oder in der drauffolgenden Sendung dann ein netter, wohlwollender Bericht in Hochglanz und in Farbe von den Superreichen auf ihren Yachten in der Karibik oder der Queen beim Händeschütteln und Lächeln. Verkehrte Welt...

Putzhilfen und Handwerker, die mal schwarz arbeiten, sind Menschen, die sich eben nicht der Gemeinschaft entziehen und denen die Gemeinschaft eben nicht am Arsch vorbei geht - im Gegensatz zu den superreichen Steuersparexperten. Die kommen im Gegensatz zu den Superreichen meist alle so gerade eben über die Runden. Das Geld was so eine Putzfrau oder ein ab und an mal schwarz arbeitender Handwerker dabei verdient, wird auch hier wieder ausgegeben. Für ganz alltäglichen Kram, an dem hier verdient wird. Die kaufen davon keine ausländischen Sportwagen, auch keine Flugzeuge oder Yachten, keine Immobilien auf Malle oder verprassen die Kohle bei einem ausschweifenden Karibikurlaub oder auf Mauritius. Die kaufen eher ein paar neue Schuhe für die Kinder oder sowas.

Solche Leute mit den superreichen Steuersparexperten zu vergleichen, dabei zu sagen, dass doch eh alle ein bisschen bescheissen und dass sich dann auch niemand wundern darf, dass das die Superreichen halt nur besser machen, finde ich absurd.