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Alt 12.01.2018, 11:22
User 17544 User 17544 ist offline
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AW: Zukunft der Automobil Industrie - Neuordnung auf dem Weltmarkt durch Elektromobil

@moe589: Dass du angesichts deiner "Verstrickung" mit den verbrennungsmotorengetriebenen Autos bei E-Autos eher dazu neigst besonders kritisch zu sein, wundert mich nicht und finde ich auch nicht verwerflich. Insgesamt meine ich, dass du recht realistisch in die nähere Zukunft schaust - wobei ich damit jetzt nich behaupten will und kann, dass ich ein Oberexperte auf dem Gebiet bin. Ich bin nur ein interessierter Laie. Von Akkus und E-Motoren verstehe ich ein wenig was.
Zitat:
Zitat von moe589 Beitrag anzeigen
es gibt ein paar problemchen mit den akkus, die nicht so einfach aus der welt geschafft werden können.
es ist raum für verbesserungen da, der ist jedoch begrenzt.
zumindest mit der aktuellen li-ionen-batterie.

um den akku zu schützen, damit er nicht zu schnell in die knie geht, darf er nach möglichkeit nicht schnellgeladen werden und auch die entnahme der kapazität muss sich in einem rahmen von max. 3/4 der gesamtkapazität bewegen.
auch ist der wirkungsgrad eines e-motors nicht so dolle, wie viele meinen.
auch der ist betriebspunktabhängig, daher werden e-autos auf abgehbare zeit mit getrieben ausgestattet, um diesen punkt bestmöglich zu umgehen.
das sind jetzt mal einige harte fakten, die problematisch sind und sich nicht mal eben lösen lassen.
Ich fang mal bei den Akkus an, die du auch aus meiner Sicht nicht zu unrecht kritisch betrachtest. Grundsätzlich haben Akkus das Problem, dass die erreichbare Energiedichte begrenzt ist und die Luft, die es noch nach oben hin gibt ist ebenso begrenzt. Das zweite grundsätzliche Problem ist, dass sie recht temperaturempfindlich sind. Kälte ist ein Problem, dass die nutzbare Kapazität in die Knie zwingt. Die Norweger, die den E-Autos gegenüber recht aufgeschlossen sind, können da in kalten Wintern, die dort nicht unüblich sind, ein Lied von singen.

Das Schnellladen selbst, ist hingegen kein wirklich großes Problem mehr. Durch gut funtionierendes Lade- und Akkumanagement lassen sich schädliche Überhitzungen sehr gut vermeiden. In dem Bereich ist eher die "Lügerei" ein Problem, das in der Praxis für Ernüchterungen sorgen wird. Als Beispiel taugt da "Marktführer" Tesla ganz gut, aber die anderen, dürften denen nicht nachstehen. Angegeben werden immer die Ladezeiten bis zum Erreichen einer Akkukapazität von 80%. Verschwiegen wird, dass gerade die letzten 20%, trotz Schnellladung eine sehr zähe und somit zeitlich unschöne Angelegenheit ist.

Was die Nutzbare Kapazität betrifft, die du mit 3/4 der Gesamtkapazität angibst, ist das nicht ganz richtig. Auch hier spielt die evtl. Unehrlichkeit eine Rolle. Richtig ist, dass Akkuschädliches Tiefentladen vermieden werden muss. Ist bei der Angabe der Gesamtkapazität der Bereich mit angegeben, der nur nutzbar wäre, wenn dem Akku in genau diesem Bereich noch Energie entzogen würde und der 25% ausmachen würde, dann würde deine Angabe stimmen. Ich würde aus dem Bauch raus allerdings eher tippen, dass so um die 10% "gelogen" wird. In der Praxis dürfte das allerdings, wie bei Verbrennern auch, kaum Relevanz haben. Bei Verbrennern fährt wohl auch eher recht selten den Tank bis auf den letzten Tropfen leer. Bei Verbrennern sind die Problem da ähnlich gelagert. Da wird beim Verbrauch auch gelogen, dass sich die Balken biegen. Dort sind 25% eher keine Seltenheit.

Bei den E-Motoren liegste, was deren Wirkungsgrad betrifft ziemlich daneben. Der ist tatsächlich sehr hoch. Inwieweit das zum Vorteil hin mit einer Stromversorgung durch Akkus nutzbar ist, das ist in der Tat fraglich bzw ein ein Problem. Allerdings meine ich, dass das größtenteils ein unnötig, selbst verursachtes Problem ist, dass sich durch den Wahn unbediengt in Konkurrenz mit den Verbrennern treten zu können verselbstständigt hat. Siehe Tesla, die mit E-Motoren-Kombinationen mit Leistungen von irgendwas um die 500 kW aufwarten. Wenn dieses Leistungsvermögen abgerufen werden soll, was meist beim Beschleunigen der Fall ist (Für dauerhaftes Schnellfahren, bei dem hohe Leistungen nötig sind, sind E-Autos nicht geeignet, nicht der Motoren wegen, sondern der begrenzt zur Verfügung stehenden Energie.), müssen sehr hohe Ströme fließen, die widerum die Akkus über die Maßen Stressen, sodass eine Überhitzung droht. E-Motoren, können je nach Bauart beim Anlaufen kurzschlussnahen Strombedarf haben. Um das eigentliche Problem zu veranschaulichen, kann die Sache mit den hohen Anlaufströmen vernachlässigt werden. Da reicht das Wissen eines jeden, der mit den Grundrechenarten vertraut ist. E-Motoren mit einer Leistung von 500 kW und einer Einergiequelle (Akkus) von 110 kW/h (ungefähr das, was die Teslaboliden hergeben) zu versorgen, würd bei Volllast keine viertel Stunde überdauern können.

Dass es Überlegungen gibt, mit Getrieben dem Problem der hohen Anlaufströme beim Beschleunigen entgegenwirken zu wollen mag sein, nur glaube ich nicht daran, dass das eine sinnvolle Option ist, die in E-Autos in Zukunft einzug halten wird. Mag natürlich sein, dass ich eines Besseren (eigentlich Schlechteren) belehrt werde...

Für mich muss ein Umdenkprozess bei E-Autos einsetzen. Weg von den Boliden mit wahnwitzigem Leistungsvermögen, dass mit Akkus, die zudem immer ein Gewichtsproblem mitsichbringen werden, eh nicht befriedigend versorgt werden kann. Hin zu bedarfsgerechten kleineren Motoren. Den Bedarf sehe ich wie du im urbanen Nahverkehrsbereich. Weg von dem Kokurrenzdenken, dass gemeint wird gegen Verbrenner in jeder Disziplin besser sein zu müssen. Auf die E-motorenbedingte sehr gute Beschleunigungsmöglichkeit verzichten, in dem das Leistungsvermögen des E-Motors beim Beschleunigen runtergeregelt wird. Dann wird ein Getriebe unnötig sein. Würd ja eh nur zusätzlich Geld kosten.

Dass der Preis der E-Autos augenblicklich noch die größte Verkaufsbremse ist, da sind wir uns wohl auch einig.

Pibachs "Visionen" teile ich übrigens auch nicht. Aber das habe ich hier schon vor vielen Monden mal erläutert und muss ich jetzt nicht wiederholen...

Schönes Wochenende
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