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Alt 20.01.2018, 14:41
User 17544 User 17544 ist offline
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AW: Zukunft der Automobil Industrie - Neuordnung auf dem Weltmarkt durch Elektromobil

Zitat:
Zitat von pibach Beitrag anzeigen
Das ist wahrscheinlich das Missverständnis der Diskussion.
Es gibt recht zwingende Basisdaten, die für die langfristige Durchsetzung der Elektromobilität sprechen. In den Endkundenpreisen spiegelt sich das bisher noch nicht wieder. Nun versucht man, etwas für die Zukunft auszusagen.
Ich sehe die Basisdaten, die du als zwingend bezeichnest, eher kritisch und würde sie deshalb als schwammig bezeichnen. Dass man versucht irgendwas auf die Zukunft zu adaptieren - was eh in allen Bereichen schwierig ist und immer wieder zu nötigen Korrekturen führt, jedenfalls dort wo es um Seriösität geht - findet wohl niemand mit ein wenig Verstand schlecht. So gut wie möglich auf was auch immer vorbereitet zu sein, kann ja nicht schaden.

Vielleicht solltest du mal ganz von vorne anfangen? Also darüber nachdenken worum es eigentlich geht bei dem Thema. Hier soll keine veraltete Technik durch eine neue Technik abgelöst werden, weil sie besser und auf Dauer vielleicht gar günstiger werden kann. Es geht darum die durch die nötige Mobilität enstandenen Emissionen, die Mensch und Umwelt belasten möglicht weit herunterzufahren. Dafür gibt es aber leider kein Allheilmittel. E-Autos können schon jetzt dabei helfen. Das ist richtig.

Darüber wie groß der diesbezügliche Vorteil der E-Autos gegenüber der alten Technik tatsächlich ist, darf natürlich gestritten werden. Stand jetzt ist er durch diverse Gründe nicht so groß, wie es manch ideologisch übers Ziel Hinausschießende gern hinstellen. Nur wird es nicht gelingen können, denjenigen, die zurecht anmerken, dass der nötige Strom für die E-Autos Stand heute immer noch zu einem sehr großen Anteil aus ebenso klimaschädlichen Energieträgern gewonnen wird. Dem sollte man sich dann auch stellen. Muss man natürlich nicht, aber wenn man dazu nicht bereit ist, dann wird das auch nichts.

Stand heute kannst du nicht - wohl sicher nicht nur aus meiner Sicht - davon guten Gewissens erzählen, dass E-Autos jetzt schon günstiger zu betreiben sind und jetzt schon Verbrennern umwelttechnisch weit überlegen sind. Einfach weils nicht haltbar ist. Ich würde es wagen, das als Fakten zu bezeichnen.

Trotzdem gibt es jetzt schon viele Argumente, die zutreffend sind, die für E-Autos sprechen. Dabei sollten technische Unzulänglichkeiten, die E-Autos trotz ihrer durchaus guten Funktionalität haben, ruhig angesprochen werden. Auch dieser Diskussion sollte man sich stellen können. Macht man das nicht, dann wird es halt sehr schwierig, irgendwen zu überzeugen. Auch diesen Aspekt würde ich wagen als Fakt zu bezeichnen. Gegen Fakten anzudiskutieren wird nun mal nicht gelingen können. Das sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Für E-Autos spricht jetzt schon, dass sie für eine große Anzahl von Menschen durchaus bezahlbar sind. Sie sind zwar im Vergleich mit einem entsprechenden Verbrenner - selbstverständlich muss dafür die individuelle Nutzung berücksichtigt werden, eine Pauschalaussage ist diesbezüglich gar nicht möglich und es bringt auch nichts sich solche Nuzungsszenarien auszudenken, aus denen sich ein Vor- oder Nachteil für eine der beiden Autotypen ergibt - nicht günstiger zu betreiben, aber da es Menschen gibt, die bereit sind 30.000 € und mehr für ein Auto zu bezahlen muss gar nicht auf wirtschaftlichen Aspekten herumgeritten werden.

Ein nicht wegzudiskutierender Vorteil von E-Autos ist, dass sie dort wo sie gefahren werden keine Mensch und Umwelt belastenden Emissionen verursachen bzw weit weniger, wenn man Lärm der Menschen durchaus belastet hinzunimmt. E-Autos verursachen durch die Reifen auch Lärm, halt insgesamt weitaus weniger. Darum sollte es augenblicklich gehen, wenn für E-Autos argumentiert wird. Es gibt halt in vielen urbanen Ecken der Welt den dringenden Bedarf die Emissionen dort weitmöglichst herunterzufahren, weil dort Mensch und Umwelt massiv durch den Verkehr belastet werden.

Natürlich gibt es auch noch bei den Verbrennern ein nicht zu unterschätzendes Potenzial sie für die Umwelt und den Menschen zu verbessern. Auch das sollte parallel angegangen werden. Auch an dieser Stelle geht das nur wenn man bereit ist mit nachvollziehbaren Argumenten darum zu werben. Was die zu bekämpfenden Belastungen für Mensch und Umwelt durch den Verkehr verursacht betrifft, sollte mal hinterfragt werden, ob die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hin zu immer leistungsstärkeren Autos richtig war. So schön sie auch sein mögen, sie faszinieren halt schon und immer mehr Menschen können sich solche Autos leisten, bezüglich der wohl von den allermeisten eingesehenen Notwendigkeit Mensch und Umwelt so wenig wie möglich zu belasten, war das ein Fehler. So wie sich der Automobilmarkt entwickelt hat, wird es leider nicht möglich sein, das merkbar zu ändern. Adblue Kraftstoffzusätze und all solch Bemühungen sind zwar begrüßenswert aber zur Problemlösung taugen sie nur bedingt. Das Ziel muss sein, so wenig Kraftstoff zu verbrennen wie wirklich nötig. Aus dem Bauch raus würde ich vermuten, dass es möglich wäre den jahrlichen Gesamtkraftstoffverbrauch ganz erheblich zu verringern, wenn in Zukunft auf Autos gesetzt wird, die nicht auf 100 km/h in wenigen Sekunden beschleunigen können und auch nicht wahnwitzig schnelle Geschwindigkeiten erreichen, die eh so gut wie nie gefahren werden können. Den Ingenieuren traue ich es zu, eine solche Herausforderung recht schnell gerecht werden zu können. Auch die Einführung eines Tempolimits wird dazu beitragen können, dass weniger Kraftstoff verbraucht wird. Zudem würde es den Menschen nicht mehr so schwer fallen auf leistungsstarke Autos zu verzichten, wenn eh nur noch z.B. 130 km/h erlaubt sind.

Dafür sollte aber auch jeder Autofahrer dazu bereit sein, sich selbst zu hinterfragen. Brauch ich das wirklich, so einen Boliden? Komme ich damit im Schnitt bei dem real vorhandenen Verkehrsaufkommen wirklich schneller ans Ziel? Ich würde vermuten, dass, wenn sich jeder diese Frage selbst beantwortet zumindest zu 90 % ein Nein herauskommt. Mit dem Finger auf andere zu Zeigen, die (noch) gern solch Boliden fahren, bringt gar nichts. Man kann Menschen die Faszination für solch Autos nicht verbieten. An die Vernunft appellieren ist allerdings nicht verboten.

Real fehlt es augenblicklich im E-Autobereich an einer guten Ladeinfrastruktur. Dafür wäre die Politik zuständig. Ohne diese Ladeinfrastruktur ist es noch schwerer Menschen davon zu überzeugen auf E-Autos umzusteigen. Eine solche Ladeinfrastruktur zu schaffen, ist zum Einen nicht ganz billig und zum Anderen dauert so was auch einen gewissen Zeitraum. Ich kann aber leider noch nicht mal den politischen Willen erkennen, das zügig anzugehen. Die Stromversorger selbst haben für mich auch noch kein Konzept das selbst anzugehen. Da gibt es hier und da immer mehr gar selten nicht kostenfrei Ladesäulen, aber gebraucht wird eine verlässliche Ladeinfrastruktur, bei denen die Fahrer den dort geladenen Strom selbstverständlich auch bezahlen müssen.

Für vernünftigere Verbrennungsautos fehlt es am Angebot. Sollte das Einsehen sowas zu wollen mal einzug halten, braucht es auch noch eine gewisse Zeit bis zur Marktreife und Verfügbarbeit. Augenblicklich liegen eher Konzepte in den Schubladen, die nach gängigem Muster gestrickt worden sind. Mehr Power, mehr Schnick-Schnack. Auch hier wäre die Politik gefragt. Statt sich in Lager Pro-E-Auto und Anti-E-Auto aufzuspalten bedarf es eines tragbaren Gesamtkonzepts , denn die Verbrenner werden uns eh noch eine ganze Weile begleiten. Die in den nächsten 2 bis 4 Jahren verkauften Autos werden wohl noch zu einem nicht vernachlässigbar großen Anteil auch noch in 10 bis 15 Jahren auf den Straßen vorzufinden sein.

Statt wie hier und da schon geschehen oder zumindest angedacht für das Jahr X Neuzulassungen von Verbrennern verbieten zu wollen und zwar ohne das erkennbar wäre, dass für ein vernünftiges Konzept eine E-Auto-Infrastruktur was getan wird, sollte man lieber hingehen zu diesem Jahr X nur noch Neuzulassungen von Verbrennern zu gestatten, die wirklich nicht mehr als sagen wir mal 4 Liter auf 100 km verbrauchen dürfen. Energiesparende Leistungsdrosslungen sind bei E-Autos jetzt schon ganz normal, denn ansonsten kämen sie bei den Motorleistungen nich mit ca 18 kW/h auf 100 km zurecht. Das geht bei Verbrennern sicher auch.

Highlandermäßiges "Es kann nur einen geben", ist für die überschaubare Zukunft sicher Quatsch. Da bedarf es eines tragbaren Gesamtkonzepts wo aus nicht wegzudiskutierenden, guten Gründen Verbrennern nicht der Sprithahn einfach abgedreht werden kann.

@Peter: Dir sicher wieder viel zu viel Text, was die Wahrscheinlichkeit, dass du das liest eher gering machen dürfte. Dafür aber auf das Wensentliche konzentriert - finde ich zumindest
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