Für den Vergleich eignet sich in der Tat eher andere Einzelsportarten heranzuziehen. Mir fallen da folgende ein, die auf eine mehr oder weniger ausgeprägte öffentliche Wahrnehmung stoßen:
- Tennis
- Skispringen
- Biathlon
- Alpinski
- Leichtathletik
- Schwimmen
- Golf
- Radsport
Was unterscheidet die vom Tischtennis?
1. Es gibt traditionsreiche Veranstaltungen.
Tennis hat die Grand Slams, Skispringen die Vier-Schanzen-Tournee, Alpinski hat Kitzbühel, Leichtathletik und Schwimmen sind die Kernsportarten der Olympischen Spiele, Golf hat die Masters und Radsport die Tour de France. Lediglich Biathlon fällt da raus.
Aber traditionsreiche Veranstaltungen machen Legenden. Egal wie unbekannt jemand war: Wer Wimbledon oder die Tour de France gewinnt, ist ein Star.
Beim TT gibt's nur die WM, deren Modus sich öfters änderte. Und WMs sind kein Alleinstellungsmerkmal.
2. Die Leistungen sind für Laien gut nachvollziehbar.
Tennis: Die Geschwindigkeit und Platzierung sind gut erkennbar, Spin als "unsichtbarer" Faktor spielt nur eine geringe Rolle.
Skispringen: Mehr als 100 Meter weit zu springen und dann auf Skiern zu landen erkennt jeder als wahnsinnige Leistung an.
Alpinski: Wer einmal auf der Streif stand, versteht wie wahnsinnig die Kerle sind, die da in der Hocke hinuterrasen.
Leichtathletik: Jeder kann nachvollziehen, wie schnell 10 Sekunden auf 100 Meter sind. Schwimmen ganz ähnlich.
Radsport: Einen Anstieg wie Alpe d'Huez 14 Kilometer lang mit 8% hinaufzuradeln ist brutal anstrengend. Sieht jeder, der mit dem Rad mal 500 Meter lang einen einfachen Anstieg rauffahren musste.
Hier fallen Golf und wieder Biathlon aus der Rolle.
Wie schon hier von verschiedenen erklärt wurde, die Leistung beim TT ist von Laien kaum einzuschätzen. Wie viel Spin ein Ball haben kann oder wie schnell der Ball über die Platte fliegt, lässt sich halt kaum erahnen.
3. Der Spannungsfaktor ist hoch
Das hilft vor allem den Sportarten, die bei den anderen Punkten eher schwächeln. Biathlons Popularität ist nur zu erklären durch die Dramatik, die sich häufig am Schießstand abspielt. Auch im Golf, beim Alpinski oder beim Skispringen macht ein kleiner Fehler kurz vor Schluss alles zunichte. Oder wer (unter den Älteren) erinnert sich nicht an die Dramatik beim Stabhochsprung im Zehnkampf bei Olympia 1984.
Im TT wenn du 2:0 und 9:3 vorne bist, kannst du mehrere dumme Fehler machen und gewinnst immer noch problemlos.
4. Die Historie
Viele andere Sportarten sind historisch gewachsen, sind etwa schon lange olympisch und wurden schon oft mit Kompetenz im Fernsehen gezeigt.
TT ist erst seit 1988 olympisch. Und es gibt nahezu keinen Weltmeister aus einem der großen und wirtschaftlich bedeutenden Länder, natürlich mit Ausnahme von China und Japan.
Seit 1952 gab es neben den Asiaten nur Weltmeister aus Österreich, Schweden und Ungarn. Lediglich Gatien aus Frankreich war eine Ausnahme.
Einige Sportarten sind wohl auch nur deshalb populär, weil ihre Höhepunkte dann sind, wenn sonst nicht viel los ist. Die Vier-Schanzen-Tournee ist zwischen den Jahren, wo es sonst keinen Sport gibt. Die Tour de France ist im Juli im Sommerloch, noch dazu nachmittags. Der Wintersport profitiert allgemein von der Winterpause der Fußballer.
Deshalb sehe ich nur eine Chance, wenn man den Sport für Laien einfacher verständlich macht und spektakulärer präsentiert. Ob man das will, ist eine andere Frage.
PS: Badminton wurde als Beispiel genannt, das nachvollziehbar aber auch erfolglos ist. Die einfach Nachvollziehbarkeit ist ja auch nur eine notwendige, noch lange keine hinreichende Eigenschaft.