Ich glaube, was den Grund für das "Stranden" von Flüchtlingen im eigenen Land bzw. der eigenen Region angeht, gibt es verschiedene Gründe. Nicht weiterkommen können mag einer sein - aber viele haben auch die Hoffnung, in naher Zukunft zurückkehren zu können. Sie fühlen sich ihrer Heimat und ihrer Familie verbunden, beherrschen vielleicht keine anderen Sprachen oder sehen keine Zukunft in anderen Regionen der Welt -> was man früher als "Pull-Faktoren" bezeichnet hätte.
Was die Fremdenfeindlichkeit angeht:
Richtig, das ist ein klassisches Phänomen, ABER:
es gibt sehr gute Beispiele für Gesellschaften, in denen es auch im Mittelalter und früher schon mit dem Zusammenleben geklappt hat. Insbesondere dann, wenn führende Persönlichkeiten mit hohem sozialen Ansehen das vorgelebt haben. Und in einer postmodernen Welt mit all unseren Kenntnissen über Vorurteile, die schematisierende Vorgehensweise unseres Gedächtnisses und die Wahrnehmungsfehler, die daraus entstehen (Wolle hat das hier in letzter Zeit unfreiwillig demonstriert

) dürfen und müssen subjektive Wahrheiten durchaus hinterfragt werden.
Zum Thema Alternative zum Kapitalismus:
Das Problem ist ja schlicht die Anbetung des Marktprinzips. Es geht hier nicht um Kapitalismus, sondern um eine radikale Auslegung von Turbokapitalismus, in dem alles zur Ware wird, was sich nicht stark genug wehrt.
Es bräuchte halt mehr Eingrenzungen und Regularien, die insbesondere die Konzerne einschränkt, die die Macht haben, innerhalb kürzester Zeit irreparable Schäden an Rohstoffquellen zu verursachen. Es sollte das Prinzip gelten "Ist nicht eindeutig festgestellt, dass es keine weitreichenden Umweltschäden geben kann, dann ist ein Projekt nicht durchzusetzen. Bestimmte Ressourcen (Wasser, Boden, einzigartige Naturräume und komplexe Biosysteme) müssen vor großen Eingriffen besser geschützt sein.
Im Moment scheinen für große Konzerne kaum Handhabungen zu existieren, um geltendes Recht einzufordern. Die Steuerprobleme mit Apple und Facebook sind ja nur ein kleines Stück des Eisbergs - wie sieht es mit Nestlé und Monsanto aus? Wen juckt es, dass Borneo (doppelt so groß wie Deutschland) innerhalb weniger Jahrzehnte praktisch komplett abgeholzt und mit Palmölplantagen bepflanzt wurde - ein einzigartiges Ökosystem mit
einmaligen Möglichkeiten für Medizin und Forschung! Ausradiert.
Die Milliarden Nutellafresser auf dem Planeten jedenfalls nicht.
Und wo wir bei der Medizin sind - wo bleibt die Vorgabe, dass Konzerne zum Wohl der Menschheit da sind, nicht nur zum Wohl der zahlungsfähigen oberen 30%? In Afrika sterben Millionen Menschen an Krankheiten, die in Europa dank der modernen Medizin und Wissenschaft ausgerottet hat oder nie hatte. DAFÜR sollte es einen Soli geben - zu zahlen von den Pharmakonzernen, die teilweise mit Placebos (Zucker und Füllmaterial) perverse Gewinne erwirtschaften.
Zitat:
"I do think I can speak for everyone when I say:
we're sick of this shit!"
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