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Zitat von mithardemb
Dein Verglich hinkt ein wenig. Als Besucher einer Kantine, möchte ich nicht vom Koch lernen. Ich möchte essen.
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Der Koch wird dafür bezahlt, Produkte zu verarbeiten - und zwar so, dass sie möglichst der breiten Masse schmecken. Und deshalb steht in der Kantine auch nicht nur Schweinerückensteak auf der Karte, sondern auch noch eine vegetarische Alternative, dazu Salat, Kartoffeln, Reis, mindestens ein Nachtisch...
Viele Dozenten kommen dagegen in den Hörsaal und bringen Spaghetti Bolognese für alle mit, weil sie seit 30 Jahren Spaghetti Bolognese auf genau die gleiche Art kochen, und auch nicht bereit sind, sie mal anders zu machen.
Dazu gibt es dann einmal am Tag ein Kilo Spaghetti Bolognese und den Rest des Tages muss ich sehen, was ich koche. Wäre es da nicht sinnvoller, dreimal am Tag drei interessante Gerichte mit Alternativen anzubieten, statt einmal am Tag ein Drittel der Spaghetti Bolognese zu verteilen und den Rest in den Müll zu werfen?
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Den Besuch einer Vorlesung sollte ich dagegen davon abhängig machen, ob ich dabei etwas lerne. Wenn es mir mehr bringt mich daheim vor ein Buch zu setzen, dann macht die Vorlesung keinen Sinn. Sie ist dann, um im Bild zu bleiben, Verschwendung die der Steuerzahler bezahlt.
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Völlig richtig - aber der Dozent entscheidet am Ende, was abgefragt wird - nämlich meistens der Stoff, den ER vermittelt - Spaghetti Bolognese.
Also wenn ich den Eindruck habe, dass ich meinen Kindern später lieber Spinatspätzle kochen will, und deshalb auf chefkoch.de Rezepte aussuche und sie nachkoche, dann bringt mir das für die Prüfung leider nur sehr wenig...
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Genau das wäre aber ja das Gegenteil einer Vorlesung bei der hunderte Zuhörer mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und zum Teil auch Vorkenntnissen, den Stoff auf die gleiche Weise vermittelt bekommen.
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Und da ist der Denkfehler. Man muss nicht parallel auf 5 verschiedene Weisen das gleiche machen. Aber indem ich Methoden, Beispiele und Medien bewusst abwechsle, kann ich dafür sorgen, dass jeder Lerntyp etwas aus einer Vorlesung oder einem Seminar mitnimmt - einfach weil neue Anknüpfpunkte für einzelne Lerner vorhanden sind. Motivation, Interesse und Aufmerksamkeit steigen an. Und so habe ich eben am Ende einen größeren Pool an interessenten Studenten, aus denen am Ende auch ein größerer Pool einen Top-Abschluss machen wird. Weil sie sich mit dem Fach identifizieren können, sich gewertschätzt und gefördert sehen und letztlich auch mehr Eigenmotivation aufbringen können.
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Falls man nicht gerade Lehramt studiert, sind die Dozenten in der Regel keine Didaktiker. Auch später im beruflichen Umfeld trifft man selten auf diese.
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Und genau hier liegt das Problem.
Praktische Didaktik ist ganz einfach und in wenigen Stunden sind Grundlagen vermittelbar, die die Effizienz einer Einheit um ein Vielfaches steigern können.
Jeder C-Trainer ist ein besserer Didaktiker als ein Hochschulprofessor. Zwar gibt es die "Profilehre"-Kurse, diese werden aber meistens nur von der Zielgruppe wahrgenommen, die es am wenigsten nötig hat: jungen, motivierten wissenschaftlichen Mitarbeitern.
Wir brauchen in der Gesellschaft schlicht eine Kombination aus effektiver Lehre (regelmäßige verpflichtende Kurse für alle Lehrenden) und gleichzeitig einem anderen Verständnis von Schüleraktivität. Das darf weder sein (wie häufig in der Schule): "Ihr seid genau dann aktiv, wenn der Lehrer es braucht, um seinen selbstzentrierten Unterricht voranzutreiben", noch (wie an der Uni): "Ihr seid jetzt erwachsen und müsst euch euer Wissen halt irgendwie selbst aneignen".
Die Kompetenzorientierung an den Schulen wird für mein Empfinden immer besser umgesetzt, aber stark lehrerabhängig. Bei manchen heißt es dann "So, wir machen jetzt die Aufgabe in Gruppenarbeit, das stärkt die sozialen Kompetenzen". Ähhh - nein?