Einzelnen Beitrag anzeigen
  #18  
Alt 27.05.2018, 18:31
Bo5 Bo5 ist offline
registrierter Besucher
Foren-Stammgast 1000
 
Registriert seit: 02.12.2006
Beiträge: 1.844
Bo5 ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)Bo5 ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)Bo5 ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)Bo5 ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)
AW: Fragen über Fragen zur Beinarbeit

Es gibt nicht die eine Beinarbeitstechnik, mit der man jeden Ball perfekt erlaufen kann. Beinarbeit ist viel individueller und situationsabhängiger und kann für jede Schlagkombination anders aussehen. Das ist das gleiche Prinzip wie bei den Schlagtechniken. Je nachdem wie deine Distanz zum Tisch ist, wie hoch der Ball kommt, wie viel und welchen Schnitt er hat, wirst du deine VHT-Bewegung ja auch anpassen. Wie schon in einem anderen Thread gesagt wurde: denk nicht in zu starren Mustern, sondern probier verschiedene Techniken aus.

Das im ersten Video ist der klassische Sidestep, wie er auch meist in Deutschland gelehrt wird. Man setzt erst das Bein, das sich in Bezug auf die Bewegungsrichtung vorne befindet, und zieht dann das andere hinterher. Ein Vorteil dieses Schlages ist, dass er sehr fließend in den Ausfallschritt übergeht. Reicht ein Ausfallschritt zur Seite nicht aus, kann das andere Bein nachgezogen und ggf. ein weiterer Sidestep ausgeführt werden.

Aus Erfahrung weiß ich aber, dass man den Sidestep auch genau andersherum ausführen kann und dass das auch viele Spieler nicht so machen, wie oben beschrieben. Das sieht man z.B. gut, wenn man sich mal die Beinarbeit der Profis in Superslowmotion anschaut. Auch die ersten Beispiele im zweiten Video folgen eher diesem Muster. Oft wird auch erst das entferntere Bein herangezogen und genutzt, um das andere Bein in Bewegungsrichtung "zu stoßen". Diese Technik scheint eher aus der asiatischen Ecke zu kommen und wird auch manchmal als "Halbkreuzschritt" bezeichnet. Du kannst ja mal nach dem Begriff googlen. Oft geht diesem Halbkreuzschritt ein kleiner Auftaktschritt voraus. Beispielhaft findest du es hier bei Ma Lin https://www.youtube.com/watch?v=8z6AyEm8G0s.
Die Technik hat den Vorteil, dass man nahtlos zum Kreuzschritt übergehen kann oder man kann z.B. das Setzen des linken Fußes (bei Bewegung nach rechts) nutzen, um die Topspinbewegung nach vorne zu unterstützen und setzt das zweite Bein quasi erst während der Schlagbewegung. Dafür ist es wie Rückhandmonster schreibt, schwieriger permanent tief zu bleiben.

Ich persönlich finde den Halbkreuzschritt koordinativ deutlich leichter als den klassischen Sidestep, möglicherweise aber auch, weil ich es von Kindesbeinen an so gemacht habe. Wie bereits gesagt, hängt es aber sehr stark von deiner persönlichen Präferenz, deinem Bewegungsgefühl, deiner Technik (wie ist das Gewicht am Ende der Schläge verteilt) und der Bewegungsrichtung ab. Es gibt sicherlich auch Spieler, die erfolgreich Technik A für Bewegungen nach links und Technik B für Bewegungen nach rechts nutzen, je nachdem welches Bein bei der momentanen Gewichtsverteilung einfacher zu bewegen ist.

Im zweiten Video wird dann noch der "Sidejump" behandelt. Diese Technik ist etwas moderner und trägt den schnelleren Ballwechseln im Profibereich Rechnung. Wenn man mit beiden Beinen gleichzeitig abspringt und einen Jump macht, kann man sich tendenziell schneller bewegen (und nach Ansicht einiger Trainer auch weiter, was ich aber nicht teile). Allerdings würde ich diese Technik nur empfehlen, wenn man sie lange trainiert hat, am besten von Kindesbeinen an. Wie Jannick Borschel sagt, hat man viel weniger Korrekturmöglichkeiten, es ist kraftintensiver und man braucht ein deutlich besseres Gleichgewicht. Ich z.B. behaupte von mir selbst eine ziemlich gute Beinarbeit zu haben und benutze den Sidejump höchstens unbewusst. Ein Beispiel für einen Spieler, der sehr viel mit Sprüngen arbeitet ist Ryu Seung Min (https://www.youtube.com/watch?v=-npdrAkzpw8). Er macht sehr flache, kleine Sprünge und es ist äußerst schwer zu sehen, ob ein Bein etwas früher bewegt wird als das andere.
Während manche Trainer den Sidejump als moderne Alternative zum Sidestep verstehen (siehe z.B. WTTV), lehrt der Beinarbeitsexperte Liu Liping das z.B. deutlich situationsabhängiger. Sidejumps werden bei ihm nur benutzt, wenn man unter Zeitdruck ist und keine Zeit hat eine volle Topspinbewegung zu machen. Seine Sidejumpbewegung sieht aber auch wiederum ein bisschen anders aus. Beispiel für die Bewegung nach rechts: Er macht einen kleinen Auftaktschritt in Bewegungsrichtung mit dem rechten Bein und springt dann mit beiden Beinen seitlich nach vorne in den Ball. Der Schwung des Sprungs wird genutzt, um die fehlende Gewichtsverlagerung und Körperdrehung auszugleichen, für die man in diesem Moment keine Zeit mehr hat. Ein Beispiel sieht man hier, wenn sich Zhang Jike in die weite VH bewegt, aber keinen Kreuzschritt benutzt (https://www.youtube.com/watch?v=gbmA0WrDlx8). Man sieht auch richtig, wie das auf die Beine geht. Ich habe auch mal Techniktraining aus Baden und der deutschen Nationalmannschaft gesehen, wo das geübt wurde. Ich glaube die Videos sind aber nicht frei im Internet verfügbar.

Auch beim "Kreuzschritt" gibt es wiederum unterschiedliche Philosophien: so wie es im ersten Video gezeigt wird, entspricht es der aktuellen WTTV-Lehre und auch dem neuen Buch von Frank Fürste: das linke, überkreuzende Bein dient als Angelpunkt für eine Körperdrehung in den Ball, sodass der Ball geschlagen wird, wenn das rechte Bein in der Luft ist. Eine andere Philosophie ist es, dass der Ball exakt in dem Moment getroffen wird, indem das linke, überkreuzende Bein den Boden berührt oder sogar noch früher. So habe ich es früher im WTTV gelernt. Dabei nutzt man den Vorwärtsimpuls des Überkreuzens aus. Viele Beispiele für die zweitgenannte Variante finden sich z.B. in diesem Video von Ma Lin https://www.youtube.com/watch?v=B8mN5glwa8Y (z.B. Minute 1:48) oder hier https://www.youtube.com/watch?v=BFpiU-0un1s und hier bei Zhang Jike https://www.youtube.com/watch?v=gbmA0WrDlx8.


Fazit: Es gibt zig Beinarbeitstechniken. Manchmal ist es besser verschiedenes auszuprobieren und deinen Weg zu finden oder erst gar nicht auf die exakte Technik zu achten, sondern einfach zu versuchen schnell zu sein. Dein Gehirn wird schon eine geeignete Lösung finden.

Geändert von Bo5 (27.05.2018 um 19:10 Uhr)
Mit Zitat antworten