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Zitat von martinspin
Hallo Spinshot
Wenn das Thema grössere Resonaz auslösen sollte, können wir ja das Thema noch breiter diskutieren.
Das mit der RH habe ich verstanden. Wieso musst du realistischerweise deinen Anspruch an die RH gegen Null reduzieren?
Gruss
Martin
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Hi,
Flow empfinde ich als Gratwanderung, nicht im negativen Sinn. Es ermöglicht am persönlichen Limit zu spielen. Die Schwankungsbreite darum (um den Grat) ist gering und trotzdem funktioniert es. Meine RH sieht schon so aus als ginge da halbwegs was. Aber wenn ich mal Flow erreiche und spiele einen RH-Ball und es wird ein Fehler, dann ist nicht der Fehler das Problem, sondern dass ich bei manchen Bällen absolut keine Peilung habe wieso der Ball völlig aus meinem Erwartungskorridor gelaufen ist. Es ist ein latentes Kontrollproblem, das sich nicht mit meinem risikofreudigen Spiel erklären lässt. Ich kann es einfach nur sagen. Nur ein einziger solcher Ball, unerklärlich weit aus meinem Erwartungskorridor, ist inzwischen ob des sofort präsenten grundsätzlichen Problems für den Flow der Killer. Für mich ist es eindeutig, dass ich zuerst meine RH diesbezüglich wieder in den Griff bekommen muss, das löst sofort das Problem.
Vielleicht war das missverständlich, wenn ich vorher geschrieben habe, dass geringe technische Fertigkeiten Flow be"un"günstigen.
Mit so einem Problem kann ich keine Ansprüche an meine RH stellen, die "Enttäuschung" ist zu groß. Gelungene offensive Bälle, wobei schon da meine Ansprüche nicht hoch sind, sind lediglich Bonbons. Ich kann das durch Material auf der RH beeinflussen, mit einem Belag kann ich wenigstens den Ball ausreichend verlässlich halten, aber für meine psychische Gesundheit brauche ich den *kontrollierbaren* (agressiven) Punkteschlag. Das ist auch etwas, Flow muss selbstverständlich mit der Psyche laufen, nicht dagegen. Es ist einfach so, ich bin überdurchschnittlich agressiv. Wenn man damit umgehen kann, ist es eine positive Eigenschaft. Deswegen kann ich keine Abwehr spielen, obwohl die durchaus zu meinen besseren technischen Fertigkeiten gehört. Da verrotte ich hinten und kann nichts tun.

Flow-Erlebnisse hatte ich erst, als ich anfing tischnah ziemlich offensiv zu spielen. Im Block kommen dann unglaubliche Bälle zustande und mit der RH konnte ich erstaunlich aufspielen.
Die Folgen sind erheblich. Ich spiele KL vorne, habe aber jetzt mitte - hoch positiv - spielen müssen. Vorher hatte ich in meiner starken Mannschaft (einsamer Tabellenzweiter hinter einer unüblich starken Mannschaft) vorne nur ausgeglichen gespielt. Die verlorenen Spiele (bis auf ein Punktspiel in dem ich wegen einer vortägigen Feier peinlicherweise völlig unbrauchbar war

) im 5.Satz in der Verlängerung verloren. Mit Flow habe ich die Saison ein einziges Mal gegen einen Spieler der Meistermannschaft gespielt, d.h. in einem 5. Satz auf Biegen und Brechen in der Verlängerung die entscheidenden Bälle gemacht. Flow stellte sich erst nach der Mitte des Entscheidungssatzes ein, obwohl es vorher schon ein gutes Spiel war.
Das andere verlor ich wie üblich im 5. Satz.
Flow gibt tagelangen Kick. An manche kann ich mich 10 Jahre später erinnern, das meine ich mit intensiv.

Im Badminton war mir das ein geläufigeres Phänomen. Im TT zu Zeiten des 38er Balles hatte ich ein rundes, verlässliches Spiel und habe Flow so um die vier mal die Saison erlebt (heute spiele ich stärker und habe leider kein rundes Spiel). Man braucht allerdings unbedingt den entsprechenden Gegner! Ich hatte sogar mal einen Trainingspartner (mit dem ich auch Doppel spielte) mit dem war das sogar im Training möglich. Die extreme Forderung ist Voraussetzung. Mit jenem habe ich auch Badminton (-Doppel) gespielt.

Er war von Haus aus Triathlet und konditionell nicht kaputt zu kriegen, während mein Spiel das taktische und präzise Spiel auf die Kondition des Gegners ist. Da lernt man Körper an den verschiedenen Limitierungen fühlen (Spitzenpuls, max. aerober Puls - meine Stärke, Schnellkraft). Das ist vermutlich schon günstig für Flow-Erfahrungen.
Mit den Erwartungen ist das eh so eine Sache, eigentlich sind meine grundsätzlich nicht mehr hoch. Es braucht IMHO keine hohen Erwartungen. Meine VH ist so, dass ich die laufen lassen kann. Ich erwarte nicht, dass die immer läuft, die ist halt eher extrem und damit kann ich umgehen. Die VH ist praktisch ein tischnahes Schmalspurspiel aus harten Spins mit eingestreuten Varianten, Block/Konter/Schuss. Schupfen kann ich kaum mehr außer einem kurzen Ablegen über der Platte. Mein eigentlich immer gutes Blockspiel ist der Anker und sorgt für ausreichende mentale Sicherheit. BTW, Blocken ist zwar wichtig, aber ich trainiere es nicht! Ist irgendwie eine Stärke, die mir sogar wegen meiner früheren Abwehrspielerei erst relativ spät aufgefallen ist. Blocken wurde irgendwann zum Selbstläufer, ich muss es nur noch bei der Belagswahl berücksichtigen.
Meine RH ist dagegen ausgesprochen variabel, aber was ich im Vergleich zum 38er Ball spiele, ist schlicht unterirdisch.
Mehr als meine möglicherweise nicht mal repräsentativen und subjektiven Eindrücke kann ich zum Thema nicht beitragen.
Gruß, Nik