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Alt 14.07.2004, 14:34
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Joachim Voigt Joachim Voigt ist offline
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Joachim Voigt ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Hospitation in der C-Trainerfortbildung

Folgende Stellungnahme des Lehrausschusses wird im nächsten Plopp veröffentlicht:

Zur Neuregelung der C-Trainer-Fortbildung (Hospitation):
Nach dem es an verschiedenen Stellen immer wieder Diskussionen über die
Neuregelung der Fortbildungsverpflichtung für C-Trainer gibt, möchte der
Lehrausschuss die Gelegenheit wahrnehmen und Stellung dazu nehmen. Außerdem
führen wir gerne die Diskussion im Plopp und/oder im Forum des Lehrwesens
weiter.

Uns ist klar, dass eine derartige Neuregelung immer Befürworter und Kritiker
hat. Auch wir haben viele Punkte im Lehrausschuss durchaus kontrovers
diskutiert. Jede Veränderung bringt immer auch Nachteile für Einzelne. Das
ist uns durchaus klar. Es galt also, die Vorteile gegen die Nachteile
gegeneinander abzuwägen. Dies ist geschehen und brachte die nun vereinbarte
Neuregelung.

Derzeit entzündet sich viel Kritik an Ahnungen und Spekulationen um den
problemlosen Ablauf und um die Anzahl der Mentoren. Dazu ist zunächst
anzumerken, dass es bisher noch keine konkreten Probleme gab. Auch im
Lehrausschuss haben wir uns Gedanken über die nötige Anzahl an Mentoren
gemacht. Wir haben derzeit etwa 600 lizenzierte C-Trainer in Hessen. Daraus
ergeben sich etwa 150 Hospitationskandidaten pro Jahr (4jährige Gültigkeit
der C-Lizenz) und damit etwa 600 Hopsitationstermine pro Jahr. Als
Zielsetzung galt daher etwa 50-60 Mentoren zu finden. Diese Zahl haben wir
bereits jetzt annähernd erreicht. Somit hat statistisch gesehen jeder Mentor
etwa 10-12 Hospitationstermine pro Jahr zu realisieren. Eine durchaus
machbare Anzahl. Zumal nicht wenige der Mentoren nahezu täglich Training
geben und daher eine Vielzahl von Terminen anbieten können. Dazu kommen noch
die Hospitationsmöglichkeiten bei Lehrgängen. Hier kann kompakt der
Hospitationsverpflichtung nachgekommen werden. Die Hospitation kann dabei in
einem Vereinstraining oder in einen Stützpunkt (KLZ, BLZ, LLZ) durchgeführt
werden. Entscheident ist hier allein die Absprache (Zeit, Ort, Gruppe) mit
dem Mentor.

Der zeitliche Aufwand für die Hospitation wird auch immer wieder als
unzumutbar oder zumindest als große Belastung beschrieben. Dabei reden wir
über 4 Trainingseinheiten in 4 Jahren, also im Schnitt 1 Abend pro Jahr. Bei
einer durchschnittlichen Dauer einer Trainingseinheit von 2 Stunden. Im
Gegenzug entfällt die Verpflichtung zum Besuch einer
Fortbildungsveranstaltung mit einer Dauer von 8 UE.

Die Fortbildungsverpflichtung für C-Trainer ist nicht neu und am
Gesamtumfang haben wir nichts Grundlegendes geändert, lediglich den Ablauf
und die Inhalte.

Viele Befürchtungen beziehen sich auf die Anzahl der Mentoren. Neben der
reinen Anzahl an Mentoren ist natürlich auch deren räumliche Verteilung
wichtig. 60 Mentoren z.B. nur im Süden Hessens wären keineswegs
befriedigend. Doch zum jetzigen Zeitpunkt zeichnet sich eine gute
Flächendeckung ab. Dass es dabei "weiße Flecken" auf der Landkarte gibt, ist
unvermeidbar. Dies war aber auch schon in ähnlicher Form bei den
Fortbildungen so. Auch bei den bisherigen Fortbildungen mussten in den
strukturschwächeren Gebieten regelmässig Angebote wegen Teilnehmermangels
abgesagt werden. Die Hospitationen erlauben es nun, vor Ort Maßnahmen zu
veranstalten, bei denen eine Fortbildung auch für wenige Trainer möglich
ist. In diesem Punkt sind die Trainer in den entsprechenden Gegenden also in
einer besseren Situation als bisher, da sie nicht mehr auf das
Zustandekommen einer grossen Fortbildungsveranstaltung angewiesen sind,
sondern selbst eine ortsnahe Hospitationsmaßnahme organisieren können. In
allen Bezirken gibt es Mentoren und damit die Möglichkeit einer Hospitation
im eigenen Gebiet. Von unzumutbar langen Anfahrtswegen kann deshalb
genausowenig die Rede sein wie von einem Run auf die wenigen Mentoren, die
dann ihr eigenes Training nicht mehr durchführen können. Alternativ besteht
für die Trainer/innen aus kleinen Kreisen die Möglichkeit, mit einer
weiteren Anreise und gleichzeitigem geringeren Organisationsaufwand (Planung
einer Maßnahme vor Ort) trotzdem zu hospitieren. In Bezug auf die Termine
gibt es bei der Hospitation mehr Flexibilität. Eine Hospitation lässt sich
auch noch in letzter Minute, also kurz vor dem Ablauf der Lizenz,
organisieren. Bei den Fortbildungsterminen war und ist das so nicht möglich.

Die Notwendigkeit, ein Protokoll über die Hospitation zu erstellen, ergibt
sich von selbst. Schließlich ist dies, im Gegensatz zu einer "herkömmlichen"
Fortbildungsveranstaltung, der Nachweis über die abgeleistete
Fortbildungsverpflichtung. Die Erstellung eines Protokolls ist keine
Zumutung, sondern eine Notwendigkeit. Trainingsgruppe, Ort und Zeitraum
sowie Inhalte und Abläufe zu notieren, ist in wenigen Minuten erledigt und
gehört zum normalen Handwerkzeug eines systematisch arbeitenden Trainers.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verpflichtung zur Hospitation. Sicherlich
hätte eine freiwillige Hospitation keine Kritik hervorgerufen. Es wäre dann
nur eine zusätzliche Möglichkeit mehr gewesen, seinen
Fortbildungsverpflichtungen nachzukommen. Genau dies war und ist aber nicht
die Intention des Lehrausschusses. Die Hospitation ist die praxisnaheste
Form der Fortbildung. Bei der Hospitation kann sich jeder C-Trainer
individuelle Schwerpunkte suchen, jeder Mentor individuelle Schwerpunkte
setzen. Auf diese Art ist ein echter und individueller Wissensgewinn für den
Hospitanten möglich - sofern die Bereitschaft dazu da ist. Es werden
praxisrelevante Dinge behandelt und erlernt. Der bei Fortbildungen immer
wieder geäusserten Kritik "Das ist doch alles reine Theorie. Die Praxis bei
mir im Verein sieht doch ganz anders aus." wird hier voll Rechnung getragen.
Es handelt sich um Praxis pur. Die Trainer/innen können vom langjährigen
Erfahrungsschatz eines anderen Trainers profitieren.

Die C-Trainer-Lizenz steht am Ende einer umfangreichen Trainerausbildung,
für die der DSB und DTTB anspruchsvolle Vorgaben gemacht haben. Durch diese
Ausbildung sollen Trainer/innen in die Lage versetzen, hochwertiges Training
für Beiten- und/oder Leistungssport anbieten

zu können. Auf Grund dieses Qualitätsanspruches gibt es auch eine Förderung
der durch die Anstellung eines lizensierten Trainers entstehenden
Honorarkosten.

Ein lizensierter Trainer hat ein umfangreiches Wissen in einer Prüfung unter
Beweis zu stellen und dieses Wissen durch regelmässige Fortbildungen auf den
neusten Stand zu bringen. Daraus ergibt sich auch die Anforderung an die
Fortbildung: Sie soll die Qualität des Trainers und des von ihm angebotenen
Trainings immer weiter verbessern. Dieses Ziel wird nach Meinung des
Lehrausschusses durch eine bloße

theoretische Fortbildung nur zum Teil erfüllt. Genau hier setzt die Idee der
Hospitation an. Und genau hier liegt der Grund für die Verpflichtung zur
Hospitation. Um einen möglichst gleichen Standard flächendeckend zu
erreichen, ist eine einheitliche hessenweite Regelung notwendig.

Die Kosten der Hospitation hat der Lehrausschuss analog den Kosten für die
Hospitation im Rahmen der B-Trainer-Fortbildung festgelegt. Auch bei der
Hospitation entstehen dem HTTV Kosten. Diese sind zum einen in einem
größeren administrativen Aufwand begründet, zum anderen ist eine
Aufwandsentschädigung für den Mentor in Vorbereitung, da dieser auch einen
zusätzlichen Aufwand durch die Betreuung des Hospitanten hat (hier sind u.a.
zu nennen: Vorbereitung & Planung, Bericht an den LA). Eine Nachkalkulation
der Kosten für die Hospitation im Rahmen der C-Trainer-Fortbildung wird aber
durchgeführt werden. Wir prüfen, ob eine Reduzierung der Kosten unter den
genannten Bedingungen möglich ist.

Das Argument, dass der Hospitant seine Tätigkeit dem Verein (KLZ, BLZ,...)
unentgeltlich zur Verfügung stellt und damit ein Vorteil für den Verein
entsteht, kann so nicht stehen bleiben. Bei einem Training mit einem
Hospitanten hat der Mentor (und Trainer des Vereins) zusätzliche Aufgaben,
so dass für die eigentliche Aufgabe, das Vereins- oder Stützpunkttraining,
weniger Zeit und Konzentration zur Verfügung steht. So mag es für den einen
Verein im Einzelfall ein Vorteil sein, wenn ein Hospitant anwesend ist, es
kann aber auch ein Nachteil sein. In der Regel wird es wohl zu keiner
signifikanten Qualitätsänderung des Trainings kommen.

Zum derzeitigen Zeitpunkt sehen wir daher keinen Handlungsbedarf im Hinblick
auf die Hospitation in der C-Trainer-Fortbildung. Lediglich die Suche nach
weiteren Mentoren und die Überprüfung der Kosten, um eine Kostenreduzierung
für die Teilnehmer zu erzielen, stehen derzeit auf der Tagesordnung. Wenn es
einzelne Härtefälle gibt, werden wir im Lehrausschuss immer ein offenes Ohr
haben und gemeinsam mit den betroffenen Trainer/innen nach einer Lösung
suchen. Wir erwarten allerdings durchaus eine gewisse Eigeninitiative,
Flexibilität und Kreativität, denn dies sind auch die Eigenschaften, die in
der Halle und im Konkurrenzkampf mit den vielfältigen anderen
Freizeitangeboten in unserem Land permanent gefordert sind.

Als grundsätzliches Angebot möchte ich engagierten Trainerkolleginnen
und -kollegen und den Kreisjugendlehrwarten das Angebot machen, lokale
Trainertreffen zu organisieren, zu denen ein Mitglied des Lehrausschusses,
eine rechtzeitige Terminabsprache vorausgesetzt, kommen wird. Wir werden
gerne zu allen Themen aus dem Lehrwesen Stellung nehmen und diskutiert auch
gerne mit den anwesenden Trainern. Selbstverständlich kann im Rahmen eines
solchen Trainertreffens auch die Hospitation ein Thema sein.

Joachim Voigt
Beisitzer Lehrausschuss
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