Da muss man ja ein paar Sachen trennen.
1. Die Situation der Menschen hier.
Ich finde das von dir beschriebene Problem genauso tragisch. Aber das ist eine komplett andere Baustelle, die gibt es ja jetzt schon eine ganze Weile länger. Müsste eine linke Partei, die diesen Namen verdient, mal anpacken, denn das ist eigentlich der Job des linken Flügels. Wer das mit der Einwanderung verbindet, hat den Schuss nicht gehört.
Die Situation eines Arbeitslosen hier mit der Situation von perspektivlosen Jugendlichen aus Darfur, dem Hindukusch oder den ländlichen Regionen Eritreas und Somalias zu vergleichen ist mir übrigens etwas zu zynisch.
2. Asyl
Wir haben aktuell die höchste Zahl an Flüchtlingen unterwegs, die es auf der Welt je gab. Davon sind viele auch Binnenflüchtlinge, und der allergrößte Anteil sucht tatsächlich nach Alternativen in der näheren Umgebung. Oft sind diese aber sehr begrenzt, da angrenzende Länder auch schon arm sind.
In Libyen werden Flüchtlinge in Lagern gefoltert und vergewaltigt. Auch in anderen Ländern findet Ausbeutung von Menschen in Notsituationen statt.
Aus meiner Sicht ist der Punkt gekommen, an dem der globale Norden versuchen muss, den Geist wieder in die Flasche zu bekommen, den sie in zahlreichen Jahrhunderten der Ausbeutung des globalen Südens herausgelassen haben. Mit Abschottung oder "Entwicklungshilfe" in der bisherigen Form, wird das schwierig. Die Abschottung ist eine Bankrotterklärung unserer Werte, denn durch die große Beschleunigung und die Globalisierung war es nie so einfach wie heute, Werte zu exportieren - insbesondere durch hybride Gesellschaften.
Dass wir verfolgte Flüchtlinge als EU aufnehmen müssen, stellt hoffentlich keiner ernsthaft in Frage?
3. Einwanderung
Richtig, die muss stärker gesteuert werden. Es ist halt doch ein Armutszeugnis, wenn sachlich korrekt abgelehnte Asylbewerber nicht zurückgeführt werden können, weil die Diplomaten kein Rücknahmeabkommen hinbekommen haben.
Gleichzeitig ist es traurig, dass wir zahlreiche offene Ausbildungsstellen haben, großen Bedarf im Pflegebereich etc., und gleichzeitig auch etliche Leute, die gerne
irgendwas arbeiten würden, aber aus bürokratischen Gründen nicht dürfen. Also braucht es ein Gesetz für legale Einwanderung, Stellen, die über die Botschaften ausgeschrieben werden.
Ich habe auch nicht auf alles eine Antwort. Zum Beispiel ärgert mich massiv die Situation im Mittelmeer, dass Menschen sich ständig großen Gefahren aussetzen und viel Geld dafür bezahlen, dass sie in löchrigen Booten aufs Meer geschickt werden. Da gerate ich an die Grenzen meines Verständnisses, wie schlimm die Situation für die Flüchtlinge in ihrer Heimat sein muss. Ich halte es für eine ganz schlechte Lösung, die Boote wenige km von der Küste entfernt aufzugreifen, und sie dann nach Europa zu bringen - das nutzen die Schlepper natürlich. Und es sterben trotzdem nicht weniger Leute, weil dann die ältesten und ranzigsten Kutter verwendet werden.
Da kann ich den Leuten auch gleich in der Botschaft russisch Roulette vorschlagen. Wer überlebt, kriegt nen Flug nach Deutschland
Nur: Was kann man dagegen tun?
Das Beispiel USA zeigt leider: Eine Grenze kann noch so teuer und aufwendig geschützt sein, wo ein Wille ist, da ist ein Weg.
Dann nehmen wir halt das Geld, bauen Schulen und Unis nach westlichem Vorbild in Afrika auf. Fördern Startups und schulen Lehrer für bessere Ausbildungssysteme - zweckgebundene Gelder sind das Stichwort. Und ermöglichen letztlich legale Einreisewege.
Vielleicht einfach mal ein paar von den Cops, die gegen Parksünder eingesetzt werden, auf Bildungsreise an die libysche Küste schicken. Führerschein und Fahrzeugpapiere der Schlepper mal genau unter die Lupe nehmen... ´
Um deine Frage zu beantworten: Ich kann die Sorgen und Ängste der Menschen hier auf einer gewissen Ebene nachvollziehen. Unser Gesellschaftsverständnis sagt klar, dass die Politik die existenziellen Sorgen der Bürger einschränken soll. Ich denke, in spätestens 15-20 Jahren wird eine neu gegründete Partei, die eine moderne sozialdemokratische Politik nur unter anderem Namen betreibt und die SPD ablöst, ein Grundeinkommen von mindestens 500€ in Deutschland einführen. Grundrente bis dahin 1000€. Dann sollte keiner mehr aufs Flaschensammeln angewiesen sein...