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Zitat von Power-Seven
Aber dem ganzen Thema "Verein/Mannschaft" fehlen heute leider eh viele Argumente.
Nehmen wir mal 5 bis 6 junge Leute an, die auf dem Schulhof auf dem Steintisch spielen. Spaß an TT haben die, augenscheinlich sogar mehr als manche Kreisklässler, die weitaus ernster, dabei aber spielerisch nicht erkennbar viel besser zu Werke gehen.
Jetzt sagst du: Kommt doch rein in die Halle, da könnt ihr auch/"richtig" spielen?
Die fragen "wieso" und die Antwort ist schwierig.
"Da habt ihr tolle Kameradschaft." zieht jedenfalls nicht: "Haben wir hier auch, sind doch zu fünft."
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Guter Punkt!
Für mich ist da die Antwort:
Wer im Verein spielen will, sollte im Idealfall Spaß am Lernen (als Wissens- und Fähigkeitserwerb, aber auch als sozialem Prozess) und an der sportlichen Leistung (egal auf welchem Niveau) an sich haben.
Die Erfahrung der Leistungssteigerung ist etwas, was auch in andere Lebensbereiche ausstrahlen kann. Wenn ich mich darauf konzentriere, wie ich mich im Vergleich zu mir selber verbessere, bekomme ich mit der Zeit eine hohe Selbstwirksamkeitserfahrung - oder auf Deutsch: das Selbstvertrauen steigt.
Gleichzeitig geben mir die Ergebnisse aus den Spielen auch realistische Rückmeldungen über meine Fortschritte, bzw. meinen aktuellen Leistungsstand. Das kann sehr motivierend wirken.
Voraussetzung ist dafür aber immer, dass in einem Verein sensibel mit den Zielen der einzelnen Spieler umgegangen wird. Wenn jemand mit 60 oder 70 nur noch spielen will, ist das durchaus legitim. Und da werden dann oft auch andere Prioritäten gesetzt. Aber nicht von allen
Komisch wirds halt dann, wenn man viele junge Spieler (18-50) hat, die keine Leistungsmotivation aufbringen.
Da ist der Verein und der Sport insgesamt gefragt, mit entsprechenden Trainingsangeboten. Und zwar nicht bloß für die Kids, sondern auch für die Herren. Breitensport heißt ja nicht, dass man Leistungssteigerung nicht unterstützen soll.
Wer die Förderung der Leistungssteigerung unter den Tisch fallen lässt (und das sehe ich bei vielen Vereinen!), der wird die 5 Steinplattenklickerer nicht locken können.
Um wieder den Bogen zu schlagen:
Wir reden hier eigentlich über Symptome, die das ursprüngliche Problem nicht bekämpfen.
Viele Vereine unterstützen diejenigen, die Spaß an der Leistung haben, zu wenig.
Wenn auf der Basis eines gemeinsamen Trainings (statt nebeneinander herspielen) Leistungssteigerung ermöglicht wird, dann fängt man auch die scheinbaren "Egos" teilweise wieder ein. Viele von den Race-Leuten haben einfach richtig Bock, im TT besser zu werden. Das sind oft die gleichen, die in verschiedenen Vereinen trainieren, die daheim im Keller mit dem Roboter trainieren und sich Tipps online abholen.
Die muss man auch abgrenzen von denen, die prinzipiell wenig Bock auf soziale Kontakte haben.
Genauso gibts welche, die 6er spielen wollen, weil sie den TT-Anteil möglichst klein halten wollen. Und 6er-Befürworter, die es aus tt-sozialen Gründen (Coaching/Anfeuern) gerne so haben.
Aber:
Spaß an der individuellen Leistungssteigerung muss nicht unsozial sein! Mir macht beides Spaß, Race-Turniere und Coaching. Systemtraining und Bier danach.
Durch ein Festklammern an altbewährten Spielsystemen kann man halt nicht auf gesellschaftliche Tendenzen eingehen. Ignorieren ist jetzt gut für euch, weil ihr euch nicht ändern müsst. Aber ist es für das Tischtennis langfristig hilfreich?