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Alt 16.07.2004, 23:39
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AW: chinesisches beinarbeitssystem

Hallo meteora

Zitat:
Zitat von meteora
das chinesische system ist das was dir unter martinspin unter dem punkt beinarbeit als halbkreuzschritt bzw. als kreuzschritt beschrieben hat
nur das seiner meinung nach sich diese beinarbeit nur für ganz bestimmte situationen eignet. wenn man sich jedoch die chinesen betrachtet erlaufen sie jeden vorhandball mit diesen techniken

bei dieser beinarbeit liegt mehr gewichtung auf Hüftdrehung, weswegen die ausholbewegung der chinesen auch wesentlich kürzer ausfällt, da sie den schwung für den schlag aus der hüftdrehung holen
Du sprichst mir voll aus dem Herzen!

Machst du bei uns an einem Lehrgang mit, so heisst es meistens, dass du sicher stehen sollst, bevor du den TS ziehen kannst. Mein Gefühl sagt mir jedoch, dass es besser wäre, die Beinarbeit mit der Ganzkörperbewegung abzustimmen, so quasi aus einem Guss. Ich mache mir immer wieder Gedanken über die optimale Beinarbeit, seitliche Drehung der Hüfte und Schlagbewegung. Dazu gibt es diese interessante A-Lizenz-Hausarbeit von Markus Teichert. Dieser hat festgestellt, dass viele Profis (nicht nur die Chinesen) den Halbkreuzschritt als wichtigste Technik der Beinarbeit verwenden.


Ursprünglich sind die Chinesen Penholderspieler und als solche sehr angewiesen auf eine perfekte Beinarbeit. Mich wundert heute noch, warum die Profis die Chinesen selten in der weiten VH anspielen. Irgenwie scheinen alle zu wissen, dass die unheimlich schnell auf den Beinen sind und nur darauf warten, mit der VH zu punkten. Wie dem auch sei...

Der Tenor unter den hiesigen fortschrittlichen Trainern ist ein Minimum an Bewegung. Am liebsten aus dem breitbeinigen Stand und nur noch mit Handgelenkeinsatz. Das Handgelenk bringt laut einer wissenschaftlichen Studie eh am Meisten für die Rotation und die Beschleunigung. Der Rest der Körperbewegung soll auf ein Minimum reduziert werden, ansonst droht Zeitverlust. Passt doch irgenwie zu unserer europäischen Kultur: Nie genug Zeit und als Folge davon Stress.

Wenn dem so ist, fragt sich einfach, wieso ein Spieler wie Kreanga, der extrem den ganzen Körper einsetzt, trotzdem immer wieder genügend Zeit hat für seine VH/RH-Topspin-Schwinger. Laut Lehrmeinung sollte das absolut unökonomisch und eher unmöglich sein. Wie dem auch sei...

Der grosse Vorteil des Halbkreuzschrittes (moderner Sidestep) ist doch der, dass während der Gewichtsverlagerung nach aussen bereits die Ausholbewegung des Schlagarms und der Hüfte stattfinden kann. Mit dem Auftreten auf dem überkeuzenden Bein findet bereits die Schlagphase statt.

Beim Ausfallschritt zur Seite landet das Gewicht des Körpers zuerst auf dem äussern Bein und erst dann kann die Bewegung vollzogen werden und auf dem andern Bein enden. Die Schlag- und Hüftbewegung läuft so nie und nimmer synchron mit der Beinarbeit, weil das einfach zu lange dauert.

Persönlich bin ich froh, dass meteora dieses Thema aufgreift, denn ich bin der Meinung, dass wir hier in Europa ein riesen Defizit bezüglich einer Ganzkörperbewegung haben.

Schauen wir uns doch mal die klassische chinesische Medizin oder z.B. den Taoismus an: Immer ist geht es ums Gleichgewicht zwischen den "männlichen" und "weiblichen" Kräften und dem Fluss, der entsteht, wenn die Kräfte im Gleichgewicht stehen. Chinesische Kultur heisst für mich auch immer Ganzheitlichkeit. Die Europäer als analytische Kultur wirken der Ganzheitlichkeit entgegen, denn sie trennen zu stark mit dem Kopf und dem Intellekt. Trennen heisst hier natürlich auch zwischen Schlagarmbewegung und Beinarbeit.

Ich erachte es schon als erstrebenswert (egal ob TT oder irgend einen andern Aspekt des Leben), zu einer gewissen Ganzheitlichkeit zurückzufinden.

Dazu gehört halt auch, die Bewegung des Schlagarm, des Rumpfes und der Beine in Einklang zu bringen. Daran müssen wir jedoch noch intensiv arbeiten. Konsequent den Halbkreuzschritt mit der Hüftbewegung und dem gleichzeitigen Schlag zu trainineren und anzuwenden, wäre ein Schritt. (... zurück ins Paradies, aus dem wir ja bekanntlich ausgestossen wurden) in die richtige Richtung.

Gruss
Martin

PS Wem das alles zu esoterisch ist, gebe ich zu bedenken, dass die Chinesen auf eine jahrtausend alte Tradition zurückgreifen, die sich immer noch bewährt, was wir auch an den Leistungen erkennen können. Diejenigen unter uns, die den Erfolg der Chinesen nur mit extremen Ehrgeiz erklären können, verstehen einfach zu wenig von der chinesischen Kultur.

Laotse spricht im "Tao-te ching"

Auf der ganzen Welt gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser. Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt, kommt nichts ihm gleich. Es kann durch nichts verändert werden. Daß Schwaches das Starke besiegt und Weiches das Harte besiegt, weiß jedermann auf Erden, aber niemand vermag danach zu handeln.
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TIBHAR Superdefense 40 0.9 mm | STIGMA Fliesberg | NITTAKU Super DO Knuckle OX

Geändert von martinspin (17.07.2004 um 08:58 Uhr)
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