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Zitat von Armendariz
Bei uns im Training hat es zwei Einwandererkinder, die nicht aus dem arabischen Raum kommen. Der eine spricht annähernd perfektes Deutsch, der andere hat noch größere Verständigungsprobleme.
Sind zwei supernette Jungs, kleben aber viel aufeinander. Im Interesse des zweiten habe ich aber irgendwann die Regel eingeführt, dass ab der Eingangstür Deutsch gesprochen werden soll.
Es ist aber nicht so einfach, wie man denkt. Und wenn man sich umdreht, rutschen die beiden schnell wieder in die Muttersprache zurück.
Ob das jetzt in guten Freundschaften oder bei Paaren ist: Wenn man eine andere Sprache als die Muttersprache spricht, gehen viele Bedeutungsinhalte verloren. Man kann sich nicht so nuanciert ausdrücken, wirkt insgesamt dümmer. Das ist eine unangenehme Situation - vor allem in Kontexten, in denen man sich eigentlich entspannen soll und will (eigene Erfahrung, wobei ich sehr früh darauf konditioniert worden bin, die eigene Muttersprache zu "vergessen", wenn ich in einem anderen Land bin).
Ich finde es gut, wenn die Motivation da ist, in möglichst vielen Situationen Deutsch zu reden.
Aber auch da:
Wenn ich Deutsch vorschreibe, dann macht das die Sprache nicht beliebter. Intrinsische Motivation ist ein wichtiger Faktor beim Fremdsprachenlernen.
Dann lieber andere Anreize: Deutschförderkurse, die im Zeugnis positiv erwähnt werden. Bei Migrantenkindern, die erst seit kurzem in D. sind natürlich anstelle von Deutsch (als Unterrichtsfach). Ist ja auch bereits Realität.
Und wenn ich Herkunftssprachen als Staat nicht wertschätze, geht viel Kompetenz verloren. Stichwort "doppelte Halbsprachigkeit". Wir wollen später mal kompetente Übersetzer, Touristik-Angestellte, Wirtschaftler und Sprachlehrer im Land haben. Außerdem sollte man grundsätzlich Auslandskarrieren nicht verbauen.
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Das eine schließt das andere doch nicht aus. Um aber hier einen guten Abschluss zu erlangen ist das perfekte Beherrschen der Sprache essentiell.
Stell dir einfach mal vor die beiden Kinder würden statt bei dir in einem arabischen Fussballverein spielen...
Wo sollen sie die Sprache frei lernen wenn nicht in der Freizeit?
Viele Kinder haben es schwer. Die werden hier in der dritten Generation geboren, zuhause wird nur türkisch gesprochen, in der Freizeit ist man nur unter sich, spielt Fussball im örtlichen Türkenklub, im "Kulturverein" spricht man auch nur türkisch.
Da entwickelt sich im Kindesalter eine Distanz und ein Freundeskreis, was schwer durch die Schule auszugleichen ist.
Im TT Verein "müssen" sie dann Deutsch sprechen. Ein sanfter Druck ist hier gar nicht verkehrt.
In meinem Bekanntenkreis erziehen die gebildeten und assimilierten "Ausländer " ihre Kinder fast durchweg zweisprachig. Deutsch ist in der Regel die Hauptsprache, die Sprache ihrer Eltern oder des betreffenden Elternteils wird mehr mündlich beherrscht. Oft auch, damit sie mit Oma und Opa kommunizieren können.
Bei den "Nichtintegrierten" ist das anders. Das Ergebnis ist dann, dass die Kinder beide Sprachen nicht richtig lernen.
Da müsste schon im Kindergarten viel mehr Sprachunterricht stattfinden.