Ich weiß nicht, wie viele Jahre das her ist. Aber seit den 60ern/70ern/80ern gab es einen Schwenk in der Auffassung dazu, wie Wissen und Kompetenzen am besten vermittelt werden können. Wo man früher noch der Meinung war, dass man nur so oft wie möglich die Bewegungen üben und rückmelden muss, bis sie passen (was nicht ganz falsch ist, aber auch nicht die ganze Wahrheit), gibt es heute ein paar andere Grundprinzipien.
Zum Beispiel:
- Man sollte an den individuellen Fähigkeiten und dem Vorwissen aufbauen, bzw auf der motorischen Entwicklungsstufe. Man kann sich Tischtennis vorstellen wie einen hohen Kirchturm, der auf verschiedenen Pfeilern aufgebaut ist - die Koordination umfasst einige davon. Wenn ich das Dach bauen will (z.B. "Schupfen in der Spielsituation"), dann ist es einfacher, erstmal unten mit dem Bauen anzufangen. Ich gebe also dem Kind das Baumaterial (Übungen, die seinem Niveau angemessen sind), und versuche, es zu seiner Nutzung zu motivieren. Dabei kann die Arbeit schon auch mal zwischendurch ruhen
- Motivation ist ein wichtiger Punkt - Kinder brauchen viele Erfolgserlebnisse. Besonders bei deiner Altersgruppe fängt es langsam an, dass die Kids ein Konzept von "Leistung" vermittelt bekommen - der ungebrochene, kindliche Optimismus tritt zurück, was auch zu Minderwertigkeitsgefühlen und Leistungsdruck (von innen und außen) führen kann. Da tut die Wertschätzung vom Trainer (auch unabhängig von Leistung) gut.
- auch Modelllernen ist ein Punkt: Kinder lernen noch mehr über das Nachmachen als über abstrakte Erklärungen. Deshalb bringt es da auch viel, wenn ein Trainer selber mit den Kids spielt. Weil man als Trainer Vorbild ist, ist es immer auch eine gute Gelegenheit, sich selbst zu hinterfragen
- Auch Themen wie Aufmerksamkeit (in dem Alter ist die Konzentrationsspanne bei etwa 15-20 Minuten) und soziale Aspekte sind heute mehr im Mittelpunkt angekommen.
Am wichtigsten finde ich aber, dass das unsägliche Bild eines Trainers/Lehrers, der als Diktator vorgefertigtes Wissen in die Kinder einfüllt, die es genau so zu reproduzieren haben, endlich der Vergangenheit angehört.
Ich merke deutlich den Unterschied, wenn ich an manchen Tagen müde, schlecht vorbereitet oder schlecht gelaunt bin und die Einheit bloß "durchziehe", oder mir im Vorfeld Gedanken mache, wie ich das Training zusammen mit den Kids individuell gestalte. Dann machts allen mehr Spaß
