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AW: Nachwuchsarbeit in Deutschland und Europa, Probleme im Trainerbereich und allgeme
Hallo zusammen,
jetzt greife ich auch mal ein paar Gedanken auf und gebe meinen Senf dazu.
Ich halte es ebenfalls für ganz wichtig, dass frühzeitig gesichtet und gefördertwird. Allerdings sehe ich die Zentralisierung (auch wenn ich verstehe, warum sie bspw. im BTTV in Form des Leistungszentrums München vorangetrieben wird) und Vereinheitlichung bei der Föderung zweischneidig. Aktuell können sich vor allem 2 „Spielertypen“ in den Vordergrund spielen: Die Kinder guter bzw. ehemals guter Spieler und Spieler, die in den Tischtennis Hochburgen/Großvereinen spielen. Das also offensichtlich eine Menge Potenzial auf der Strecke bleibt, liegt schon statistisch auf der Hand. Der Trend, dass die Talente im kleinen Verein keine Chance haben, wird durch die oben genannten Entwicklungen unterstützt, da Förderung nur da ansetzt wo die Rahmenbedingungen für passend gehalten werden (Vereinheitlichung) und damit oftmals nur mit großer Wegstrecke zu erreichen sind (Zentralisierung). Dabei spricht nichts gegen Leistungszentren; nichts dagegen das Potenzial der größeren Vereine (bspw. Trainer oder Sparringspartner etc.) zu nutzen. Allerdings sollte nicht die strukturstarke gegen die strukturschwache Region ausgespielt werden; bspw. um die Teilnahme an der zentralen Fördermaßnahme zu erzwingen.
Aus meiner Sicht sollten die zentralen Förderungen durch mehr dezentrale Stützpunkte ergänzt werden. Diese können bei den Toptalenten vielleicht nicht den ganzen Weg der Entwicklung mitmachen, aber sie können den zentralen Angeboten zuarbeiten. Dabei muss natürlich darauf Rücksicht genommen werden, dass vor Ort vielleicht nicht nur perfekte Voraussetzungen vorhanden sind. Aber da es verschiedene Wege gibt, ein erfolgreicher Tischtennis Spieler zu werden, sollten Fördermaßnahmen auch individuell auf die Gegebenheiten reagieren können; damit Potenziale realisiert werden und Nachteile ausgeglichen werden können.
Um aber den Bogen auf die aktuelle JEM zu schließen: Die oben geäußerten Gedanken habe ich mir ja bereits vor der Em gemacht und ich würde sie auch nicht in einen Zusammenhang mit der Medaillendifferenz der letzten beiden JEMs bringen wollen. Schlicht und einfach, weil ich ein schwächeres Abschneiden wie dieses Jahr nicht überbewerten würde. Wir hatten dieses Jahr viele dabei, die noch nicht zum ältesten Jahrgang ihrer Altersklasse zählten; das hat sicherlich mit reingespielt.
Spielerisch fällt mir mit meiner bescheidenen Trainermeinung nur folgendes auf: Aus meiner Sicht geht der Trend im Topsport immer mehr dazu über ein starkes Rückschlagspiel die Ballwechsel zu dominieren, bspw. bei Ma Long und Xu Xin über hochqualitative kurze Rückschläge, bei Fan Zhendong, Harimoto über eine extrem druckvolle RH Banane, bei Boll über sehr gute Platzierung und Variation beim Rückschlag etc. . Dieser Trend wurde duch den die Aufschläge entschärfenden Plastikball noch einmal forciert. Ich sehe bei unseren Nachwuchshoffnungen oft noch die Herangehensweise den Aufschlag „erstmal reinzuspielen“ und sich dann im Ballwechsel zu beweisen. So wird dann die RH-Banane oft erstmal sicher „angezupft“, der Schupf ist nicht so giftig wie er sein könnte, der Eröffnungstopspin auf den halblangen Aufschlag auch maximal bezüglich Spin gefährlich, aber nicht bezüglich Tempo oder Platzierung. Ich will das auch gar nicht verteufeln, wenn man sich bezüglich eines gegnerischen Aufschlags nicht sicher ist, ist das die richtige Herangehensweise. Mir wird das teilweise aber etwas zu „dogmatisch“ durchgezogen; ein bisschen mehr Mut zum Risiko oder Mut zur Qualität würde ich mir da im AS-RS Spiel wünschen.
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