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Alt 18.08.2018, 08:18
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Zitat:
Zitat von vossi39 Beitrag anzeigen
Das spielt doch überhaupt keine Rolle. Welcher Schiedrichter wann und wo über irgendwelche Aufschläge befunden hat. Das hier und jetzt hat ein Schiedsrichter zu beurteilen.
Naja, es spielt insofern eine Rolle, als dass Ma Long eben aufgrund früherer Erfahrungen genau weiß, dass die Wurfhöhe seiner Aufschläge von einigen Schiedsrichtern geahndet wird. Wenn er dann bei 11:11 einen eben solchen Aufschlag macht, ist dies in meinen Augen eine bewusste, strategische Regelverletzung von ihm. Daher sehe ich erstens den Schiedsrichter noch stärker in der Pflicht, einzugreifen, und zweitens habe ich deswegen auch kein Mitgefühl für Ma Long (siehe unten).


Zitat:
Zitat von vossi39 Beitrag anzeigen
Ich tue nicht nur so, das ist quasi die Pflicht eines Schiedsrichters. Jeden "Einzelfall" für sich zu beurteilen und keine "Vorverurteilung" im Vorfeld zu betreiben (Stichwort bei Richtern, wäre Befangenheit)
Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema. Wo ist die Grenze zwischen Vorverurteilung und dem konsequenten Bestrafen von Wiederholungstätern? Ich würde im Falle von Ma Long eher von Letzterem sprechen, aber wenn man darauf auf ist, könnte man dem Schiedsrichter auch Ersteres unterstellen. Für uns als Unbeteiligte ist das natürlich nicht zu klären.


Zitat:
Zitat von vossi39 Beitrag anzeigen
Die Schiedrichter haben die Aufgabe ein Spiel zu leiten und dafür zu sorgen, dass eine faire Partie ausgetragen wird. Dafür stehen ihnen Regeln zur Seite, deren Auslegung sie für jeden Einzelfall zu prüfen haben, unabhängig von der Vorgeschichte. Und genau daran scheitern viele Schiedsrichter. Das unterscheidet dann auch die guten von den mittelmäßigen Spielleitern.

In diesem konkreten Fall hätte der Schiedsrichter abwägen müssen zwischen dem Nachteil der Pitchford entstanden sein könnte (=NULL weil der Ball hoch genug geworfen, jederzeit sichtbar und Balltreffpunkt auch sichtbar war) und dem eingreifen mit sofortigem Punktverlust in einer satzentscheideden Phase.

Damit stelle ich mich nicht grundsätzlich auf oder gegen eine Seite. Hier empfinde ich nur Mitgefühl für einen Spieler, ob so einer krassen Fehlleistung des Schiedsrichters.
Zum ersten Absatz: Ich kann deine Einschätzung prinzipiell nachvollziehen, aber es bleibt eben eine äußerst subjektive Einschätzung deinerseits. Eine objektive Fehlleistung des Schiedsrichters hast du nicht nachgewiesen.

Zum zweiten Absatz (Hervorhebung von mir): Damit lehnst du dich eindeutig zu weit aus dem Fenster.

Erstens war der Ball, objektiv betrachtet, offenbar eben nicht den Regeln entsprechend hoch genug geworfen. Du schwächst dein Argument unnötig, wenn du solche objektive Fakten leugnest. Warum tust du das?

Zweitens kannst du überhaupt nicht nachweisen, dass Pitchford dadurch kein Nachteil entstanden wäre. Ich kann hingegen sehr leicht argumentieren, dass es einen Nachteil gegeben hätte. Nehmen wir mal an, dass Ma Long sich seinen Aufschlag bei 11:11 im vierten Satz sehr bewusst aussucht. Er will also, aus taktischen Gründen, einen Rückhandaufschlag machen. Soweit sollten wir uns doch alle einig sein.

Nehmen wir nun an, dass er diesen Aufschlag am sichersten und/oder qualitativ hochwertigsten spielen kann, wenn er den Ball nicht richtig hochwirft, sondern ihn eher fallen lässt als ihn hochzuwerfen. Auch das ist denke ich leicht nachvollziehbar, da er durch das Hochheben (nicht -werfen) des Balles ja mehr Kontrolle über ihn hat und da ihm als Profi die Regelwidrigkeit dieser Aufschlagdurchführung sicherlich bewusst ist (spätestens dadurch, dass ihm solche Aufschläge schon mehrfach abgezählt worden sind).

Unter diesen beiden gut begründbaren Annahmen ergibt sich folgende Schlussfolgerung: Ma Long versucht bewusst, sich einen taktischen Vorteil durch einen regelwidrigen Aufschlag zu verschaffen.

Zu deinem dritten Absatz:

Die "krasse Fehlleistung" hast du noch nicht nachgewiesen, die empfindest du lediglich.

Und Mitgefühl ist in meinen Augen die falsche Reaktion. Wenn ich sehe, wie der womöglich beste Tischtennisspieler aller Zeiten bei 11:11 den Ball nicht ordentlich hochwirft, dann empfinde ich eine Mischung aus Ungläubigkeit, Fremdscham und Spott. Wenn dieser Aufschlag dann als regelwidrig gewertet wird, empfinde ich Genugtuung.

Geändert von tsb (18.08.2018 um 08:26 Uhr)
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