Schwieriges Thema.
Was ist denn mit "aktiver Toleranz" gemeint? Gendersterne? Contentwarnungen?
Keiner zwingt einen ja dazu, zu nem CSD zu fahren oder ne Regenbogenflagge rauszuhängen.
Ich kenne zufällig Leute aus dem Milieu, bin gut befreundet mit nem schwulen Paar.
Muss gestehen dass das Extrovertierte vom CSD nicht so meins ist. Aber ich geh auch ungern ins Bierzelt.
Finde aber, rein logisch betrachtet, nichts, was gegen Schwulen- und Lesbenparties oder Angleichung von Rechten spricht. Ich denke, es macht auch insgesamt was mit der Gesellschaft.
Als Kind haben wir oft schwul, Schwuchtel, Homo, Behinderter etc. als Schimpfwort benutzt. Schwule waren irgendwie komisch, eklig, ohne dass wir das wirklich verstanden haben, was schwul eigentlich ist.
Was steckt dahinter? Kinder machen sich da meistens keine Gedanken, aber eigentlich werte ich damit Minderheiten ab.
Je weniger das passiert, desto weniger Konflikte in der Gesellschaft.
Dass die Toleranz
auch bei
den Muslimen gefördert werden muss,
die sehr traditionelle und repressive Einstellungen haben, ist klar. Aber wie funktioniert das?
Aus meiner Sicht nicht nur über ein "Das ist bei uns so und du musst klarkommen". Worte ändern keine lebenslange Einstellung.
Wie bei mir als Kind ist das glaub ein Prozess. Man sieht, dass es ein gesellschaftlicher Wert ist. Dass (für einen persönlich) wichtige, mächtige Personen (auch Vorbilder, z.B. Eltern, Chef, Stars oder Politiker) Toleranz vorleben und thematisieren. Man lernt Betroffene kennen und lernt dadurch, dass die natürlich viel mehr sind als nur schwul. Die haben jeder nen ganz normalen Job, Hobbies, Musik, politische Einstellungen (warum denk ich jetzt an jimih?

) und nicht selten auch Probleme durch Anfeindungen in ihrem Umfeld.
In Québec hatte ich nen schwulen Kommilitonen. Der war als Ehrenamtler mit anderen queeren Leuten in Schulklassen unterwegs und sie haben Beratungsangebote für queere Schüler*innen vorgestellt, auf Fragen geantwortet etc. Keine Erziehung zur Schwulheit, einfach eine Präsentation von ihnen und ihrem Leben (natürlich kinder/jugendgerecht).
Mir hätte das früher glaub auch gut getan. Mit 16 war ich sogar noch unangenehm berührt als ich erfahren habe, dass mein Sitznachbar für 6 Monate sich geoutet hat.
Das Schlüsselwort ist doch Empathie. Mehr Empathie -> besser für die Gesellschaft. Dann kann ich mich auch in Arbeitslose, in Rentner, in Behinderte oder CSUler hineinversetzen
Und begegne ihnen dann mit Respekt und Verständnis für Forderungen. Auch wenn meine Interessen und Bedürfnisse vielleicht in eine andere Richtung gehen.
Ich rolle auch immer mal wieder mit den Augen, wenn ich Contentwarnings zu scheinbar blödsinnigen Inhalten lese. Ich stolpere regelmäßig über Gendersterne, wo ich sie nicht gewohnt bin.
Aber es ist nichts, wovon für mich die Welt untergeht. Andere reden Dialekt oder schreiben katastrophale Beiträge und ich versteh sie trotzdem irgendwie.
Irgendwann hat es sich mal eingebürgert, dass im Deutschen Substantive groß geschrieben werden. Unbequem, aber man lernt es und stört sich nicht weiter dran. Ähnliches für den Laut "sch", für den wir drei Buchstaben brauchen. Wahnsinnig unübersichtlich... und deutlich nutzloser als ein Genderstern, durch den sich Menschen wertgeschätzt fühlen.
Und ja, es gibt sicher Themen wie die Rente, die noch mehr Menschen betreffen. Aber bloß weil ein großes Thema wichtig ist, ist es für mich kein Grund, kleine Themen schleifen zu lassen.