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Alt 12.09.2018, 12:18
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: DER Thread für politisch Interessierte

Zitat:
Zitat von Nacki Beitrag anzeigen
Getreu dem hier üblichen Vorgehen möchte ich anmerken, daß Du hier Deine persönlichen Erfahrungen verallgemeinerst.
Es gibt natürlich Individuen mit noch mehr Erfahrungen und einer ganz anderen Sicht auf Medien in Deutschland:


Menschen, die in diesem frühen September 2018 in meinem Schwabinger Kaffeehaus nach wenigen Minuten eines Leseversuchs ihre einst so geliebte SZ zu Seite legen, fragen mich immer wieder - da sie gehört haben, dass ich für eine sehr lange Zeit für viele nennenswerte Printorgane gearbeitet habe, was eigentlich aus uns Journalisten geworden ist, wann das "irgendwie" alles begann mit dem sittlichen Zerfall und ob sich die Branche irgendwann einmal wieder von dieser Implosion erholen wird und ob das eine Delle ist oder eine Art Grippe, wie Aids halt und man das wieder in den Griff bekommt.

Sicher, so antworte ich, wenn ich in Erzählstimmung bin und verweise, falls mich der bayerische Grant im Griff hat, auf ein Buch von Sebastian Haffner, wo der sich über Goebbels und den Umgang damals in Sachen Medienmob äußerte:

"Dieser, also Goebbels, versuchte nämlich nicht, das gesamte deutsche Volk zu national-sozialistischen Ideen zu bekehren, sondern er verlegte seine Anstrengungen darauf den Bürgern durch die Medien eine heile Welt vorzuspiegeln. Er verbot die bürgerlichen Zeitungen nicht und man kann nicht einmal sagen, dass er sie nazifizierte. Die meisten alten Redaktionen der großen bürgerlichen Zeitungen schrieben, wie sie immer geschrieben hatten und genau so sollten sie auch schreiben. Es gab im Dritten Reich durchaus eine Art Pressevielfalt. Der Zeitungsleser hatte die Wahl, die Dinge so dargestellt zu sehen, wie er es sich wünschte und gemäß seiner Stimmungslage weiter bedient zu werden."

...

Zwischen 1985 und 2001 hatte die große Säuberungswelle eingesetzt und die smarten Tortentänzer setzten die alljährlichen Bilderberg-Vorgaben subtil und perfide um. Sie zerstörten die Kommunikation zwischen Innen und Außen, sie verteilten das Wissen und schufen Misstrauen und Neid. Die Ideen von Freien wurden ignoriert, heruntergeputzt oder gleich gestohlen. Wer fragte oder gar drohte, hatte sich selbst erledigt. Selbst bei Redaktionen mit einem einst guten Ruf, bei der SZ, Zeit oder FAZ, wurde jedweder weiterführende Dialog abgewürgt. Im Zentrum der Kommunikationsbranche herrschte das bleierne Schweigen.


Quelle.
Journalisten, es sei denn sie würden selbst ihre Arbeit verlegen, sind doch nur zu einem Teil wirklich frei.

Private Medien finanzieren sich durch Werbung und wenn die Kundschsft gesammelt abspringt, dann hat der Verlag ein Problem...

Freie Mitarbeiter sind noch abhängiger. Wenn man ihnen keine Aufträge erteilt, sind sie arbeitslos...

Im ÖR Bereich sitzt dazu noch die Politik in den Gremien.

Claus Kleber ist, soweit ich weiß, Mitglied der Atlantikbrücke. Gleichzeitig Chef der Nachrichtenredaktion des ZDF.

Was machen Leute wie Will, Illner, Hayali oder Maischberger, wenn sie von der Politik boykottiert würden?


Je weiter es nach oben geht, desto mehr Geld ist auch im Spiel.

Man stelle sich einen Reporter vom Lokalsport vor, der bei jedem Verein Hausverbot hat...

"Frei" ist nur jemand, der finanziell unabhängig ist, und das ist kaum ein Journalist.

Ein Arbeitnehmer bei Daimler, der weit über Tarif bezahlt wird, der wird sich zu Leiharbeitern und Werkverträgen sicher seinen Teil denken. Öffentlich aussprechen würde er es nie.

Jeder Handwerker, Außendienstler, Unternehmer und jeder andere, der mit Kunden zu tun hat denkt sich manchmal was für ein Dreckschwein er da gegenübersitzen hat. Mam sagt aber nichts, weil man daran verdient.

Man vergisst auch oft, dass Redakteure ganz normale Arbeotnehmer bzw. Auftragnehmer sind und damit eine Loyalitätspflicht haben.

Ein Autoverkäufer im BMW Autohaus sagt dem Kunden sicher nicht, dass Mercedes das seiner Meinung nach bessere Auto ist. .