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Alt 28.09.2018, 10:24
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AW: Versteckte Aufschläge - Der Ma Long Aufschlag (Larry Hodges)

Zitat:
Zitat von Armendariz Beitrag anzeigen
Du hast nur die Daten der Sieger angeschaut.
Die kombinierten Daten von Sieger und Verlierer sind die unterste Zeile.
Nach drei Quellen mit 53-54% im Schnitt reichts mir jetzt. Du magst die Fakten scheinbar nicht.
Die einzige zuverlässige Quelle, die du genannt hast, ist Djokic et al. Darum schauen wir uns diese doch mal genauer an.

Nein, die unterste Zeile in Tabelle 1 sind nicht die kombinierten Daten von Siegern und Verlierern. Da liegst du falsch. Diese kombinierten Daten gibt es im Artikel gar nicht. Die Autoren haben so etwas gar nicht ausgewertet, sondern etwas ganz anderes:
Zitat:
Statistically significant differences in efficacy (Winner/Loser) were identified in all analyzed performance indicators (p=.000).)
Es ist mein Beruf, diese Arten von Statistik selbst zu berechnen, daher erkläre ich dir die Ergebnisse des Artikels gerne (und zwar ausführlicher als die Autoren das selbst gemacht haben; wie gesagt: der Artikel scheint wissenschaftlich akzeptabel zu sein, ist aber nicht gut geschrieben).

Die obersten beiden Zeilen (WONSER) enthalten den Prozentsatz gewonnener Ballwechsel, wenn man selbst aufschlägt; getrennt ausgewertet für die Spieler, die das jeweilige Match gewonnen haben bzw. es verloren haben.

Die nächsten beiden Zeilen (LOSSER) zeigen den Prozentsatz verlorener Ballwechsel, wenn man selbst aufschlägt; getrennt ausgewertet für die Spieler, die das jeweilige Match gewonnen haben bzw. es verloren haben. Dies sind natürlich redundante Informationen, da das ja einfach die Gegenereignisse zu WONSER sind. Das können wir also getrost ignorieren.

Und die letzten beiden Zeilen (WOPSER) enthalten den Prozentsatz gewonnener Ballwechsel, wenn der Gegner aufschlägt; getrennt ausgewertet für die Spieler, die das jeweilige Match gewonnen haben bzw. es verloren haben.

Die Analyse zeigt uns folgendes:

Wer ein Match gewinnt, bringt durchschnittlich 60% der eigenen Aufschläge durch. Wer ein Match verliert, bringt signifikant weniger, nämlich nur 46% der eigenen Aufschläge durch. Die Größe dieses Effektes beträgt d = 1.89. Nach einer gängigen Einteilung liegt die inhaltliche Bedeutung des Effekts somit zwischen "Very Large" und "Huge".

Wer ein Match gewinnt, gewinnt bei durchschnittlich 53% der gegnerischen Aufschläge. Wer ein Match verliert, gewinnt bei signifikant weniger, nämlich nur bei 39% der gegnerischen Aufschläge. Die Größe dieses Effektes beträgt d = 1.96. Die inhaltliche Bedeutung dieses Effektes liegt also sehr dicht an "Huge".

Zusammengefasst: Im Tischtennis haben die Sieger im Vergleich zu den Verlierern eine dramatisch (very large bis huge) größere Erfolgsquote sowohl bei eigenen als auch bei gegnerischen Aufschlägen. Der Effekt des Aufschlags im Tischtennis ist damit, statistisch nachweisbar, äußerst groß.

Die Autoren schlussfolgern das natürlich ebenso:
Zitat:
According results which shown significant statistical differences between winners and losers in service/return activities, we can assume that these activities are the most important points to consider in the table tennis analysis.
Also nein: Deine Fakten zeigen nicht das, was du denkst. Man muss schon ein bisschen was von Statistik verstehen, um mit solchen Daten umgehen zu können. Und wenn man das kann, dann drängt sich folgende These auf: Der Schlüssel zum Erfolg im Profitischtennis ist der Aufschlag. Das hat natürlich auch Hodges, aus eigener Erfahrung, bereits beschrieben. Aber wenn du ihm allein nicht glaubst, dann hast du ja zusätzlich auch die Daten von Djokic und Kollegen.

Zitat:
Zitat von Armendariz Beitrag anzeigen
Ich nenn dir noch viele andere Spieler, die mit Arm oder Schulter verdecken oder vor Ma Long verdeckt haben:
Wang Liqin, Oh Sang Eun, Apolonia, Källberg, Monteiro, Shibaev, Dima, Mizutani, Matsudaira... brauchst noch mehr?
Wang Liqin: längst nicht mehr aktiv, irrelevant
Oh Sang Eun: 41 Jahre alt, verdeckt den Ball beim Aufschlag sehr selten
Apolonia: Verdeckt häufig, hauptsächlich mit dem Kopf
Källberg: Verdeckt häufig, hauptsächlich mit dem Kopf
Monteiro: Verdeckt auch mit dem Kopf
Shibaev: Das Verdecken mit dem Kopf ist Shibaevs Markenzeichen. Unzählige Gegner haben sich darüber bereits beschwert.
Dima: Tatsächlich einer der sehr wenigen Profis, die den Ball nicht mit dem Kopf verdecken. Manche (!) seiner Pendulum-Aufschläge sind bezüglich seines linken Armes grenzwertig oder falsch, das sehe ich auch so. Ich würde schätzen, dass so ca. 5-15% seiner Aufschläge verdeckt sein könnten, aber ich habe mir das noch nicht in einer sehr großen Stichprobe angeschaut. Unter den Profis hat er damit einen der saubersten Aufschläge.
Mizutani: Verdeckt manchmal selten, manchmal häufig. Wenn er es tut, dann hauptsächlich mit dem Kopf
Matsudaira: Verdeckt soweit ich weiß selten, aber wenn, dann hauptsächlich mit dem Kopf

Die meisten der von dir genannten Spieler verdecken hauptsächlich mit dem Kopf. Die einzigen, die nicht mit dem Kopf verdecken, sind Wang Liqin (irrelevant), Oh Sang Eun (41 Jahre alt, nahezu irrelevant) und Ovtcharov (tatsächlich eine Ausnahme neben Gerell).

Du irrst dich in deiner Einschätzung. Gewaltig. Leg bitte deine Scheuklappen ab und dann wirst du endlich selbst das einsehen, was TT-Experten wie Hodges schon längst erkannt haben.

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edit:
Noch ein kleiner Nachtrag, weil ich darüber neulich nachgedacht habe. Du hast neulich als Argument gegen Hodges vorgebracht, dass Samson Dubina und PingSkills ja sagen würden, Aufschläge wären durch die neuen Rückschlagtechniken weniger wirkungsvoll.

Was unterscheidet Larry Hodges von Samson Dubina und PingSkills? Ersterer ist ein (ehemaliger) Jugendnationaltrainer, er ist also den Spielern verpflichtet, die auf dem Weg ins Profitischtennis sind. Letztere beiden verkaufen ein Produkt (TT-Videos und -Lehrgänge) an Amateure und Hobbysportler.

Wo liegen also die Hauptinteressen dieser Personen? Es ist eigentlich nicht sehr kompliziert.

Larry Hodges interessiert sich für die Integrität des Sports, weil er verantwortlich ist für die Jugend. Er möchte nicht den angehenden Jungprofis sagen müssen: "Wenn du im Tischtennis bestehen willst, musst du den Ball beim Aufschlag so verdecken wie Ma Long. Ohne die Bereitschaft zu betrügen wird aus dir in dieser Sportart leider nichts."

Dubina und PingSkills wollen vorrangig ihre Produkte an Amateure verkaufen. Das ist ihr Lebensunterhalt. Mit welcher dieser beiden Aussagen geht das wohl besser? (a) oder (b)?

(a)
"Die besten Spieler der Welt verdecken fast alle ihre Aufschläge. Um in die TT-Elite vorzudringen, ist das Erlernen von möglichst illegalen Aufschlägen extrem wichtig, genauso wie die äußerst schwierige Fähigkeit, den Schnitt allein anhand des Flugverhalten des Balles zu lesen, da man keinen auditiven oder visuellen Input vom Ballkontakt beim Aufschlag bekommt."

(b)
"Diese coolen neuen Rückschlagtechniken wie Chiquita- und Strawberry-Flip werden jedoch noch so guten Aufschläger locker überrumpeln. Kauf einfach unser Produkt, dann erklären wir dir, wie das geht!"

Das ist natürlich überspitzt dargestellt. Aber ich denke du erkennst, wie unterschiedliche Interessen durchaus mit unterschiedlichen Aussagen einhergehen können. Das ist vollkommen normal. Wer zu einem möglichst objektiven Urteil kommen will, muss sich diese Interessen und Motive definitiv bewusst machen und im Blick behalten. Das ist dir bisher nicht gelungen.

Geändert von tsb (28.09.2018 um 11:16 Uhr)
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