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Zitat von mithardemb
Nach welt-in-zahlen.de exportiert China Güter im Wert von 689 US$ pro Einwohner und Jahr und bei Deutschland sind es 14.474 US$. In welchem Land ist der Druck im Export erfolgreich zu sein jetzt höher?
Man mag es kaum glauben, aber sowohl der absolute als auch der prozentuale Exportüberschuss von China ist sehr viel geringer als der von Deutschland.
Leider ist dieses "Ammenmärchen" durchaus korrekt. Neben der durchaus vorhandenen Qualitätssteigerung in dem angesprochenen Zeitraum gab es auch eine immense Produktivitätssteigerung durch Rationalisierung und Automatisierung. Den Staat und die Bürger hat das durchaus getroffen. Schau dir mal den Anstieg der Arbeitslosigkeit in den 70ern und 80ern an.
Auch ein "qualitativ herausragendes" Produkt muss den höheren Preis rechtfertigen und überhaupt erschwinglich für den Käufer bleiben. Der Euro hat großen Anteil daran, dass im Moment unsere Wirtschaft brummt und der Finanzminister sehr großzügig über die Finanzen verfügen kann ohne dass wir dafür Schulden aufnehmen müssten.
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Aber das Problem ist doch, dass ein künstlich forcierter Export nicht auf die Kaufkraft der Bevölkerung durchschlägt.
Ja, vielleicht exportieren wir etwas mehr auch den Euro. Aber der Arbeiter/Angestellte bezahlt das mit einem Kaufkrafrverlust von bis zu 30% im Verhältnis zur DM.
Ja, der Staat kann sich durch Niedrigzinsen billig finanzieren.
Die Bevölkerung bezahlt das aber mit Nullzinsen und ist gezwungen in Aktien oder Immobilien zu investieren.
Bei einer Inflation von 1.5% und einem Tagesgeldsatz von nahe 0% wird nicht investiertes Geld jedes Jahr entwertet.
Zu China:
Der Staat hat 1.3 Mrd Einwohner, wovon vielleicht 5% westlich leben.
Wenn du das Gehalt eines Durchschittschinesen von vielleicht 200-300 Euro im Monat in Relation zum Exportüberschuß stellst, dann sehen die Zahlen schon ganz anders aus.
Und ja, in Deutschland ist die Arbeitslosigkeit in den 70ern und 80ern durchaus etwas gestiegen. Das war aber doch normal, da nach 1945 alles kaputt war und dann wieder aufgebaut worden ist.
Der Exportüberschuß stieg aber trotz der Aufwertungem immer mehr.
Zudem wuchsen die realen Einkommen der Bevölkerung überproportional.
Der Staat leistete sich auch keinen Niedriglohnsektor.
Man sollte hier auch über die Jahrzehnte West und Ostdeutschland getrennt betrachten.
Wenn man die Nettozahlungen von Westdeutschland an den Osten und die EU betrachtet, dann sind die "neuen Märkte" teuer erkauft.
Es passierte dann über die Jahre das, was uns jetzt mit der EU noch bevorsteht. Man hat den Lebensstandard und das Lohnniveu im Westen kontinuierlich runter gefahren, nur um den Osten (und in Zukunft die schwachen EU-Staaten) konkurrenzfähig zu machen.
Beispiel Opel:
Man ist mit massiver Subvention nach Eisenach und Gliwice und hat Bochum zugemacht weil die Politik die Möglichkeit einräumte.
Meine Grundtheorie bleibt halt, dass man nicht nur maximalen Export anstreben sollte, sondern auch die Binnenkaufkraft im Auge haben muss.
Ist es volkswirtschaftlich sinnvoll sich einen Niedriglohnsektor zu halten, der, A, die Binnenkaufkraft schwächt und, B, über Aufstockung vom Staat subventioniert wird oder ob man eine etwas höhere Arbeitslosigkeit über die AV besser absichert?