Zitat:
Zitat von Noppenzar
Aber das Problem ist doch, dass ein künstlich forcierter Export nicht auf die Kaufkraft der Bevölkerung durchschlägt.
|
Genau das wird Deutschland von anderen EU Staaten und der USA auch vorgeworfen.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Ja, vielleicht exportieren wir etwas mehr auch den Euro. Aber der Arbeiter/Angestellte bezahlt das mit einem Kaufkrafrverlust von bis zu 30% im Verhältnis zur DM.
|
Der Kaufkraftverlust eines ehemaligen Arbeiters / Angestellten in Hartz 4 ist noch deutlich höher als 30%.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Ja, der Staat kann sich durch Niedrigzinsen billig finanzieren.
Die Bevölkerung bezahlt das aber mit Nullzinsen und ist gezwungen in Aktien oder Immobilien zu investieren.
Bei einer Inflation von 1.5% und einem Tagesgeldsatz von nahe 0% wird nicht investiertes Geld jedes Jahr entwertet.
|
Das ist durchaus korrekt. Der Teil der Menschen der Schulden zurückzahlt sieht das mit einem lachenden und der Teil der Geld verleiht mit einem weinenden Auge. Es bringt auch die private Altersvorsorge in arge Schwierigkeiten - aber Arbeitslosigkeit tut das noch sehr viel mehr.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Zu China:
Der Staat hat 1.3 Mrd Einwohner, wovon vielleicht 5% westlich leben.
Wenn du das Gehalt eines Durchschittschinesen von vielleicht 200-300 Euro im Monat in Relation zum Exportüberschuß stellst, dann sehen die Zahlen schon ganz anders aus.
|
Wenn du mal das Durchschnittseinkommen nach
https://www.laenderdaten.info/durchs...seinkommen.php mit 641 € in China und 3.208 € in Deutschland in Relation zu den 698 / 14474 US$ Export pro Jahr in Relation setzt, dann hat China einen Export von ca 1/12 des Jahreseinkommen und Deutschland von 1/3.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Und ja, in Deutschland ist die Arbeitslosigkeit in den 70ern und 80ern durchaus etwas gestiegen. Das war aber doch normal, da nach 1945 alles kaputt war und dann wieder aufgebaut worden ist.
|
"Etwas" ist nicht nur "etwas" untertrieben. Schau dir mal die Entwicklung der Zahlen (z.B. hier:
https://www.bpb.de/geschichte/deutsc...osigkeit?p=all) genauer an, bevor so etwas schreibst.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Der Exportüberschuß stieg aber trotz der Aufwertungem immer mehr.
Zudem wuchsen die realen Einkommen der Bevölkerung überproportional.
|
Ja. Hatte ich dir ja schon erläutert. Natürlich kann man Wechselkursverluste kompensieren, aber man verliert dabei natürlich trotzdem das Geld.
Dann kommt noch dazu, dass unser Vorsprung in viele Schlüsseltechnologien gar nicht mehr so klar und deutlich ist und dass wir immer mehr Aufgaben in billigere Staaten verlagern. Die Wiedereinführung der DM im globalen Markt würde gerade der kleine Mann sehr schnell bereuen.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Man sollte hier auch über die Jahrzehnte West und Ostdeutschland getrennt betrachten.
|
Ich spreche hier nur von der BRD. Die DDR hatte ein komplett anderes Wirtschaftssystem und war 1990 pleite.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Wenn man die Nettozahlungen von Westdeutschland an den Osten und die EU betrachtet, dann sind die "neuen Märkte" teuer erkauft.
|
Was die ehemalige DDR angeht, so war die Wiedervereinigung ein Ziel da man nicht unter finanziellen Gesichtspunkten verfolgt hat. Was die EU angeht, so solltest du dir noch mal ganz genau unsere Abhängigkeit vom Export ansehen bevor so zu einer solchen irrationalen Schlussfolgerung kommst.
Es passierte dann über die Jahre das, was uns jetzt mit der EU noch bevorsteht. Man hat den Lebensstandard und das Lohnniveu im Westen kontinuierlich runter gefahren, nur um den Osten (und in Zukunft die schwachen EU-Staaten) konkurrenzfähig zu machen.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Meine Grundtheorie bleibt halt, dass man nicht nur maximalen Export anstreben sollte, sondern auch die Binnenkaufkraft im Auge haben muss.
|
Die Grundtheorie ist auch absolut richtig. Irgendwann wird uns die EU dafür belangen, dass wir hier die Absprachen brechen. Aber daraus kann man keinesfalls den Ausstieg aus dem Euro folgern.
Zitat:
Zitat von Noppenzar
Ist es volkswirtschaftlich sinnvoll sich einen Niedriglohnsektor zu halten, der, A, die Binnenkaufkraft schwächt und, B, über Aufstockung vom Staat subventioniert wird oder ob man eine etwas höhere Arbeitslosigkeit über die AV besser absichert?
|
Das Problem war die Zeit als Deutschland der "kranke Mann von Europa" war. Damals musste man handeln. Jetzt muss man das Ruder wieder in eine andere Richtung wenden. Aber auch das hat natürlich nichts mit China oder dem Ausstieg aus dem Euro zu tun.