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Alt 03.11.2018, 22:11
Allsquared Allsquared ist offline
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Allsquared ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)Allsquared ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)Allsquared ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)Allsquared ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)Allsquared ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)
AW: Nachwuchsarbeit in Deutschland und Europa, Probleme im Trainerbereich und allgeme

Hier findet sich ein Interview mit David Epstein, dem Autor des Buches "The Sports Gene: Inside the Science of Extraordinary Athletic Performance".

Das ganze Interview ist interessant, besonders faszinierend fand ich allerdings den Teil ab 22:30. Darin geht es um die 10.000-Stunden-Regel, die ja auch und insbesondere im Tischtennis immer wieder angeführt wird, um zu beweisen, dass jemand der nicht mit 4, 5 oder spätestens 6 angefangen hat, es nicht zum Profi bringen kann.

Laut Epstein basiert diese Regel auf einer einzigen (wissenschaftlich fragwürdigen) Studie die an Violinisten der Musikhochschule Berlin durchgeführt wurde. Diese Regel wurde durch die Medien popularisiert und so in der originalen Studie nie aufgestellt. Der Autor der Studie hat später deswegen den Artikel "The Danger of Delegating Education to Journalists" geschrieben.

Epstein zufolge ist die Übernahme der 10.000-Stunden-Regel in der Jugend-Sportförderung nicht nur nicht sinnvoll, sondern allen Daten zufolge sogar kontraproduktiv. Bei den allermeisten Sportarten kann man empirisch zeigen, dass Kinder, die unter 12 Jahren intensiv für eine Sportart trainiert werden, eine signifikant geringere Chance zu haben, später diese Sportart professionell zu betreiben. Diese Tatsache, kombiniert mit der Popularisierung der 10.000-Stunden-Regel, weswegen in großen Städten mit professionellen Clubs sich eine Frühförderung durchgesetzt hat, hat in den USA dazu geführt, dass in den großen Ligen (NBA, NHL, ...) fast nur noch Sportler aus Kleinstädten spielen, deren Kindheitsclubs nicht die Mittel zu "professioneller" Förderung hatten.

Unter den von Epstein genannten Sportarten findet sich Tischtennis nicht, und ich würde davon ausgehen, dass hier die Zahlen tatsächlich anders aussehen würden, d.h. die meisten Profis wurden schon unter 12 Jahren intensiv gefördert.

Aber, ich denke es ist möglich, dass diese Erkenntnis trotzdem auf das Tischtennis anwendbar ist. In Mannschaftssportarten wie Fußball, Basketball, etc. besteht ein Scouting-System, das es Jugendlichen über 12 Jahren ermöglicht, aus Dorfclubs in professionellere Strukturen zu Wechseln (bei den von Epstein genannten Zahlen geht es immer nur um die extensive Förderung unter 12 Jahren), sei es weil generell mehr Scouting betrieben wird, sei es weil ein Talent in einem Dorfclub heraussticht, selbst wenn er nicht unbedingt das Level eines gleichaltrigen Spielers aus einer Nachwuchsakademie hat.
Im Tischtennis hingegen hat jemand der mit 12 Jahren in einem Dorfverein unterwegs ist, einen solchen Rückstand gegenüber den anderen, dass er bei den entsprechenden Ausscheidungswettkämpfen immer unterlegen sein wird, und deswegen auch nie in die entsprechenden Förderprogramme rutschen wird. Deswegen wird man nicht erfahren, ob er, mit der entpsrechenden Förderung, nicht doch besser hätte werden können, als derjenige, der schon seit Kindesbeinen an zum Tischtennisspieler getrimmt wurde.

Und deswegen wird sich die Idee, dass man sehr früh anfangen muss, im Tischtennis weiter verfestigen. Es kann ja auch sein, dass Tischtennis tatsächlich die große Ausnahme unter den Sportarten ist, wo dem so ist, nur wirklich herausfinden werden wir es wahrscheinlich nie.
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