Zitat:
Zitat von Jaskula
Ich meine das in der Süddeutschen gelesen zu haben finde es aber nicht mehr. Bleibt die WELT:
https://www.welt.de/politik/deutschl...ach-Hause.html
Das war ja eine Frage an Dich. Wenn das Geld doch letztlich immer wieder in der Wirtschaft landet und man sich von daher keine Sorgen machen muss, ob etwas zu viel kostet, dann müsste das doch auch für arbeitende Menschen angewendet werden können, oder nicht ?
Ganz einfach, weil ich der Meinung bin, dass Löhne und Gehälter bei uns deutlich zu niedrig sind und daher der Großteil der Bevölkerung vom momentanen Boom nicht profitiert, was deren Lebensstandard negativ beeinflusst und nun noch solche Belastungen hinzu kommen, die mittelfristig weitere Einschnitte bewirken werden.
Nur oben wird auf die größten Geldhaufen immer weiter Geld geschissen. Die Kosten tragen alle anderen. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.
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Du musst bei den Löhnen aber auch differenzieren:
Du hast mittlerweile drei Klassen:
Die Beamten, mit fast Brutto für Netto und guter Pension.
Die Arbeiterelite in Großkonzernen mit sehr sehr guten Löhnen und sehr guter betrieblicher Altersvorsorge.
Und die "anderen", die das wahre Problem in der Gesellschaft sind. Tarifaufkündigung, Leiharbeit, Werkverträge, zeitlich befristet oder auch in Teilzeit.
Dazu kommt der Fakt, den ich immer wieder betone, nämlich die eurobedingte mangelnde Binnenkaufkraft.
Die liegt etwa 20-30% zu niedrig im Verhältnis zur Wirtschaftskraft des Landes. Das heisst, dass die Differenz aus den Gewinnen des Exportüberschusses nicht nach unten durchkommt. Volkswiirtschaftlich gibt es eine Theorie, die besagt, dass Länder mit zu stärker Währung gut für Bevölkerung und schlecht für das Kapital sind und bei zu schwächer Währung (wie in D) es genau umgekehrt ist.
Klar kann man jetzt mit der Arbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien dagegenhalten, aber die Bevölkerung hat zunächst einmal vom starken Euro massiv profitiert. Löhne und Renten sind, im Vergleich zur Drachme, erstmal massiv nach oben gegangen. Das Problem hier liegt darin, dass die Binnenwirtschaft nicht funktioniert. Man hat einfach keine Produkte die etwas taugen und die dann auch teurer gekauft würden.
In Italien hat die Bevölkerung vom Euro massiv profitiert, da es auch eine Industrie gibt. Wer in Venedig mal Kaffee trinken war oder sich in Spanien eine Liege am Strand buchte, der weiss, wie da abkassiert wurde. Zu Lira odee Pesetenzeiten völlig undenkbar.
Durch die Nullzinspolitik von Draghi wird das auch noch subventioniert.
Im Grunde bleiben nur zwei Möglichkeiten, um den Problemsektor in Deutschland wieder in den Griff zu bekommen:
Variante Eins ist der Euroaustritt, dann wird die DM sofort extrem aufgewertet und Importe, Reisen und Sachwerte legen direkt um 20, 30 oder 40% zu. Dann kostet die Tomate aus Spanien nur noch die Hälfte.
Variante Zwei ist eine staatliche Abschöpfung der Gewinne, die über Währungsvorteile zustande kommen. Es gibt viele Möglichkeiten. Verrechnungspreise und Lizenzen oder Patente mit verbundenen Gesellschaften nicht mehr abzugsfähig erklären, höhere Körperschaftsteuer auf Konzernerträge aus dem Ausland, zusätzliche MwSt auf Exporte etc., etc..
Man kann auch generell Equal Pay EU-weit anordnen, Auslagerungen steuerlich "bestrafen".
Möglichkeiten gibt es, aber ist das von der Politik überhaupt gewollt?