Hm, wird dieser Thread jetzt zur Psychologen-Couch für frustrierte TT-Spieler?!?
"So, jetzt erzählen sie mir mal, was Sie dazu bewogen hat, Noppen zu spieler... " -
"... Ah ja, ich ich diagnostiziere schwere psycho-somatische Störungen, die sich auf traumatische Ereignisse in frühester Kindheit in Form von Topspinphobie zurückführen lassen!"
Na, dann mal ran an die Sache!
Meine Kindheit: Aufgewachsen in einem der TT-Abteilung eines jungen Vereins (welche etwa 10 Jahre zuvor gegründet war) mit noch jungen Herren (maximal 30 anni) lernte ich wohlbehütet gepflegtes Topspinspiel. Nicht ohne Talent holte unsere junge Schüler- und Jugendmannschaft unter meiner Führerschaft mehrmals Meisterschaften, so dass wir uns sogar gegen Ende meiner Jugendspielzeit in der Jugend-Verbandsliga Nordbaden wiederfanden. Gekrönt wurde diese Episode durch eine erfolgreiche und überraschende Qualifikation für die Jugend-Regionalrangliste.
Die ersten Herrenjahre: Trotz meiner tollen Jugend-Erfolge und der Möglichkeit, in anderen, größeren Vereinen evtl. schon in der Bezirksklasse bis Verbandsklasse meine Herren-Karriere zu beginnen, entschied ich mich dafür, meinem Verein die Treue zu halten. Die erste Mannschaft spielte Kreisklasse A, also nicht besonders hoch, aber alle hatten großen Spaß am Tischtennis, und aufgrund der Jünge der Mannschaft war die Stimmung richtig phantastisch, anders, als ich es bei anderen Vereinen erlebte.
Zudem wollte ich mein Leben dem TT nicht unterordnen, sondern es als geeigneten Ausgleich zu meinem sonstigen Leben nutzen.
Doch selbst Herren A-Klasse fiel mir nicht allzu leicht. Meine Bilanzen waren die ersten zwei Jahren meist ausgeglichen. Schließlich profitierten wir von der Einführung des großen Balles, an welchen wir Jungspunde (alle zwischen 20 und 30) uns schnell anpassen konnten, und wurden vor zwei Jahren ungeschlagen Meister. Schließlich spielten wir letzte Saison Kreisliga, mit durchschnittlichem Erfolg. Aufstieg war illusorisch, und unser Ziel "Nichtabstiegsplatz" erreichten wir leicht.
Hier zeigte sich, dass mein VH-Topspin als Punktschlag einer der besten der ganzen Liga war, und auch im Pokalfinale gegen eine Bezirksklassemannschaft staunten die Gegner oft meinen Topspins hinterher. Trotzdem hatte ich nur eine Bilanz von 9:16 (Hinrunde: vorderes Paarkreuz, Rückrunde: mittleres Paarkreuz). Dies lag an einer eklatanten Rückhandschwäche (bei Offensiv-Aktionen), die ich wärend meiner Jugendzeit durch meine Vorhand ausreichend kompensieren konnte. Zwar wusste ich von dieser, und trainierte in den letzten zwei Jahren vermehrt meinen RH-Topspin, aber alle Trainingserfolge waren im Spiel zunichte. Dies bekam ich in der Kreisliga deutlich zu spüren, als die Gegner diese Schwäche leicht entdeckten, und mir die Bälle so geschickt zu verteilen wussten, dass ich entweder schließlich mit der RH den Fehler machte, oder beim Umlaufen klassisch ausgekontert wurde.
Dann entdeckte ich dieses Forum, in welchem ich auf einige Threads stieß, in denen Spieler berichteten, wie sie eine Rückhandschwäche erfolgreich überwanden, indem sie auf Material (mittellange Noppen) wechselten. Nach meinen schlechten Erfahrungen der Saison war mir klar, dass ich was ändern musste, und da ich sowieso nichts zu verlieren hatte, ersteigerte ich bei einem Auktionshaus wahllos einige Noppen, von langen griffigen über mittellange bis hin zu langen Glatten ohne Schwamm.
Es zeigte sich, dass mir das Noppenspiel unglaublich Spaß macht! Man muss sich einerseits höllisch gut konzentrieren, gut zum Ball stehen, und es gibt einem ganz neue taktische Möglichkeiten, sein Spiel zu gestalten! Seitdem ich die Noppen spiele, habe ich noch nie dertart variabel gespielt.
Ich wollte ja eigentlich auch mit den Noppen offensiv agieren, aber erste Versuche mit langen griffigen Noppen erwiesen sich in dieser Hinsicht als zu harmlos. Ich konnte zwar sehr sicher ziehen, aber die Bälle waren sehr leicht zu returnieren, in etwa wie lasche NI-Tospins mit wenig Geschwindigkeit und Effet.
Dann klebte ich mir zufällig einen ersteigerten Fakir OX auf mein Carbon-Brettchen. Ich muss sagen, sobald mir dieses Verhüterli-artige Ding das erste Mal in die Hände fiel, hatte es mich fasziniert.
Topspin war damit überhaupt nicht mehr drin, aber dafür hatte es andere Tugenden, bei denen ich entdeckte, dass sie eigentlich sehr gut zu meinem Spiel passen: man konnte einerseits sehr sicher unangenehm über die RH agieren, und gleichzeitig lassen sich die Bälle hervorragend zur Vorbereitung meines VH-Topspins nutzen. Und Schupfbälle lassen sich klasse schießen!!! Das muss ich aber noch üben...
Seither (also seit etwa 3 Monaten) spiele ich Fakir OX auf Stiga Carbo 7.6.
Zitat:
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Was sind eure starken Bälle?
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Eindeutig der VH-Topspin! Mit der Noppe spiele ich möglichst sicher und platziert, und nutze sie sehr gerne, um Effet-Angaben zu entschärfen. Sollte tatsächlich ein starker Topspinspieler mit sicheren Topspins über meine Rückhand den Punkt machen wollen, so kann ich auch hier variieren (Druckschupf, Abstecher), um den Gegner zu einem höheren Ball zu zwingen, den ich dann mit meiner Vorhand versenke. Diese Methode klappt übrigens sehr gut auch bis in höhere Ligen (Bezirksliga bis Verbandsliga, wie ich bei den sächsischen Hochschulmeisterschaften feststellen konnte)
Probleme hab ich noch mit langen effetlosen Bällen weit in die Rückhand, die ich nicht mit der VH umlaufen bekomme. Ebenso mit langsamen, extrem effethaltigen Topspins auf den Fakir, denn dann wird selbst der Fakir ein bisschen griffig, und die Bälle segeln weit hinter die Platte...
Zu taktischen Umstellungen bin ich gezwungen, wenn ein Gegner Schwächen der Noppen aufdeckt. Diese ist insbesondere die Vorhersehbarkeit des Effets.
- So drehte mein Gegner im Vereinsmeisterschafts-Viertelfinale nach einem 0:2-Rückstand das Spiel, als er entdeckte, dass er meinen Rückschlag eines bestimmten Effetaufschlags auf meine Noppen problemlos zum Endschlag nutzen konnte. So ging es in den 5. Satz, in welchem ich unbedingt meine Aufschlagannahme ändern musste. Insbesondere durch eine besonders konzentrierte Verteilung des Rückschlags, und durch Drehen des Schlägers (RH-Topspin) kam ich wieder in mein Spiel, und gewann den Entscheidungssatz deutlich.
- Im Finale spielte ich gegen unsere Nr. 1, welche als Noppenkiller bekannt ist. Er spielte das erste Mal gegen mich, seitdem ich Noppen spiele, und trotzdem klappte seine "Geheimwaffe" problemlos: Schupfball auf meine Noppen, und egal wie ich ihn zurückspielte (kurz und flach hinters Netz, lang und schnell in die Ecken) schlug es unbarmherzig ein. Auch hier musste ich schleunigst mein Konzept ändern. Wie im obigen Spiel erwies es sich als erfolgreich, den Schläger zu drehen (insbesondere bei US-Aufschlägen in die RH), bzw. mit erhöhter Beinarbeit VH-Topspin zu spielen. Schließlich gewann ich 3:1.

Fazit: Die Noppe bietet mir neue taktische Möglichkeiten, die aber nur genau dann erfolgreich sind, wenn ich mein Spielsystem dauernd ändere. Denn ansonsten sind die Noppen durchaus ausrechenbar und damit ausnutzbar. Bin ich aber in meinem System und meiner Taktik entsprechend flexibel, so entwickeln sich insbesondere gegen starke Gegner sehr schöne Matches, welche stark an das klassische Katz- und Mausspiel erinnern. Meist war es dann schließlich ich, welcher zum Schluss die eine taktische Variante mehr im Repertoir hatte, um das Spiel zu gewinnen.
So long,
Johannes